Kleiner Shout Out nach Köln: Die Sonne geht IM Belgischen Viertel auf und nicht ÜBER dem Belgischen Viertel ... Ob Falko Brokensieper und MIA von Substatic überhaupt dort wohnen? Das haben Aljoscha Weskott und Alexis Waltz gar nicht gefragt und dennoch einiges über Intensitäten an der Grenze zum Stillstand rausgefunden.
Text: Aljoscha Weskott und Alexis Waltz aus De:Bug 55

Super Sonnig
Sub_Static

Das Technolabel Substatic: ein Zierfisch zwischen Ikea und Habitat? Da weicht unsere Solariumbräune. Schließlich treiben Zierfische bei Nicht-Einhaltung des PH-Werts in einem exakt temperierten Wasser leblos an der Oberfläche…
Viel robuster präsentiert sich da Substatic in seinen feingliedrigen Technoschleifen. Die elf bisher auf Substatic erschienenen Platten versuchen Unaufdringlichkeit als Modus von Kommunikation zu etablieren. Anders als Filter-House, die Strokes oder gif-Animationen springen diese Tracks dich nicht an. Substatic beharren auf die Effektivität herabgesetzter Intensitätsgrade in den Austauschprotokollen zwischen Körpern. In Zeiten radikaler Low-Attention-Span ist das Buhlen um die totale Aufmerksamkeit verlorene Liebesmüh. Für Substatic ist Minimalismus keine Soundpolitik, sondern ein mentaler Zustand. Eher operiert man auf der Ebene eines immer mitlaufenden Fernsehers, der uns auf einer anderen Ebene erreicht, und tatsächlich sowas produziert wie einen raumerzeugenden Groove. Das subversive Pop-Ereignis, der rockistische Ausbruch und auch die Abfahrt handeln von Überschreitung. Ein emanzipatorisches Selbstbewusstsein zu erlangen ist bei Substatic aber gar nicht notwendig. Indem der Subjekt-Komplex rausgekürzt bzw. minimiert wird, kann die Musik doch noch raumerzeugend werden. Rocken fetischisiert die Bewegung, Substatic nehmen hingegen das Statische als Gegenmodell auf. Die musikalische Arbeit, die von Repair, Michael Langois und den Labelmachern MIA und Falko Brokensieper vollbracht wird, besteht dann darin, doch für eine permanente Minimalbewegung zu sorgen. Es wäre also falsch, die Nicht-Aggressivität sofort als Freundlichkeit auszulegen. Es ist mehr der Versuch, den Hörer/ Tänzer anderswo zu erwischen: Erstmal muss die Musik Tapete werden, um eine günstigere Angriffsposition einzunehmen. Substatic, ein strahlender Zierfisch im rotgefärbten Rhein.

DEBUG: Euer Logo: Wie ist es möglich, dass die Sonne im Haus scheint?
MIA: Oder im Solarium…
FALKO: Am Anfang hatten wir ja eigentlich gar kein richtiges Logo, sondern nur diesen einfachen Schriftzug. Ein Freund brachte dann jedoch die Kritik an, dass die Leute was haben wollen, was sie sich auf’s Mäppchen malen können. Das hat einfach sonnenklar eingeleuchtet.

DEBUG: Geht es um die verborgene Elastizität im Statischen? Wann wird diese verwirkt?
MIA: Nein, um so was geht es uns musikalisch gesehen nicht. Da hätte man vielleicht so Tracks wie “Elektrostatik” (von Plastikman) im Kopf. Das Statische besteht bei uns wenn überhaupt darin, dass unsere Musik meist nicht in die fernste Zukunft oder Vergangenheit blickt. Wir liefern Zitate des hier und jetzt, und davon jede Menge.

DEBUG: Was wäre die Gefahr des Statischen? Und warum nicht eine Politik des Nicht-Statischen? Nonstatic?
FALKO: Von mir aus. Wir sehen das, was wir hier tun, auch eher undogmatisch. Und das ist auch wichtig, um sich nicht in etwas zu verrennen, was am Ende wenig mit Clubmusik zu tun hat. Wir haben bei Gründung von Sub Static also nicht zuerst ein Manifest formuliert, dessen Essenz sich nun in unserem Namen widerspiegelt. Unser Name bedeutet einen Scheiß. Und unsere Philosophie lautet: Schnauze halten, Platten rausbringen!

DEBUG: Warum muss so subtil vorgegangen werden?
FALKO: Muss nicht. Aber es ist gut zu wissen, dass es das auch noch gibt, bzw. dass man selbst dazu beiträgt. Im Moment wollen viele ja lieber Popstars sein. Manche sind darin auch richtig gut, aber es sollte nicht so weit kommen, dass man nur noch schief angeguckt wird, wenn man da nicht so richtig mitziehen mag.

DEBUG: Wenn Substatic ein Tier wäre, welches wäre es?
Ein Zierfisch.

DEBUG: Wenn Substatic ein Parfum wäre, welches wäre es?
White Musk.

DEBUG: Wenn Substatic ein Kaufhaus wäre, welches wäre es?
Irgendwas zwischen Ikea und Habitat.

DEBUG: Auf welchen Floor passen Substatic Platten? Was antwortet ihr auf den Vorwurf der fehlenden Krassheit in euren Tracks?
Was nun krass ist oder nicht, ist ja auch immer eine Frage der Perspektive. Ist 80er denn wirklich sooo krass? Oder Sägezahnbässe?
Wie auch immer, Sub Static Platten sind sicher nicht das, womit man jeden Floor jederzeit zum Gröhlen bringt. Unsere Platten sind eher das, was es braucht, damit bei den krassen Tracks überhaupt Anlass zum Gröhlen besteht. Andererseits gibt es da doch schon ein paar Brüller auf Sub Static. Aber das muss man dann als DJ auch da rausholen wollen.

DEBUG: Gibt es durch das Performen dieser elektronischen Stile eine soziale Aussage bei Sub-Static. bzw. worin könnte diese liegen? Was außer Groove und Beats fließt noch ein und wird wichtig?
Groove und Beats sind de facto das Wichtigste für das, was wir tun, bzw. von allen Strömungen, die mal nach hier und mal nach dort gehen, wird es am Ende das sein, was übrig bleibt. Es ist im Grunde der Pfad, auf dem wir uns bewegen, und den es gilt im Auge zu behalten. Aber wir würden nicht so weit gehen, dies als eine soziale Aussage zu bezeichnen, es hat eher was mit Techno zu tun.

DEBUG: Art de Cologne. Wie schließt ihr euch daran an?
Machen wir uns nichts vor: Köln, und damit auch der Kompakt-Vertrieb, sind hierzulande die beste Basis, wenn man sich musikalisch etwas eigensinnig und frei bewegen will. Wir sehen uns zwar mit dem ur-Kölschen Minimalismus nicht ganz so eng verwandt, aber seit den ersten Stunden von Profan & Co. hat sich in Köln ja auch einiges getan. Köln ist einfach die Stadt, die immer ohne Hall auf der Bassdrum auskommt, und das ist uns wichtig.

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Elektronische Lebensaspekte.