Ein tiefer Einblick ins Universum der US-Gang- und Ghetto-Wirtschaft.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 132


Sudhir Venkatesh
Underground Economy – Was Gangs und Unternehmen gemeinsam haben
Econ Verlag

Durch Zufall, Beharrlichkeit und Todesverachtung gelingt dem Soziologen Sudhir Venkatesh ein tiefer Einblick ins Universum der Gang- und Ghetto-Wirtschaft der USA. Denn so vertraut die Szenerie aus Armut, Gewalt und Crack-Dealern durch HipHop-Tracks oder TV-Serien wie “The Wire” auch scheinen mag – in Wirklichkeit ist die Ghetto-Ökonomie eine Terra Incognita mitten in den USA.

In diese stolpert Venkatesh als junger Student zunächst eher zufällig, am Ende verbringt er zehn Jahre lang als Dauergast in den “Robert Taylor Homes” der Chigaoer Southside, dem größten Housing Project der USA. Und so kann Venkatesh die Machtverhältnisse, Überlebenstechniken und das Bewusstsein eines abgehängten Amerika erstmals mit wissenschaftlichen Blick beschreiben, der die Verbundenheit mit seinen Beobachtungsobjekten zwar nie leugnet, aber gleichzeitig Klischees und Voruteile meidet.

Sein gesammeltes Material hat Venkatesh bereits in einigen Fachpublikationen verwertet, in “Underground Economy” beschreibt er jetzt eher essayistisch seine Erlebnisse mit Gangstern, Gaunern, Sozialarbeitern, Junkies, Nutten und den unheimlichen Blockwarten der “Robert Taylor Homes”. Passagenweise hätte das Buch durchaus ein wenig mehr wissenschaftliche Detail-Trockenheit vertragen, aber da Venkatesh absolutes Neuland betritt, bleibt das wohl ein lässliches Manko.

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Elektronische Lebensaspekte.