Mario ist ein Klassiker, seit Urzeiten. Mittlerweile bei den Kids bekannter als Mickey Mouse und insgesamt 160 Millionen verkauften Spielen, kommt nun endlich der neue Teil. Ab auf die Insel, immer mit der obersten Direktive: Spielspass im Blick.
Text: Heiko Gogolin, Nils Dittbrenner aus De:Bug 65

“It’se me, Mario!” Der weltbeste Klempner hüpft wieder. Endlich. Als Vieldaddler wird man ja allgemeinhin über die Jahre hinweg etwas reservierter, schließlich steht Weltrettung auf dem Tagesplan und irgendein Setting, das dem Untergang geweiht ist, lockt einen kaum mehr hinterm Ofen hervor. Ein neuer Mario bietet jedoch stets Anlass für einen dreifachen Luftsprung, denn nicht nur quantitativ im Sinne eines technologischen “Höher, Schneller, Weiters”, sondern auch qualitativ ist stets sicher: Ein neues Gameplay-Level wartet.

Mario, der Charakter des Jump’n Runs und mit insgesamt 160 Millionen verkaufter Spiele zugleich Sockel für Nintendos Markterfolg, kam erstmals 1980 im Automaten “Donkey Kong” zum Einsatz. Damals noch schlicht “Jumpman” getauft und mehr grobpixeliger Sprite als schnurrbärtiger Superheld, den man zwecks besserer Distinktion mit roter Schirmmütze und Blubberbauch versah. Donkey Kong wurde wider Erwarten ein weltweiter Slammer und als Nintendo 1985 ihre erste Heimkonsole launchte, durfte der Klempner nicht mehr fehlen. Super Mario Bros. begründete das Hüpf und Lauf-Genre in seiner jetzigen Form. Das Game, seine Nachfolger und dadurch auch das N.E.S., verkauften sich wie warme Semmeln. Umfragen in Amerika zeigten sogar, dass Mario bei Kindern zeitweise bekannter war als Mickey Maus. Über die Episoden hinweg lernten wir mehr und mehr Mitglieder seiner Familie kennen und lieben, ob nun den jüngeren Bruder Luigi, sein Herzblatt Prinzessin Peach oder Marios knuddeliges Reittier, den kleinen Dino Yoshi.

Alle Teile zeichnen sich bis heute nicht nur durch ihre sublime und zeitlose Spielbarkeit samt großartigem Umfang und vieler Geheimnisse aus, sondern kickten zudem das gesamte Genre voran. Den Sprung in die dritte Dimension vollzog Super Mario 64: Die Gemeinde lobpreiste den Stardesigner Miyamoto, war doch der Einzug von Räumlichkeit in den Hüpfpassagen und den in alle Achsen hin offenen Rätseln grandios gelöst. Selbst heute wird der Titel in all seinen Freiheiten selten erreicht, da viele Konkurrenzprodukte weiterhin Jump ‘n Run -Parcourse einfach in die dritte Dimension portieren ohne den Raum wirklich konstituierend in das Geschehen einzubeziehen. Das Spieldesign entsprach damals schon eher einem Abenteuerspielplatz als einer linaren Reise durch’s Marioland. Dieser grundsätzlichen Offenheit wird auch Super Mario Sunshine, das erste Abenteuer seit sechs Jahren, nicht untreu. Miyamoto belässt’s beim Prinzip, den Spieler an mehreren Aufgaben parallel werkeln zu lassen, aber erweitert es im Detail sehr spannend und immer mit der obersten Direktive Spielspass im Blick.

Alles neu – alles super
Wir begleiten Mario mit Darling Peach in den wohlverdienten Urlaub auf die Südseeinsel Isla Delfino. Bei der Ankunft fällt alsbald auf, dass das Palmenparadies von einer ekligen Farbschicht beschmiert wurde. Als Übeltäter identifiziert man fluchs Mario, aber natürlich ist’s ein fieser Doppelgänger, der derart rumgesaut hat. Die ortsansässige Justiz zeigt sich nicht zimperlich und verurteilt unseren Helden dazu, die gesamte Insel wieder sauberzuwaschen. Der Strafvollzug gestaltet sich dabei trotzdem ziemlich liberal: Hüpfen darf man wohin man will, außerdem bekommen wir eine sprechende Wasserpumpe als nützliches Putzwerkzeug, die sich jedoch ziemlich fix auch für andere Zwecke gebrauchen lässt. Je nach Aufsatz stellt sie zugleich Schwebehilfe, Senkrechtstarter oder Turbo dar. So geht es quietschfidel durch genial designte Levels mit Namen wie Parco Fortuna, Monte Bianco oder Porto d’Oro. Den Ausflug untermalen stets karibische Tunes, zu denen die knuffigen Inselbewohner den ganzen Tag rythmisch ihre Hüften schwingen. Für die frischen Aufgaben verändert sich teilweise die Architektur der Stages. Wir legen eine Rennpartie ein, bezwingen kriegerische Hamster oder landen in einem der aus SuperMario 64 bekannten Hardcore-Plattformstages, in denen sich alle Elemente stetig in einer mechanischen Lebendigkeit bewegen. Langeweile ist dabei ein Fremdwort, höchstens hakt’s mal bei einer schwierigen Sprungpassage. Dies motiviert aber auch, gerade da Fruststellen selten in Verlust der Bildschirmleben gipfeln – Eher muss wieder mühsam nach oben gekrabbelt werden. Die sonnige Optik bleibt den bisherigen Marioteilen treu: knallig bunt und friedlich, aber selten zu farbig oder mit Knuddeloverdose. Wie liquide alles vor sich hin tropft, schmiert und bubbelt ist ein wahres Vergnügen, da macht selbst putzen wieder Spass. Die Hauptaufgabe, von den 120 im Spiel versteckten “Shines” bzw. “Insignien der Sonne” wie sie in der ansonsten exzellenten deutschen Übersetzung etwas unfunky heissen, mindestens 60 zu sammeln, gelingt durch faires Spieldesign selbst Anfängern irgendwann. Werden alle 120 gewünscht, müssen schon absolute Pro-Styles am Start sein. Mario ist ohne Zweifel ein Must-Have auf dem Spielewürfel: Wir haben unseren Herbsturlaub gebucht, auf nach Isla Delfino !

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Elektronische Lebensaspekte.