Text: der jim aus De:Bug 26

Schneller als erwartet hat MAM das grosse, analoge Drum-Module DRM-1 fertig gestellt. Das Gerät… …präsentiert sich in einem soliden, silber/schwarzen, metallenen Pultgehäuse, das sich auch ins Rack schrauben lässt und dort fünf HE in Anspruch nimmt. Die Frontseite erfreut uns mit 72 (!) Drehpotis für die grosse Spielfreude. Dazu gesellen sich der Masterregler, die Kopfhörerbuchse und die Power-LED. Auf der Rückseite befinden sich Stereo-Out, 12V-Buchse, MIDI-In & Thru. Alle acht Drum-Einheiten weisen folgende Gemeinsamkeiten auf: - Triggerknopf zum manuellen Spielen mit dreiviertel Lautstärke - Trigger-LED - Sieben Drehregler zur Klangformung - Panorama- und Volumenregler - Einzelausgang Die Drums Mehrere Parameter kommen bei verschiedenen Drums vor und sollen deswegen hier nur einmal erläutert werden. - DECAY: regelt die Länge des Tones, von einem kurzen Plopp bis zu ungefähr sechs Sekunden. - PITCH: bestimmt die Tonhöhe. - BEND: ist eine Pitch-Hüllkurve, die positiv und negativ (also auf- und abwärts) eingestellt werden kann; das einzige Poti mit Mittenrastung - ATTACK: fügt einen kurzen Impuls hinzu, um der Trommel einen definierteren Anfangspunkt zu verleihen. - HIGH PASS: ein Hochpassfilter, das die tiefen Frequenzen leicht absenkt (ich vermute sechs dB). - DISTORTION: verzerrt den Sound. Drum 1,2 & 3 … …sind identisch und verfügen neben Decay, Pitch, Bend, Attack und Distortion über einen LFO, der mit FM-Int in der Modulationstiefe und mit FM-Freq in der Geschwindigkeit eingestellt werden kann. Mit Drum 1-3 lassen sich Kicks, Synth-Toms (Simmons lässt grüssen) und ähnliches generieren. Es sind sowohl Dance-Kicks mit kurzem Punch und etwas Zerrung als auch lange Booms möglich. Die DRM-Kicks klingen erstmal rund und können dann mit dem Distortion recht heftig werden. Der Attack-Impuls erhöht die Kick-Wahrnehmung im Gesamtbild, wirkt aber bei freistehenden Drums etwas steril. Hier ist weniger manchmal mehr. Lustig auch sind lang ausklingende Bassdrums mit langsamer Frequenzmodulation. Da macht sich allerdings ein kleines Manko bemerkbar: Das Poti für die LFO-Geschwindigkeit reagiert im unteren Bereich nicht gerade ausgewogen, während im oberen Frequenzbereich nur noch wenig passiert. Es ist recht schwierig ein dem Songtempo angepasstes, langsames Vibrato zu erzeugen. Wenn man den Pitch hochdreht, entstehen metallische Sounds, die, wenn man FM ins Spiel bringt, teilweise nach Ringmoduation klingen. Hier macht sich auch ein lauterer Attack-Impuls gut. Eine einzelne Drum-Einheit wird von MAM auch als separates Gerät mit der Bezeichnung DRM-2 für 349,- DM angeboten. Multi… … ist gut für metallische Percussions geeignet. Beeinflussbar ist dieses Modul mit Decay, Pitch, Bend, Attack und Highpass. Mit Pitch 2 und 3 kann man zwei weitere Oszillatoren in der Tonhöhe einstellen. Durch die drei OSCs werden (dis)harmonische Spektren erzeugt, deren einfachste Anwendung z.B. eine 808-ähnliche Cowbell wäre. Mittels Bend kann man diese dann in einen spacigen “Lazer-Zap” verwandeln. Dreht man alle drei OSCs weit auf, klingelt es nur noch in den Ohren, ungefähr so, als wenn man mit einem Hammer auf eine Metallplatte schlägt. Die Snare… … besteht aus zwei Teilen. Zum einen aus einem nicht tunebaren Attackgeräusch und zum anderen aus Rauschen. Reverb simuliert einen Halleffekt, der in Lautstärke und Abklingzeit einstellbar ist. Filter und Resonanz wirken auf den Attack, so dass bei hoher Resonanz mit der Cutoff ein Pseudo-Tuning emuliert wird. Der Klang ist mal was ganz anderes und keine TR-Kopie. Der eine oder andere wird erstmal ein bisschen enttäuscht sein, denn der liebe, kleine Plopp hat ziemlich wenig mit heutigen Vorstellungen einer Snare zu tun. Entfernt fühle ich mich an die KORG MiniPops erinnert. Spielt man eine Weile damit, wird einem diese Snare immer sympathischer. Ein richtig toller “Pucker”-Sound. Cymbal & Hihat… …sind identisch aufgebaut. Neben Decay, Bend, Attack und Highpass gibt es Filter und Resonanz, um den Sound klanglich zu färben. Mit Mix mischt man das Rauschen mit dem tonalen Anteil. Dank dieses Aufbaus sind sowohl die Noise-Hats der alten Preset- Maschinen als auch die metallischeren Hihats späterer Analog-Drumboxen möglich. Das Hihat-Modul wird via MIDI zweifach angesprochen, als closed und open. Das Decay bezieht sich nur auf die open Hihat, die closed hat einen Festwert. Der Clap… …ist wie die Snare mit dem Pseudo-Hall ausgestattet. Zur Klangformung sind Noise, Filter, Resonanz und Highpass vorhanden. Mit Clap kann die Geschwindigkeit der Klatscher verändert werden. Das hätte für meinen Geschmack jedoch etwas extremer ausfallen dürfen. Die Claps an sich klingen aber richtig gut. MIDI Die MIDI-Steuerung beschränkt sich auf das Nötigste. Werkseitig ist Kanal zehn und eine fast GM-mässige Tastenkombination voreingestellt. Das lässt sich vom Anwender wie folgt ändern: vor dem Einschalten eine Triggertaste drücken und dann nacheinander die acht gewünschten Tasten betätigen. Der MIDI-Kanal der letzten Taste ist für das gesamte DRM-1 zuständig. Die closed Hihat wird automatisch zwei Tasten unter der Open Hihat definiert, dort also Platz lassen! Natürlich kann man auch mehrere Sounds auf eine Taste legen. Ausser Velocity wird kein anderer MIDI-Befehl verarbeitet. Auch eine Steuerung der Soundparameter via MIDI ist nicht vorgesehen. Das kann man als Nachteil sehen, zumal es auch keine Speicherplätze gibt. Aber mit der guten, alten Aufmal-Methode ist wenigstens ein bisschen “Recall” realisierbar. Das rät selbst KORG beim Electribe-R. Am Sound des DRM-1 freut mich am meisten, dass er ziemlich eigenständig und eben nicht nach TR klingt, sondern schon eher an die ganz alten Drumboxen erinnert, ohne sie direkt zu imitieren. Der Klang ist offen, recht flexibel und fast nebengeräuschfrei. Die Austattung ist auf der einen Seite üppig (72 Potis), jedoch hinsichtlich MIDI und Speicherplätzen fast anachronistisch. Was ist einem wichtiger? Bei dem Preis von 1.595,-DM kommt MAM in eine völlig neue Situation, nämlich daß Konkurrenzgeräte günstiger sind. Da wäre erstmal die AiRBase von JoMoX, die mit kompletter MIDI- Kontrolle und unzähligen Speicherplätzen aufwarten kann. Allerdings muß sie mit einem kleinen Display und nur einem Valueregler auskommen. Dafür ist sie günstiger und klingt sehr straight, klanglich jedoch nicht so flexibel wie das MAM-Teil. Ähnlich flexibel ist aber der Electribe-R von KORG, der zwar nur vier Drum-Synties hat, die sich eine Bedieneinheit teilen müssen, aber auch noch einen Sequenzer bietet. Zum genaueren Vergleich empfehle ich den Test in der letzten De:Bug oder die persönliche Ohrprobe. Nur begrenzt vergleichbar ist die DrumStation von NOVATION, die seinerzeit zwar ein dolles Ding war, aber hinsichtlich Sound und teilweise auch der Bedienung nicht mehr so richtig mithalten kann. So, nun zieht doch gefälligst euer eigenes Fazit:) **** Hersteller: MAM Preis: 1.595,-DM Info: http://www.music-and-more.com / Sound & Sync 030/53 63 84 33

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Elektronische Lebensaspekte.

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