T-Shirts mit jugendkulturellen Aufdrucken laufen längst unter Vintage, Kult, Sammlerstück. Nur aus der richtigen Epoche müssen sie sein. Ein Buch fasst jetzt 500 dieser T-Shirts zusammen. Wir sinnieren aus diesem Anlass über die Bedeutung des Band-T-Shirts.
Text: Felix Denk aus De:Bug 105


Anfang der 1980er Jahre tauchten so viele T-Shirts mit blutverschmierten Totenköpfen, Skeletten und Zombies auf, dass man den Eindruck gewinnen musste, für die Horror-Prints wurden extra ein paar neue Musikstile erfunden. Hard-Rock, Hardcore, Heavy Metal – alles im Forschungslabor der Siebdruck-Maschinenindustrie erdacht? Oder ein Marketing-Gag von Fruit of the Loom, Screen Stars oder einem anderen T-Shirt-Hersteller?

Jedenfalls segmentierte sich im goldenen Zeitalter des Band-T-Shirts nicht nur die Rockmusik, sondern auch das Merchandising. Die ”Monsters of Rock“-Fanartikel waren Kiss. Nicht nur unzählige T-Shirts zeigten das geschminkte Konterfei von Gene, Paul, Peter und Ace, sondern auch Poster, Bettwäsche und Action Toys. Und das alles mal vier, denn neben der Band wurde auch jedes Bandmitglied einzeln vermarktet.

Das Rock-T-Shirt spricht eine klare Sprache: vorne Print und Bandlogo, hinten Tourdaten – soll heißen: Ich war dabei. Und: Ich bin gläubig. Ein Bekenntnis aus Stoff, das Unfassbares fassbar macht. Die groteske Hässlichkeit des Aufdrucks besiegelt den Eid: Treue Fans tragen drastische Motive.

Natürlich stammt das Rock-T-Shirt aus Kalifornien, dem Mutterland der Jugendkultur. Grateful Dead gelten als die Erfinder, was kein Zufall ist: Ihre Fans, die Dead Heads, kamen nämlich nicht zu einzelnen Konzerten der Band, sondern reisten gleich die ganze Tour hinterher. Heute sind Band-T-Shirts in Sammlerkreisen nur dann cool, wenn sie vor den 1990er Jahren gedruckt wurden. Und auch dann nicht immer: Def Leppard, das neunarmige Quintett aus Sheffield, stellte 1984 so viele T-Shirts für ihre Hysteria-US-Tour her, dass jeder Flohmarkthändler genervt abwinkt. Andere Bands, wie die Runaways (eine Frauen-Punkrock-Band mit Joan Jett als Sängerin), sind in Vergessenheit geraten. Auf Sammlerbörsen erzielen ihre T-Shirts aber noch Höchstpreise. Genau wie Jersey-Shirts, die Stadion-Rocker für US-Touren herstellen ließen. Jersey-Shirts sehen aus wie Baseball-Trikots: Sie haben meist eine weiße Vorder- und Rückenpartie, ellenbogen-lange, farblich abgesetzte Ärmel und einen gleichfarbigen Rundkragen. Vorne ein Logo-Print, hinten die Tourdaten – klar, ich war dabei.

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Elektronische Lebensaspekte.