Text: gregor wildermann aus De:Bug 22

Technasia – ein Techno, ein Brückenschlag Gregor Wildermann gregorw@snafu.de Amil Khan und Charles Siegling haben zwischen der 6-Millionen Wirtschaftsmetropole Hong Kong und der französischen Hauptstadt Paris eine außergewöhnliche Brücke geschlagen. Eine Musik- und Lebensgeschichte, die fast für einen Film gut wäre. Und weil man in Hong Kong Sylvester nach anderem Kalender feiert, hatten wir Zeit genug für Gespräche über den French Kiss, Verfallsdaten und eine weitere Love-Parade…. De:Bug: Sobald man davon hört, das jemand aus Paris und Hong Kong zusammen Musik macht, will man wissen, wie sich das ergeben hat? CS: Ich bin mit einem Freund nach Hong Kong in Urlaub gefahren, und der kannte dort Amil. Amil kam dann einige Monate später zur Beendigung seines Studiums nach Paris. Wir stellten fest, das wir die gleichen musikalischen Vorstellungen hatten, und noch sehr viel später beschlossen wir dann, unser eigenes Label zu gründen. AK: Eigentlich ist es ja immer ein schwieriges Ding, etwas Neues anzufangen. In Hong Kong gibt es gar keine Plattenfirmen für elektronische Musik, und somit ist es dort recht schwer, den Anfang zu machen. Trotzdem merkt man am Spirit der dortigen kleinen Szene, daß sich etwas tut und noch wesentlich mehr machbar ist. Im Moment schaut man natürlich nur in den Westen, und wenn dort Prodigy in den Charts ist, muß das leider auch in Hong Kong angesagt sein. Mit unserer Musik kämpfen wir also an zwei Fronten und müssen uns auch in Europa erst einmal beweisen, damit wir in Hong Kong irgendwie cool dastehen. In Europa müssen wir dagegen einfach nur gute Tracks abliefern. De:Bug: Das Label Technasia kommt ja aus Hong Kong, und doch seit ihr zur Hälfte aus Paris. Warum habt ihr euch für den eindeutig asiatischen Namen entschieden? CS: Rein geschäftlich gesehen ist das Label aus Hong Kong, und wir wollten mit dem Namen eben auch ein bewußtes Zeichen setzen, daß sich auch in dieser Gegend etwas tut. AK: Die beiden ersten EPs wurden ja weitgehend in Paris aufgenommen, und trotzdem benutzen sie eine Menge Bilder und Inspirationen aus dieser nun chinesischen Millionentadt. Wenn ich selber Musik mache, dann muß ich diese Wut im Bauch haben, und genau das gleiche Gefühl kommt bei UR-Platten rüber. Die leben auch in einer eher ‘feindlichen’ Umgebung. Irgendwie hat jedes Land so seine typischen Klangmuster und Hörgewohnheiten, aber für uns war am Ende nur die damals herrschende Atmosphäre und Spannung wichtig. Der Track “Descent” von der ersten EP war nichts anderes als eine Art Flug über die Landschaft von Hong Kong. Bilder und Eindrücke sind das, was in den Tracks rüberkommen sollte. CS: Die Tracks der dritten EP unterscheiden sich ja jetzt schon gewaltig von der ersten EP. Wir werden immer versuchen, unseren Stil in neue Richtungen zu bringen. Asiatische Einflüsse müssen auch nicht nur vor Ort möglich sein, und schon bevor ich Amil kannte, mochte ich Filme von John Woo oder Wong Kar-Wai, aber auch japanische Mangafilme. De:Bug: Wenn also schon von Hong Kong die Rede ist, was genau passiert dort im musikalischen Bereich? AK: Die meisten Clubs in Hong Kong werden von englischen DJs dominiert, und das geht eher in die Richtung von Paul Oakenfold. Also genau genommen kann man guten Techno fast nie in Clubs hören CS: Aber vor ein paar Jahren gab es noch nicht einmal Clubs. So gesehen ist schon eine Menge passiert, auch wenn es nicht mit Japan zu vergleichen ist. Ich glaube auch, das gerade die jungen Chinesen im Umland sehr neugierig und aufnahmefähig sind. Wir haben auf dem chinesischen Festland unsere eigene 30-Minütige Future Mix Radio Show, die in Hong Kong, Shenzen, Foshan, Canton und Shanghai von immerhin 40 Millionen Einwohnern empfangen werden kann. Die dritte EP ist auch dieser Radiosendung gewidmet. Man darf aber noch längst nicht alles spielen. Zum Beispiel durften wir “French Kiss” von Lil Louis nicht im Radio spielen, gegen Tracks mit Vocals wie “Save the Planet – Kill Yourself” hatten sie aber nichts einzuwenden. E-Mail: tnasia@asiaonline.net teknasia@club-internet.fr Discography Technasia 001 – Themes from a Neon City EP Technasia 002 – Motion EP Technasia 003 – The Declamtion EP Zitat: Wenn ich selber Musik mache, dann muß ich diese Wut im Bauch haben

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Elektronische Lebensaspekte.


Text: Gregor Wildermann aus De:Bug 17

Technasia Ananas und Brückenschlag Gregor Wildermann gregorw@berlin.snafu.de Filme sind eine bessere Form der Realität. Sehr oft auch eine alternierende Realität. Im melancholisch schönen Film CHUNGKING EXPRESS von Wong Kar-Wai kauft sich die Erzählerstimme für jeden Tag ohne seine Geliebte eine Dose Ananas mit dem Verfallsdatum seines eigenen Geburtstages. 30 Tage Trennung und damit auch 30 Dosen Ananas. Amil Khan und Charles Siegling haben das nicht nötig. Sie gehen weiter gemeinsame Wege und haben zwischen der 6-Millionen Wirtschaftsmetropole Hong Kong und der französischen Hauptstadt Paris eine außergewöhnliche Brücke geschlagen. Eine Geschichte, die fast für einem Film gut wäre und schon bereits vor Monaten hätte erzählt werden können. Doch Charles selber wollte nicht alleine für das Duo sprechen und erst Mijk van Dijk’s Geburtstagsparty in Berlin sowie ihr beeindruckender Hong Yan-Liveauftritt bot den geeigneten Rahmen für Gepräche über den French Kiss, Verfallsdaten und einer weiteren Love-Parade…. De:Bug: Sobald man davon hört, das jemand aus Paris und Hong Kong zusammen Musik macht, will man wissen, wie sich das ergeben hat? CS: Ich bin mit einem Freund nach Hong Kong in Urlaub gefahren, und der kannte dort Amil, der uns dann die Stadt gezeigt hat. Amil kam dann einige Monate später zur Beendigung seines Studiums nach Paris, und da haben wir uns wieder getroffen und über Musik geredet. Wir stellten fest, daß wir die gleichen Vorstellungen hatten, und noch sehr viel später beschlossen wir dann, unser eigenes Label zu gründen. AK: Eigentlich ist es ja immer ein schwieriges Ding, etwas Neues anzufangen. Hier in Europa ist die Szene mit Labels schon bestens gesättigt, und es ist schwer, dann mit einem neuen überhaupt aufzufallen. In Hong Kong gibt es gar keine Plattenfirmen für elektronische Musik, und somit ist es dort ebenso schwer, den Anfang zu machen. Trotzdem merkt man am Spirit der dortigen kleinen Szene, daß sich etwas tut und noch wesentlich mehr machbar ist. Im Moment schaut man natürlich nur in den Westen, und wenn dort Prodigy in den Charts ist, muß das leider auch in Hong Kong angesagt sein. Mit unserer Musik kämpfen wir also an zwei Fronten und müssen uns auch in Europa erst einmal beweisen, damit wir in Hong Kong irgendwie cool dastehen. In Europa müssen wir dagegen einfach nur gute Tracks abliefern. De:Bug: Das Label Technasia kommt ja aus Hong Kong und doch seit ihr ja zur Hälfte auch aus Paris. Warum habt ihr Euch für den eindeutig asiatischen Namen entschieden? CS: Rein geschäftlich gesehen ist das Label aus Hong Kong, und wir wollten mit dem Namen eben auch ein bewußtes Zeichen setzen, daß sich auch in dieser Gegend etwas tut. AK: Die beiden ersten EP’s wurden ja weitgehend in Paris aufgenommen, und trotzdem benutzen sie eine Menge Bilder und Inspirationen aus dieser nun chinesischen Millionentadt. Die Tracks haben einfach diesen Vibe und das hat auch das Label geprägt. Wenn ich selber Musik mache, dann muß ich diese Wut im Bauch haben, und genau das gleiche Gefühl kommt bei UR-Platten rüber. Die leben auch eher in einer ‘feindlichen’ Umgebung, und das verarbeiten sie in den Tracks. CS: Es war auch lustig, daß selbst diejenigen, die nur White-Labels oder unbeschriftete DAT’s gehört hatten, diesen asiatischen Klangeinfluß da hineininterpretiert haben. Das war für uns ein gutes Zeichen. De:Bug: Könnt ihr denn diesen Einfluß irgendwie beschreiben? AK: Irgendwie hat jedes Land so seine typischen Klangmuster und Hörgewohnheiten, aber für uns war am Ende nur die damals herrschende Atmosphäre und Spannung wichtig. Die wollten wir einfangen und umsetzen, was einem natürlich auch nicht immer gelingt. Der Track “DescentÒ von der ersten EP war nichts anderes als eine Art Flug über die Landschaft von Hong Kong. Bilder und Eindrücke sind das, was in den Tracks rüberkommen sollte. CS: Die Tracks der dritten EP unterscheiden sich ja jetzt schon gewaltig von der ersten EP, und wir werden immer versuchen, unseren Stil in neue Richtungen zu bringen. Asiatische Einflüsse müssen auch nicht nur vor Ort möglich sein, und schon bevor ich Amil kannte, mochte ich Filme von John Woo oder Wong Kar-Wai, aber auch japanische Mangafilme. De:Bug: Wenn also schon von Hong Kong die Rede ist, was genau passiert dort im musikalischen Bereich? AK: Als ich letztes Jahr Adam Beyer in Stockholm getroffen habe, habe ich ihn auch nach der Technoszene in Schweden befragt. Und obwohl man glauben müßte, daß da eine Menge passiert, war genau das Gegenteil der Fall. Die meisten Clubs in Hong Kong werden von englischen DJ’s dominiert, und das geht eher in die Richtung von Paul Oakenfold. Also genau genommen kann man guten Techno fast nie in Clubs hören CS: Aber vor ein paar Jahren gab es noch nicht einmal Clubs. So gesehen ist schon eine Menge passiert, auch wenn es nicht mit Japan zu vergleichen ist. Ich glaube auch, das gerade die jungen Chinesen im Umland sehr neugierig und aufnahmefähig sind. De:Bug: In welcher Weise hat der Staatswechsel von England an China etwas bei Euch verändert? AK: Genau genommen rein gar nichts, denn es hat sich auch kaum etwas geändert. CS: Ich war kurz vor und nach dem Hand-Over in Hong Kong und habe auch nichts bemerkt. AK: Eigentlich hat sich unsere Situation noch verbessert. Wir haben auf dem chinesischen Festland unsere eigene 30-minütige Future Mix Radio Show, die in Hong Kong, Shenzen, Foshan, Canton und Shanghai von immerhin 40 Millionen Einwohnern empfangen werden kann. Außerdem konnte ich in einigen anderen Städten auflegen und damit die Musik auch zum ersten Mal vorstellen. De:Bug: Das erinnert fast an die Deep Space Radio Show von Juan Atkins, die damals in Detroit ausgestrahlt wurde! CS: Die dritte EP ist auch dieser Radiosendung gewidmet, und man hört auch Samples von kantonesischen DJs und Zuhörern. In einem anderen Track habe ich einen Satz von dem französischen Philosophen Descartes in Mandarin sprechen lassen. Der Satz dreht sich um die Bedeutung des Wortes als Form der Kommunikation, und ich dachte, dies würde gut zu unserer Radiosendung passen. De:Bug: Und wie regieren die Chinsesen auf elektronische Musik? AK: Sie sind sehr neugierig und auch irgendwo aufgewühlt, wenn sie mal so einen Sound hören können. Dabei passieren auch komische Dinge. Zum Beispiel durften wir “French KissÒ von Lil Louis nicht im Radio spielen, gegen Tracks mit Vocals wie “Save the Planet – Kill YourselfÒ hatten sie aber nichts einzuwenden. Wir fühlen uns jetzt nicht wie die großen Pioniere des Techno in Asian, aber es ist schon irgendwie spannend, all das als eine der ersten Gruppen auszuprobieren. De:Bug: Wie stellt man sich eure Zusammenarbeit mit der naturgegebenen Distanz vor? CS: Oh ja, das ist eine komplizierte Geschichte. Bisher hat immer jeder für sich selbst an Ideen & Sounds gearbeitet, die dann bei unseren Treffen verarbeitet werden. Wir beide haben auch genug Equipment, um völlig alleine arbeiten zu können. Gelegentlich schicken wir uns Files über’s Internet oder brennen komplette CD-R’s, die dann der andere geschickt bekommt. Es kommt auch vor, daß das Schlußmastering von einem alleine gemacht wird. De:Bug: Welche Pläne habt ihr für die kommenden Monate? CS: Neben der Arbeit an unserem Album und einem Remix, von dem wir allerdings nichts verraten dürfen, war schon seit längerem eine größere Livetour in Asien und Europa geplant. Durch den wirtschaftlichen Einbruch in ganz Asian mußten wir aber unsere Pläne ändern, denn kaum ein Club hat noch Geld für Liveacts übrig. So werden wir nun ab Februar nächsten Jahres etwa 18-20 Termine in Europa machen. De:Bug: Werdet ihr auf Technasia auch noch andere Künstler featuren? AK: Diese Frage stellt man uns relativ oft, aber im südchinesischen Raum gibt es nur sehr wenige Musiker, die diese Musik machen, und dann auch eher mit Pre-Set-Sounds arbeiten. Da wird die Zukunft zeigen, wann wir das erste Mal wirklich gute Demotapes bekommen. CS: In Hong Kong gibt es eine Band namens “The FreaksÒ, und die machen so eine Art von Techno, der aber eher an Punkmusik erinnert. Das Problem vieler Projekte ist auch das Equipment, für das einfach das Geld fehlt. Das ist auch der größte Unterschied zu Japan, wo selbst das abgedrehteste Keyboard noch erschwinglich ist. Aber auch das wird sich in Zukunft ändern! De:Bug: Neben der ersten Love Parade in Israel war auch in Paris zum ersten Mal der Straßentechno angesagt. Wie habt ihr das mitbekommen? CS: Außer ein paar Schlägereien war es ganz nett und irgendwo auch wichtig, daß nicht nur die typischen House-DJ’s wie Dimitri from Paris aufgelegt haben. Außer Laurent Garnier oder Scan X kennt man in Frankreich kaum härtere Technoacts, und wenn nun 200.000 Leute mal etwas anderes gehört haben, kann das nur gut sein! E-Mail: tnasia@asiaonline.net teknasia@club-internet.fr Discography Technasia 001 – Themes from a Neon City EP A-Side: Monsoon/Descent B-Side: Crosswalk Technasia 002 – Motion EP A-Side: The Awakening/Ascent B-Side: In Motion Technasia 003 – The Declamtion EP A-Side: Shenzhen 97.1 fm/Future Mix B-Side: Stentor’s Verdict/Milleniums (the Unknown) Other related releases: F-Communication – Live and Rare 2xCD (F Comm) Phunky Data – Fashion or Not 2×12Ò (Sekence/Edel)

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