PlugIns soweit das Auge reicht. Wir beginnen unsere DSP-Sause mit der VBox, die es erstmalig ermöglicht, VST-PlugIns frei zu verschalten. Toll, kostet aber Geld und das muss nicht sein. In der Freeware Arena gibt es alles umsonst. Schließlich kommen noch die OhmBoyz. Hall mal anders. Hoffentlich schafft euer G4 das alles. Puh.
Text: benjamin weiss | nerk@de-bug.de aus De:Bug 53

musiktechnik

Bias VBox
VST Plugs zum Megaeffektgerät zusammenstellen

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie es wäre, die PlugIns unter VST anders zu verschalten, als das in der jeweiligen Host Application möglich ist, oder sich eigene Effekte aus bereits vorhandene PlugIns zusammenzustricken und das so entstandene Effektgerät mit live eingespielten Tracks zu benutzen? Um diese und andere Tasks zu erfüllen, hat Bias nun die VBox für den Mac herausgebracht, die es erlaubt, PlugIns zu verschalten und sie dann (im VST Betrieb) als ein PlugIn zu benutzen oder (im Stand Alone Betrieb) über das Audio Input einströmendes Klangmaterial in Echtzeit zu manipulieren, bzw. Loops mit Effekten zu verändern und als Soundfiles abzuspeichern. Unterstützt werden der Soundmanager bzw. SoundManager kompatible Audiokarten, die Formate AIFF und SDII in mono oder stereo und einer Auflösung von 16 Bit.

Bedienung & Oberfläche
Nach dem Öffnen erscheint eine Matrix von 5×5 schwarzen Quadraten (abhängig von der Prozessorleistung sind bis zu 99×99 möglich), in die per Klick VST PlugIns eingeladen werden können, links und rechts flankiert von je einer großzügigen LED Kette nebst Schieberegler zum Kontrollieren des Input-Signals bzw des Outputsignals. Links gibt es noch einen globalen Wet/Dry – Regler, der das Verhältnis von Eingangssignal und Ausgangssignal definiert. Ganz oben befindet sich ein Pop-Up für die Presets (Effektkombinationen mit ihren jeweiligen Einstellungen), sowie ein A/B Taster (zum Vergleich zweier Einstellungen) und eine CPU Anzeige. Die aufgerufenen PlugIns (so sie denn in Kästchen nebeneinander aufgerufen werden) werden zunächst automatisch in Reihe geschaltet (= das Eingangssignal durchläuft sie nacheinander), will man eine Parallelschaltung, so muss man sie in übereinanderliegende Kästchen einladen, oder nachträglich dorthin ziehen. Die eingeladenen PlugIns können in der Matrixoberfläche per Schieberegler im Eingangs- und Ausgangssignal geregelt werden, darüber hinaus finden sich hier Buttons für Solo (nur das Signal des entsprechenden Plugs wird durchgelassen), Mute (Stummschaltung für das PlugIn), Bypass (das Signal wird nicht vom PlugIn manipuliert) sowie Edit, mit dem sich die Oberfläche des PlugIns öffnen läßt, um Parameter zu ändern.

Performance
In der vorliegenden Version 1.0 ist die Performance noch deutlich verbesserungswürdig, hinkt sie doch hinter der von Cubase (das schließlich noch andere performanceintensive Tasks wie das Abspielen von mehreren Audiospuren erfüllen muss) her. Schade ist auch, das gewisse Schaltungen nicht möglich sind, etwa die Parallelschaltung von PlugIns, hinter die dann noch ein abschließendes “Master”-PlugIn wie zum Beispiel ein Kompressor gehängt wird. Auch das Mischverhältnis von Parallelschaltungen ist nicht veränderbar, sie werden immer zu gleichen Teilen zusammengemischt, ohne dass man darauf Einfluß hätte. Unverständlich auch die Limitierung auf 16 Bit, sind doch fast alle PlugIns der neueren Generation 24-Bit fähig.
VBox ist insgesamt ein interessantes Konzept, mit dem sich im VST-Betrieb als PlugIn komplexere Effektkombinationen realisieren lassen, als das in Programmen wie Cubase oder Logic möglich ist, allerdings sollten die Verschaltungsmöglichkeiten erweitert werden. Ein wenig unpraktisch ist die feste Fenstergröße der Matrix: werden einmal mehr als die 5 PlugIns parallel betrieben, muss man immer hin- und herscrollen. Unschön ist auch, dass VBox gelegentlich im Betrieb als VST PlugIn einfriert und die Hostapplication gleich mitnimmt.

Wertung: ***
Preis: 129 $
info:www.bias-inc.com
Systemvorraussetzungen: PowerPC, 64 MB RAM, System 7.6.1, Quicktime 3.02

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Umsonst ist besser

Freeware Arena

Room 844
Room 844 dient der Simulation von “natürlichen” Räumen und arbeitet intern mit einer Auflösung von 32 Bit in stereo. Dafür verfügt es auf einer naturidentisch gestalteten Oberfläche über die Parameter PAN L, PAN R, DISTANCE, STEREO, SIZE, DECAY, DAMPING, COLOR, DRY, WET. Das Panning wird über Pan L und Pan R eingestellt, Distance steht für die Entfernung des virtuellen Mikrofons zur Reflektionsfläche (=Wand). Per Stereo lässt sich die Stereobreite des Ausgangssignals einstellen. Size steht für die Größe des simulierten Raumes (von 3 bis 150 Matern ist hier alles möglich), Decay für das Ausschwingverhalten des Klangs. Damping und Colour definieren die Beschaffenheit der Reflektionsoberfläche: je weiter der Damping Regler nach rechts gedreht wird, umso stärker wird das Signal von der Oberfläche gedämpft. Der Colour Regler dient der frequenzabhängigen Reflektion: je weiter er nach rechts gedreht wird, umso mehr hohe Frequenzen werden reflektiert. Steht er ganz rechts, wird das komplette Spektrum zurückgeworfen. Anders als sonst üblich gibt es für Dry/Wet gleich zwei Regler, mit denen das Ausgangssignal zwischen dem unbehandelten Eingangssignal und dem Effektsignal gemischt werden können.
Room 844 klingt recht gut (besser als so manches käuflich zu erwerbendes Hall PlugIn) und ist performanceseitig genügsam sowie einfach zu verstehen.
Erhältlich für VST, Mac, PC unter http://www.silverspike.com

RubyTube
RubyTube versucht (wie der Name schon dezent andeutet) digitales Audio mit der Simulation eines Röhrenverstärkers zu mehr analoger Wärme und / oder Verzerrung zu verhelfen, was wahlweise in Mono oder Stereo möglich ist. Dafür stehen gerade mal drei Regler und zwei Buttons zur Verfügung: Shape, Drive und Output als Drehregler, sowie die Buttons Limiter und Shaper. Ist RubyTube per Knopf auf Shaper eingestellt, wird der Drive Button ignoriert, der Grad der Verzerrung / Sättigung wird über den Shape Drehregler eingestellt. Im Limiter Modus, der für Signale mit mehr als 0 dB Ausgangslevel gedacht ist, wird zunächst das Eingangssignal auf 0 dB begrenzt. Jetzt sind beide Regler für Verzerrung / Sättigung zuständig, wobei mit Shape und Drive Grad und Charakteristik definiert werden können. Auch für RubyTube gilt: einfach zu verstehende Oberfläche, genügsam in Bezug auf Prozessorleistung und ein Klang, der sich vor käuflichen PlugIns gleicher Funktionalität nicht zu verstecken braucht: worth a download. Auch bei http://www.silverspike.com

Trasher
Trasher ist ein Filter PlugIn von den Programmierern von QuadraSid, das den Filter eines C64 Soundchips emuliert. Auf der formschönen Oberfläche (dem Aussehen eines C64 nachempfunden) finden sich zunächst fünf grosse Drehregler für die Parameter Sample Rate, Cutoff, Resonance, Bit Depth und Drive, denen jeweils ein kleiner Rate und Depth Drehregler zugeordnet ist. Rechts daneben kommen noch fünf Buttons hinzu: Low (für Tiefpassfilter), Band (für Bandpassfilter) High (für Hochpassfilter) sowie 12/24 für die Definition der Flankensteilheit des Filters. Wer auf die Soundcharakteristik des SID Chips und seines Filters steht, wird sich über dieses PlugIn besonders freuen, denn nie hat es auf dem Rechner ähnlich sick geachtbittet und digital verzerrt. Auch für Trasher gilt: gute Tonqualität, macht viel Spaß und kost nix. Mein LieblingsfreewarePlug des Monats! Browser auf:www.refx.net

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OhmBoyz VST –
Delays und mehr

Bedienung und Oberfläche
Die Oberfläche ist nicht gerade das übersichtlichste Interface der Welt, und man braucht schon eine kleine Weile, um zwischen den Comicköpfen die Schieberegler und Drehknöpfe mit ihren jeweiligen Parametern eindeutig zu identifizieren.
Ganz oben liegt ein Feld für das Tempo, das sich in Millisekunden oder BPM einstellen lässt; rechts daneben ein Tastenfeld für die ersten acht Presets.
Der grundsätzliche Aufbau von OhmBoyz ist folgender: zunächst wird das Signal in rechten und linken Kanal aufgesplittet, danach durchs PreDelay geschickt, gepannt und dann gehts durch die beiden Delay Lines. Aber von vorne: am Anfang gelangt das Signal also in das PreDelay, dessen Parameter im oberen Bereich der Oberfläche anzutreffen sind. Die einzelnen Taps des PreDelays werden durch vier kleinere Comicköpfe repräsentiert: für jedes Tap sind die Parameter Tap Time, Tap Level und Tap Pan definierbar. Global einzustellen sind noch der Predelay Level sowie per Button die Funktion Sustained Loop. Im gedrückten Zustand erzeugt Sustained Loop das maximale Feedback auf beiden Delay Lines und mutet den Soundeingang, so dass ein unendliches Echo entsteht.
Darunter befindet sich das erste Delay Modul (= Delay Line). Die Hauptparameter sind Time (Zeit zwischen zwei Echos), Feedback (von 0 bis 100%), Level (für die Lautstärke des Delay Moduls im Ausgang) und Pan (zur Positionierung im Stereofeld). Das wird ergänzt durch ein resonanzfähiges Filter pro Delay Modul, bei dem zwischen vier Filtertypen gewählt werden kann: Peak, LowPass (Tiefpassfilter), Highpass (Hochpassfilter) und BandPass (Bandpassfilter). Dazu die von Filtern bekannten Werte wie Cutoff, Resonanz und Q (der nur vom Peak und vom Bandpassfilter benutzt wird). Für extrem verzerrte Sounds gibt es noch einen nützlichen Shelf Filter, der in den Parametern Frequenz und Lautstärke editierbar ist; er dient dazu, gewisse Frequenzen bei starker Verzerrung leicht abzuschwächen. Schließlich ist pro Delay Modul noch ein kleines, aber feines Distortion integriert: mit einem Gainregler (für den Grad der Verzerrung) und einem mit Color betitelten Schieberegler lässt sich zwischen Overdrive und Puncher hin und herschieben. Hier kann zwischen zwei Arten der Verzerrung gewählt werden, wobei Puncher vor allem bei Material mit vielen scharfen Höhen interessant ist.
Zum Obengenannten kommt noch die LFO Sektion (in der Mitte der Oberfläche, wo auch die gerade editierten Parameter angezeigt werden). An den Parametern Period (die Länge einer LFO Oszillation), Amplitude und Waveform kann eine Wellenform für den LFO eingestellt werden. Zur Wahl stehen hier Sinus, Dreieck, Rechteck, Ramp Up und Ramp Down, Cosinus Up und Cosinus Down, sowie Random, Brown Noise und White Noise, die alle unterschiedliche Zufallswellenformen erzeugen. Schließlich lässt sich mit einem Button das zweite Delay Modul aktivieren sowie ein Regler für Cross Delay, mit dem die Separation der Feedbacks möglich wird.

Performance & Sound
OhmBoyz ist definitiv eine Bereicherung in der Welt der Delay PlugIns und setzt sich nicht nur durch sein spezielles Konzept, sondern auch durch die sehr gute Klangqualität von der Konkurrenz ab. Die Performance ist für die gebotene Leistung auch sehr gut. Volle Punktzahl ohne Abzug.
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Systemvorraussetzungen:
Mac: VST, PC: DirextX, VST, WinAmp
info & download: http://www.ohmforce.com
Preis: 79$, Standardversion (nur 16 Bits, keine MIDI Automation): 9.95$

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Elektronische Lebensaspekte.