OIiver Hacke ist endlich mal jemand, der nicht mit Detroit groß geworden ist. Und Düsseldorf ist auch definitiv nicht WindyCity.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 77

Rumprobieren ohne Ausschuss
Oliver Hacke

Oliver Hacke hört vielleicht seit vier Jahren elektronische Musik. Kuriose Kisten konnte er sich sparen. Halt, da war doch noch Rebirth. Die Roland-EMU. Damit begann er zu spielen, “Klassenfahrtmucke”, ein Freund zeigte ihm dann die “echte” 303, und da war es geschehen. Es wurde ernst gemacht. Demos gingen an falsche Adressen (“Spex”) und dann hat Riley von Trapez seine Tracks in die Finger bekommen. Hacke, komplett unbeschriebenes Blatt, der die deutsche “Minimal”-Szene (“blöd, das immer noch so zu nennen”) nicht mal wirklich kannte, begann sich umzuhören, wo er steht. Mit der Harddisc statt in Clubs groß zu werden, ist doch etwas anderes. “Ich kenne viele Leute, die einen ganzen Instrumentenpark rumstehen hab, aber bei mir ist es einfach ein Synthie, Sampler und eben der Rechner. Nur mit dem Rechner zu arbeiten, da würde mir aber etwas fehlen.”

So angefangen muss man, wenn man dann auch noch begonnen hat aufzulegen, erst mal lernen, seine Stücke zu reduzieren, weil man dann merkt, dass man doch ein wenig zuviel gefrickelt hat. “Nach den ersten Releases bei Trapez habe ich gelernt, dass es nicht eine mit dem letzten keuchenden Atem hingelegte Platte sein muss, sondern dass ich eine Vorstellung bekomme, was ich für welches Label machen möchte.” Und so produziert er für Background grade einen unglaublichen Houseslammer mit glücklich hüpfenden Basslines, für Trapez das Techno-Brett, “Zeitabschnitte, die im Club auffallen und mit denen es Spaß macht zu arbeiten”, für die Traum-Polar-Serie deepe epische, fast songhafte Strukturen, die eine Geschichte erzählen. Vor allem aber steht Oliver auf das 4 Track 12″ Format. “Das ist so ein geiles Mittel sich auszudrücken. Zwei Plattenseiten, auf denen man viel machen kann, selbst wenn mal ein Stück davon nicht so gut ist. Endlosrillen, Skits dazwischen, die Musik-Krause-Platten oder Karat-Releases sind da ein Vorbild.” Er probiert rum, findet und sucht nicht so sehr seinen Sound, weil er eh nicht weiß, wohin er sich entwickeln wird, weil einfach noch viel zu viel Raum offen ist, aber hat trotzdem das Glück, dass nahezu alle seiner Tracks rauskommen und die Label, für die er arbeitet, sich obendrein noch verstehen und weniger einen speziellen Sound von ihren Artists einfordern als ihnen Raum lassen sich zu entwickeln.

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Elektronische Lebensaspekte.