Text: Sascha Kösch aus De:Bug 24

In der 10ten Folge unserer lustigen Serie:”How to get very famous in der streng hierarchischen Drum and Bass Welt” beginnen wir heute mal mit dem unwahrscheinlichsten aller Fälle. Du kommst aus Norwegen. Au. Abseitige Ausgangsposition. Betrachten wir deren Vorteile, von denen es so wenige gibt, daß wir uns ihnen nur ganz kurz widmen werden. Und betrachten wir die Nachteile, scheinbar erdrückend in ihrer Menge, die wir Stück für Stück eliminieren müssen. Gelingt es uns, steht am Ende ein Drum and Bass Superstar aus Norwegen ganz leger und wie normal vor uns, mitten im “Inner Circle”. Wir lugen neidisch zu ihm herein, und er heißt Teebee. Moment mal – das gibt es wirklich? Ja, doch, aber wie konnte es dazu kommen? Beginnen wir mit dem Vorteil. Menschen, die in den sogenannten skandinavischen Ländern wohnen, blicken auf eine lange Reihe von Traditionen zurück, von denen alle hier komplett nichtsnutzig sind. Das heißt nicht, daß sie unter den richtigen Umständen durchweg bezaubern können. Bis auf die eine eben, im Zweifelsfall ausgerechnet, wie das meiste, was in elektroversmogten Gesellschaften geschieht, vom vielen Fernsehn hervorgerufene, die nämlich, sehr sehr gut und recht häufig sogar akzentfrei English sprechen zu können. So gut, daß am Telefon meist nicht mal jemand merkt, was für eine absonderliche nordische Gestalt man da (nicht) vor sich hat. Teebee z.B. nutzte diesen Vorteil mit schlafwandlerischer Sicherheit, und auch heute noch redet er gerne. Mehr noch, er machte daraus eine Methode. Lange Zeit ließen er und seine Labelmanager alle in dem Irrglauben, dieser neue, verflixt gute Producer käme irgendwo from up north. Teebee, seitdem er Turnschuhe tragen kann DJ in diesem Dorf namens Bergen, wo es so viele DJ’s gibt, daß man sich sogar zu Mannschaftsphotos hinreißen läßt, ob ihr das jetzt glaubt oder nicht, nur wenige Drum and Bass DJ’s allerdings, er, K und Nocturne (der mit den langen Haaren). Daß sie alle auch auf Audio Couture veröffentlichen, kann kein Zufall sein. Aber lassen wir ihn selber erzählen… DeBug: Du bist einer der ganz wenigen Drum and Bass Producer aus Norwegen, die es geschafft haben, tatsächlich in der Londoner Szene Fuß zu fassen, vielleicht sogar einer der ganz wenigen Nicht- Engländer. Wie erklärst du dir das? Teebee: Indeed. Ich habe da schon 91 reingeschaut, war dort in Urlaub und hörte, ja, ich glaube es war “Atlantis” von LTJ Bukem (Drum and Bass Historiker da draussen bitte nachprüfen, ob hier nicht Geschichtsverfälschung betrieben wird – Die Red). Ich war damals schon DJ, denn ich habe mit 12 angefangen, in einem Jugendclub hier bei uns, vor zehn Jahren also (er ist 22), und hatte mit 13 schon eine eigene Radiosendung und eine Liebe für frühe Housemusik. Sort of. Ich hatte nämlich immer schon eine Vorliebe für Breaks. Habe auf Platten immer nur auf die Breaks gehört, und dann plötzlich fand ich mit “Atlantis” diese Musik, deren Hauptelemente Breakbeats waren. Sofort war ich interessiert. Ich machte Mixtapes mit den paar Drum and Bass Platten, die ich bekommen konnte, sand eins davon zu Suburban Base, so im Sommer 92, und tatsächlich: ich kam auf ihre Mailingliste. Das war der erste Link. In Norwegen waren zu der Zeit, wie im Rest von Europa wohl auch, House und Techno die Hauptbestandteile eines Raves. Es war also nicht einfach mit diesen hochgepitchten Breaks, das wollte kaum einer hören. Sobald ich die ersten Rugged Vinyl Platten hörte, rief ich sie an, die waren so dark für die Zeit, und meine Ohren fühlten sich mit darken Sounds schon immer sehr wohl. Der Rugged Boss Ben James und Ray Stanley lernten mich kennen (Telefon, da ist es wieder), und sobald ich produzierte, schickte ich ihnen meine Tunes, und sie gefielen ihnen. Sie halfen mir, in den “Inner Circle” zu kommen. Und Randal und Peshay waren wohl die ersten, die dann Tracks von mir spielten. 96. Leider hatte Rugged zu dieser Zeit Vertriebsprobleme (Great Asset?), und viel von dem, was ich machte, konnte gar nicht erst rauskommen. Was sie mir damals sagten, war, daß es ein London-Ding ist, oder zumindest war, weil es von dort kommt, daß sie mich nicht als Norweger promoten würden. Sie sagten einfach niemandem, wo ich herkam. Dann kamen meine Tracks als Assassin auf der Quicksilver Doppel-EP, auf der auch Bukem und Blame waren, und so wurde ich akzeptiert. Die Drum and Bass Szene dreht sich eben um DJ’s, und wenn die deine Tracks nicht spielen, kommst du nirgendwo hin. Rob Playford mochte meine Sachen auch, und so kam dann Anfang 98 meine erste Audio Couture Platte, die damals sofort in die One In The Jungle Charts ging, und schon wollte jeder wissen, wer ich bin. Aber Rob hielt dicht. Erst Anfang dieses Jahres haben wir das dann offiziell erzählt, und es wirkte nochmal für mich, weil die Zeit reif war für Producer von ausserhalb. Zur Zeit bin ich sehr glücklich. Grooverider und Fabio spielen alle meine Tracks, Fabio hat mich für Creative Source gefragt, Grooverider’s Label ist auch nicht so weit weg, hoffe ich jedenfalls, und so geht es los. Ich darf in der ganzen Welt auflegen, ich bin glücklich. DeBug: Du hast auch K und Nocturne bei Audio Couture untergebracht, oder? Teebee: Ja, sicher. K ist noch sehr jung, grade mal 20 geworden. Er hat eine unglaubliche Einsicht in Musik. Und auch seine Elektrotracks sind absolut fantastisch. Laurent Garnier, Gilles Peterson und einige andere lieben ihn, und sein neuer Track als Polar auf Certificate 18 heißt nicht nur “Mind Of A Killer”, sondern kickt Drum and Bass tatsächlich ins nächste Jahrtausend. Er ist auf dem Weg zu etwas ganz Großem, und ich habe auf ihn aufgepasst, als er noch klein war. Als wir Raves machten, so um 93, war er das Kid, das immer dabei war, immer um die Turntables rum. Und wir fingen dann irgendwann an, zusammen Tracks zu produzieren, weil er einfach zu talentiert war. Beinahe hätte er 95 eine Platte auf Moving Shadow gemacht, und damals war er erst 15! Von ihm kommen noch drei EP’s auf Certificate 18, 9 Tracks, die dann später als CD erscheinen. Nocturne kommt auch aus der gleichen Gegend. Von ihm kommt eine neue auf Audio Couture. Alles sieht gut aus. Jeder scheint jetzt zu wissen, daß die Norweger etwas zu sagen haben. Es gibt sogar eine Erwartungshaltung. DeBug: Und ihr arbeitet immer noch zusammen. Teebee: Ja, ab und an. Die CD, die grade rauskam auf Beatservice, ist allerdings schon von 96 bis Anfang 98. Als Vidar Hansen im März letztes Jahr auf uns zukam, wollte er ein Album mit uns machen, damit wir zeigen könnten, wo wir herkommen. Das fanden wir damals OK, weil wir viel herumliegen hatten, von dem wir uns damals nicht trauten es nach England zu schicken, einfach weil es anders war, und nicht so die Killerdancefloortunes, nach denen zu der Zeit jeder so geschrien hat. Die Reaktion hat mich tatsächlich überrascht. DeBug: Viele denken ja auch, daß Drum and Bass stagniert, und da sind sie froh über alles, was anders ist. Teebee: Genau. Und die CD ist definitv ein frischer Zugang. Die Twosteproutine kann einen ganz schön müde machen. Basslines, die 5 Minuten vor sich hinwobblen, das ist keine Produktion für mich. Es muß 5 Minuten lang interessant sein können, und nicht nur für 30 Sekunden viel Wirbel machen und dann so daherrumpeln. Auch wenn ich ab und an dann doch so einen Track mache. Drum and Bass als Medium dreht sich immer darum, das eigene Hirn zu zeigen, deine Skillz. So wie die frühen Photek Sachen. Die waren ganz für sich, tief in der eigenen Produktion aufgegangen, absolut unique, da hielt keiner mit. Leider ist er jetzt Minimalist geworden. Ich möchte, daß Leute so wie ich damals auf Photek jetzt auf meine Tracks reagieren. Daß sie sich fragen, verdammt, wie hat er das nur hinbekommen. Ich will sie frustrieren. Ich mag es, dieses Showing Off. Das ist schon ein ziemliches Boy-Thing, diese Drum and Bass Szene, und irgendwie mag ich es genau so. Technologie, Sci Fi, diese Idee, daß alles möglich ist. DeBug: Was wäre deine Diagnose von Drum and Bass 99? Teebee: Es muß sich etwas verändern. Und viele Leute sehen das genau so. Es gibt diese Szene-Leader wie Andy C, Optical, Ed Rush usw., die ganz gute Tracks produzieren, sehr tight und so, aber fast alle, die ihnen folgen, haben nichts zu sagen. Es muß wieder mehr Konzentration auf die Produktionsseite geben, und es wird, definitv, wieder mehr Vocals geben und ein paar Superstars. Roni Size haben wir ja schon, und seine Breakbeat Era LP auf XL wird massive sein. Ich bin auch ein wenig müde, was Jazz betrifft. Die Qualitätskontrolle wird aber wohl noch strenger werden. Vertriebe werden nur noch weniger Label machen, was vielleicht helfen könnte, dann gibt es wie z.B. in diesem Prototype Monsterhit “Pulse” von Bad Company die alten Riffs aus den Hardcoretracks wieder. Metalheadz kommen wieder, die hat man sehr vermisst. Dillinja und Lemon D waren die letzten beiden Jahre fast schon komplett undercover, weil sie mit der Szene nicht froh waren, und Dillinjas Album wird die Szene weiterbringen. Metpro, das neue Label von Goldie und Grooverider, die neue Rufige Cru, das nächste Virus Album, es wird einiges passieren, auf das man setzen kann. Und Goldie hat schließlich, jedenfalls was die großen Medien betrifft, Drum and Bass mehr als jeder andere auf seinen Schultern getragen. Worauf ich hoffe, ist, daß die Leute, die die Szene anführen, sie auch weiterbringen werden, anstatt nur zurückzuhalten. Als ich mit Andy C geredet habe, ging es sogar ihm um Experimente, neue Beats. Und das werden wir alle versuchen. Es gibt jetzt einen neuen Schritt, und der wird groß werden müssen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.