Text: Kay Meseberg aus De:Bug 70

Streuselkuchen gleich Mercedes

Wenn Ross Hillard (Magic Number) auf Martin Iveson (Atjazz) trifft, kommt das Wort jungsmäßig schnell auf Ferrari, Rolls Royce, Mercedes, Ford. Das KfZ dient bei den Diskussionen der beiden als Vergleich für Nahrungsmittel. Der angebotene Streuselkuchen ist ein Mercedes. Der Earl Grey dazu der Rolls Royce der Tees, sagt Ross. Martin hält ihn eher für den Ferrari. Und ob Mars oder Snickers der Ford oder der Ferrari der Schokoriegel ist, sorgt für eine hitzige Debatte. Sorgen kann man haben. Aber warum nicht. Bei Mantis läuft es prächtig. Brooks, der sich gern britisch humorig als Mr. Ivesons Friseur vorstellt, gilt als neuer House-Wunderknabe. Mit Phil Parnell wurde ein hochkarätiger Musiker mit auf- und niedergespieltem Album verpflichtet. Nebenbei ist das neue Atjazz-Album in Vorbereitung. Doch davor wird gerade Magic Number gedropt: Mantis-Talent Nummer zwei.
Magic Number – 24 Jahre alt – steht im Vergleich zu Brooks – 23 Jahre alt – eher für die leicht beschwingte, percussionflockige und rhodesreiche Spielart des House mit zuckrigen Streichern, Beckensounds, niedlich zirpenden Synths, sexy Claps und soulig schwebenden Sangeskünsten. Der Accent’aigu liegt auf dem Songwriting. Martin Iveson war zunächst verwirrt, als Ross Hillard bei Mantis aufkreuzte: ”Als Ross zu uns kam, war das eine völlig andere Musik als die von Brooks. Er hatte gerade ’That Day’ produziert und es war weird, weil es mehr so ein Latin-Pop-Stück war. Aber als das Stück raus kam, war es mehr House.” Ross: ”Alle Leute sagen immer, dass ich House mache, aber ich mach das einfach nicht. Ich will ja manchmal House machen, aber es geht nicht. Das ist damned weird …”
Na, und wer spielte die erste Single ”That Day“ in seiner weltweiten Radiosendung? Gilles Peterson – richtig geraten. Riecht also stark nach Zwischen-den-Stühlen, jazzig irgendwie. Dem ist aber dann doch nicht ganz so, obwohl Ross für sein Album auch mit Clara Hill – von Jazzanovas ”In Between“ bekannt – zusammenarbeitete. Sie singt ”Turn Back“, schrieb daran mit. Folge Nummer eins: Ross ist verknallt und macht Clara einen Heiratsantrag. Folge Nummer zwei: Ein Korb, Clara hat schon einen Freund. Folge Nummer drei: ”Turn Back“ lotet Tiefe aus, die Ross’ ganz persönlichem Blick auf sein Debut-Album am nächsten kommt. Er widmet sein Album seiner Mutter, die vor drei Jahren starb. ”That Day“ handelt von dem Tag der entsetzlichen Nachricht. Für ihn ist es deshalb immer wieder zweideutig, wenn wie beim Atjazz-Gig in der Berliner Pfefferbank oder anderen Tanzveranstaltungen in London die Arme hochgehen, wenn die Reminiszenz erklingt. Die dunkle Seite des Magic-Number-Albums erschließt sich dann auch über die Vokals. Ross: ”Ich mag düstere, dreckige Musik, aber es läuft bei mir immer darauf hinaus, das ich die Texte schreibe. Darum sind viele Texte und Tracks wie Sorry“ auf dem Album auch dark.” Martin: ”Da ist überhaupt nichts dark.” Ross: ”Doch, die Texte sind dark.” Martin: ”Ok.”

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Elektronische Lebensaspekte.