Telekom-Provider und Handy-Hersteller wetzen die Waffen. Wer gewinnt den Kampf um die Herzen der Handy-User? Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung sind mal wieder die Betriebssysteme. Eine Erzählung aus der Welt der Telekommunikation.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 87

T-erminator Pony
Die Telekoms vs. deine Handymarke

Es tobt ein Kampf in der Welt des mobilen Telefons. Telekomprovider gegen Handyhersteller. Stellt ihn euch zur Einleitung einfach – etwas cineastisch verblümt – so vor: In die Sumpfgebiete des Amazonas der weltweiten Kommunikation, genauer in ihre Piranha-verseuchten Flachwassertümpel (mobile Telecoms), trabt ein stolzes kleines Pony namens Handy und wird unter großem Gewusel und in absoluter Unübersichtlichkeit in blutigen Szenen, die mit Sicherheit nicht jugendfrei sind, bis auf die Knochen zerrissen. Pony tot, Schlussszene Close-up: Milliarden gebleckter purpur-elfenbeinfarbener Fangzähne, schnatternd wie ein Rudel Klingeltöne. Doch halt! Quecksilberartig-wabernd baut sich rings um die Knochen das Blutgerinsel zum T-1000-Terminator-Smart-Pony wieder zusammen und schreitet aus dem Gore-Whirlpool schillernd silbrig unberührt rein wieder ans Ufer, pupst keck und knabbert, als wäre nix gewesen, an einer psychedelischen Orchidee (Screenauflösung: 640×480 Pixel). Puh, Tierfreunde, aufatmen. Schnell noch ein Photo für das Mo-Blog (siehe Seite 28) und Fortsetzung später.

Die Urzeit
In der Urzeit der mobilen Telekommunikation gab es friedliche Herden von Handys, die sich einfach durch ihren Markennamen unterschieden. Sich gegenseitig vollplappernde Zusammenrottungen von Nokia Ponys, Motorola Zirkuspferdchen, SonyEricsson Haflingern, Siemens Hengsten etc. Bestaunt, geliebt, beritten von ihren Usern, deren Freunde oft – um sich zurechtzufinden – in der gleichen Herde ritten, sei es, weil sie aufs gleiche Pferd setzten oder einfach miteinander im Trab über die mobile Prärie purzeln wollten. (Vielleicht hatten sie ja auch im Autokino gemeinsam eine Initialzündung beim Handy-Produktplacement ihres Lieblingsblockbusters.) Die krisensicher gesunde Ernährung erledigten die endlos grünen Felder der Telekoms mit stabilen Gesprächs- und SMS-Zuwachsraten. Doch als in den Städten ein Start-Up-Tower nach dem anderen in die Höhe schoss, bis die Verheißungen der Bandbreite sogar in den Steppen sichtbar wurden, da kauften die Telekoms zum ungünstigsten aller möglichen Preise die UMTS-Lizenzen. Viel Heu hat damals den Besitzer gewechselt. Ganze Weiden wurden verkauft. Landflucht war die Folge. Ein weiteres Brandzeichen musste her, um Ordung zu schaffen.

Brandzeichen
Bis vor einigen Monaten, war es dann fast unmöglich ein Telefon zu bekommen, das nicht irgendwo auf der metallic schimmernden Plastikaußenhaut zwei Brandzeichen trug. Das der Marke und das des Telekom-Providers. Es war ein wenig so, als wäre der mobile Wilde Westen in einer Umbruchphase und jeder würde plötzlich eine Brille mit zwei verschiedenen Gläsern tragen. Das eine sicher gerichtet auf die genetischen Pferdestärken, den Knochenbau, das Mark der Marke. Das andere auf eine Welt, in der sich Marken eher so verhalten wie Walgesänge, die quer durch den Ozean rauschen oder wie die durch die Wüste meilenweit schallenden subfrequenten Laute von rosaroten Elefanten. Sich innerhalb der Parameter dieser beiden Marken-Ordnungen zu positionieren, schien zur Lebensaufgabe des Post-Bubble-Konsumenten zu werden. Angetrieben von den Weiten des mobilen Hinterlandes Amerika – in dem vor gar nicht allzu langer Zeit noch Beeper besungen wurden – schien dieses Double Branding auch im dichter besiedelten Europa Fuß fassen zu wollen.
Aber die Pferde wurden hierzulande schnell scheu. T-Mobile Senior Manager des Musikmarketings Ralf Lülsdorf gesteht uns, dass die Kunden sich schlichtweg beschweren. (Alles Maultaschen, das!) Eine mögliche Erklärung wäre, dass hierzulande die breite Masse der mobilen Spracheinheiten mittlerweile schon so lange ein Handy mit sich herumträgt, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen können, ohne ihr HIER MARKENNAME EINSETZEN auszugehen. In Amerika hingegen heißt z.B. der dort noch junge Provider T-Mobile verniedlicht einfach T-Mo (sprich Timo, und jetzt versucht mal ähnlich lässig amerikanisch SonyEricsson oder gar Samsung auszusprechen) und wird zunehmend zum Handy-Ersatznamen. Die Zuwachsraten der Tochter sind sogar so groß, dass die amerikanische Tochter des rosaroten Riesen möglicherweise bald die deutsche Mutter übertroffen hat. Und dann kommen wir zu Terminator-Pony II.

Außen vs. innen
Es deutete sich schon am Ende des ersten Teils mit einem Close-Up auf die Augen des silbrigen Ponys an – und dem merkwürdigen geheimnisvollen Leuchten hinter dem Screen. Es hilft nix, Branding wirkt billig und eh schon scheue Konsumenten brauchen eine starke Marke zum Anlehnen, umso besser wenn sie 0,- Euro kostet. Unbezahlbar. Vor allem während die technologische Entwicklung auf die UMTS-Welten/3G-Welten zugaloppiert, als wäre schon wieder ein gelobtes Land in Sicht, da will man einfach sicher im Sattel sitzen.
Wer glaubt, Double Branding wäre nur eine schiefe Wetterlage gewesen, dem empfehlen wir einen genaueren Blick auf die Displays der jetzigen Telefongeneration. Da kaum ein Mensch noch Handys ohne Vertrag kauft, dürfte ein Vergleich leider schwer fallen. Dafür wächst die Macht über das Betriebssystem der Handys bei den Providern. Vodafone-Menüs neigen im Allgemeinen zu roten Buttons, T-Mobile-Handys zu magenta. Das Geld liegt in den Grundeinstellungen, das konnte man schon bei den ersten Netscape-Browsern lernen. Beim Wandel des Telefons von einer Plapperbox hin zu einem externalisierten Datenknochen geht der Weg zur klingelnden Kasse über das Herzstück, die Software. Hartschalen-Branding ist Oberflächen-Ideologie, auf den einzelnen Provider zugeschnittene Betriebssysteme hingegen bare Münze. Wie bringt man ein Pony dazu, rotes Gras von der eigenen Weide zu fressen? Richtig, man klont es farbenblind. Und wenn das nicht reicht, verändert man seinen Magen genetisch, so dass es z.B. eine MP3-Insuffizienz bildet. (“Von DRM-freiem Gras wird mir in letzter Zeit immer so schlecht!”) Die nächste Generation genetisch mutierter Ponys ist auch schon längst angetreten. Jegliche Züge der Marke werden einfach von Geburt an getilgt und selbst die Hersteller wissen gar nicht mehr so genau, von welchem Fließband eigentlich die neuen T-Mobile-Handys getrabt sind.

In Folge III von Terminator Pony, “Die Rückkehr der Wildpferde”, erfahrt ihr dann alles über blaue Pferde, die neuen Rassenunruhen, Pingu, das Gnu und das Schrecken erregende Wiehern der Smart-Mo-B’s.

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Elektronische Lebensaspekte.