Text: aram linzel aus De:Bug 13

Telepolis. Die Zeitschrift der Netzkultur: Heft 4/5 Aram Lintzel aram.lintzel@uni-koeln.de Nach sieben Monaten Pause hat das Erscheinen der neuen Printausgabe von “Telepolis” beinahe Relaunch-Charakter, wobei der fulminante Umfang (245 Seiten) der Doppelausgabe der “Zeitschrift der Netzkultur” ein übriges tut. Auch diesmal richtet man einen anderen Blick auf ein bekanntes Mainstream-Issue: Nach “Europa im Dornröschenschlaf” im letzten Heft geht es diesmal um Globalisierung, also das aus Funk und Fernsehen bekannte Lieblingsthema aller selbsternannten Visionäre und Flexibilisierer. “Das Kapital der Zukunft? Die Spielregeln der globalen Ökonomie” lautet der Subtitel, doch ein dem Editorial des omnipräsenten Florian Rötzer vorgeschobenes Marx-Zitat gibt sogleich zu verstehen, daß Globalisierung als solche entgegen dem verheißungsvollen Titel eigentlich alter Kaffee ist. Was sich hingegen verändert hat, sind Psycho-Logiken, Ressourcen, Geschwindigkeiten, Lokalitäten und Überbauten des planetarischen Kapitalismus, weshalb es darum gehen muß, genau hinzusehen, statt abstrakt und erklärungsarm über “die Globalisierung” zu schwadronieren. Doch nicht allen Texten und Interviews gelingt es, feine Unterschiede zu machen. Letztlich wird doch zu häufig die Funktionalisierung von “Globalisierung” als Mega-Thema weitergeschrieben, mit dem sich verschiedenste Phänomene als brandheiße und unausweichliche Neuheiten verkaufen lassen. Daß es auch anders gehen kann, zeigen die Gespräche mit dem Ökonomen Geoffrey M. Hodgson und dem Politologen Elmar Altvater sowie die Aufsätze von Benjamin Barber und Saskia Sassen – durch Problematisierung, Historisierung und Konkretisierung läßt sich sympathischer und weniger verkürzend über globale Vernetzungen und deren ökonomische Implikationen sprechen. Die hier verfolgten Ansätze ideologiekritisch oder diskursanalytisch zu nennen, wäre gewiß übertrieben, denn die entscheidende Frage, welche strategisch-rhetorische Funktion die allgegenwärtige Rede über Globalisierung einnimmt, taucht nicht auf. Und dennoch liefert das neue “Telepolis” so manche (Detail-)information, mit der sich bestimmte politische, ökonomische und kulturelle Spielregeln neu und im besten Falle gegen den Strich lesen lassen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.