Wer zu spät kommt, rettet die, die alles vorher wussten. Der ewige Nachzügler TG Mauss hievt Indietronics aus der inflationären Glockenspiel-Mode.
Text: René Margraff aus De:Bug 96

Indietronics

T G Mauss
Thinking of ways

Nachdem Indietronics mit all den Glockenspielen und Melodicas bei einigen ein Gähnen auslöst, da doch zu viel Halbgares veröffentlicht wurde, kommt Torsten G Mauss mit “Mechanical Eye“ genau recht, um die Verbitterung etwas zu zerbröseln, die Langeweile verpuffen zu lassen. Während sein Tonetraeger-Kollege Volker Bertelsmann als Hauschka das Klavier erforscht, taucht Herr Mauss in ein Meer schlanker Gitarrenloops ab, plonkert Melodien drumherum und singt unangestrengt, was ihm in den Sinn kommt. Zum Beispiel, dass die Nachbarn gerade eine 80s Party feiern. Viva la Düsseldorf! New Romantics? Ja, aber …

Eine gewisse Reife at its best denkt man, denn Torsten Mauss hat definitiv eine Vergangenheit, ist ein Thirty-Etwas, der im echten Leben aus der Werbeagentur geflohen ist und sein Leben den Tönen gewidmet hat. “Zwanghaft“ bezeichnet er den Antrieb, Musik zu machen. Ansonsten liest sich seine Vergangenheit wie die einiger anderer auch: in den 80ern hat er mit zwei Kassettendecks und Casiotones angefangen, dann wegen Spacemen 3 und Galaxie 500 eine Zweimann-Rockband mit Bass und Gitarre gegründet und schließlich als Twig und eine Hälfte von Tonetraeger immer wieder die besseren Platten gemacht, Sampler und Computer als Instrument erlernt.

Don’t let our youth go to waste
Torsten meint, dass er eigentlich “meistens zu spät dran“ sei, immer ein wenig dem Puls der Zeit hinterherhängt, weil er elektronische Musik beispielsweise erst “nachgeholt“ hat und nie ein richtiges “Clubkind“ war. Warum ihn Detlef Weinrich von Kreidler im Promotext mit Vincent Gallo vergleichen muss, scheint nicht ganz klar, hat er doch ein sehr gegensätzliches Naturell zum Enfant terrible des Homerecordings. Sicherlich, ruhig ist seine Musik auch irgendwie, aber er ist kein Typ, der sich in irgendwelche Posen flüchtet oder sich bemüht kontrovers und zerrissen gibt. Vielmehr wandelt er das Telefoninterview in ein sehr offenes Gespräch mit sympathischen Positionen, die sich auch gerne zwischen den Stühlen befinden können. So wie seine Musik auch. Da waren schon immer die Melodien in seinem Kopf, aber auch die Beats, die er bei “Mechanical Eye“ bewusst etwas rausgenommen hat, dafür aber auf einer der nächsten Twig-12“s in einem “Heavy Metal“-Stück entladen wird. Das mit den vielen Namen ist etwas, das ihn verwirrt, aber im Zusammenhang mit den unterschiedlichen musikalischen Ausprägungen durchaus sinnvoll erscheint. Neben einer neuen Twig 12“ wird es T G Mauss demnächst auch live auf der Bühne geben. Eine Gitarre, ein paar Sampler und eine Sammlung feiner Bodeneffekte reichen ihm dabei aus. Mal sehen, was als nächstes kommt, denn “der Computer ist eigentlich immer häufiger aus“.

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Elektronische Lebensaspekte.