Hier ist der Name Programm
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 150

Es mag immer noch merkwürdig klingen, aber Beschränkung funzt nach wie vor. Michal Matlak, aka The Analog Roland Orchestra, weist schon in seinem Projektnamen darauf hin, dass er ein fast stures Programm hat. Nur Roland. Nur analog.

“Ich hatte zwölf Jahre Geigenunterricht. Bis mein Lehrer gemerkt hat, dass ich nach all der Zeit immer noch nicht Noten lesen konnte. Da war Schluss. Meine erste Drummachine war dann eine TR 606, weil ich mir einfach nichts anderes leisten konnte. So habe ich mir eine Roland-Sammlung angeschafft und mich in diesen Sound verliebt. Für mich ist es jetzt eine Herausforderung geworden, alles mit diesen billigen japanischen Geräten zu erzeugen. Es ist limitiert, bringt dich aber weiter.” Selbst bei Remixen spielt er alles nach, programmiert die Beats neu.

Humor und Jack
Seine erste EP auf Pastamusik war purer Jack. Die gnadenlose Stimme, die den “Highway of Jack” beschrieb, war so lethargisch, dass man das eigene Clubleben in dieser Stimme fühlen konnte. Humor und Jack. Immer unterschätzt. Mittlerweile aber hat sich sein Sound in die verschiedensten Richtungen entwickelt. Vom satten Rave-Slammer seines Orlando-Voorn-Remixes auf Polymorph bis zu den ultrabreit-dubbigen Exkursen, die demnächst auf Pasta Ltd. erscheinen.

Die Vielfalt der Roland-Welt scheint gerade erst begonnen zu haben. Und schon ist er eine Verwandlung weiter und hat sein Album für Ornaments fertig. “Die sind mutig. Das wird ganz anders. Downtempo mit Gesang. Ich hatte mal einen Kontakt zu Air, und in die Richtung ihrer ’Premiers Symptomes’ wird es auch gehen. Man kann mit der 707 Jack machen, aber auch Pop. Etwas ganz anderes kreieren ist das Interessante.

Konzentration auf das Unerhörte
Man hat die 909-HiHat schon ein paar Millionen mal gehört, aber man kann es auch noch ein paar Millionen mal mehr hören!” Oldschool, wenn man darunter mal den Gebrauch von Instrumenten versteht, die, wie im Fall von The Analog Roland Orchestra, alle gebaut wurden als er auf die Welt kam, hat genau diesen Vorteil. Man scheint alles schon in- und auswendig zu kennen, aber genau in dieser Konzentration des Gehörs auf das Unerhörte, in dieser Bewegung in einem Klang, der so bekannt scheint, dass er wie angewachsen, wie ein Teil des eigenen Körpers klingt, findet man diese subtilen kleinen Nuancen, die alles ausmachen.

Timespaceroom (Reshape) by TheAnalogRolandOrchestra

“Ich spiele ja nur live und habe immer alle Geräte mit, je nach Club eine andere Drummachine. Wenn man eine 303 im Set einmal aufreißt, flippen immer noch alle aus. Neulich überlegte ich, ob ich meine 303 verkaufen soll. Aber das käme einer Amputation gleich.” Man verwächst mit so einem Sound. Man schreibt die eigene Geschichte in den Körper. Und dann stellt sich irgendwann auch nicht mehr die Frage, ob man eine Band ist oder ein Act. Man ist einfach Teil dieses Arrangements und das ist immer live.

“Ich programmiere auch gerne einiges während der Sets, es ist immer sehr viel Improvisation dabei. Wenn man echte Geräte dabei hat, durch die Strom fließt, dann hat das immer auch Band-Charakter. Man hat das Gefühl, on the road zu sein. Die brauchen immer ihre Aufwärmzeit und wenn sie kaputt gehen, dann kann man sie immerhin noch löten. So eine Roland, die ist ja wie ein Golf Zwei.”.

http://www.theanalogrolandorchestra.com

8 Responses

  1. tom

    yeahh. der Michal rockt ! sauber.

  2. Das Kraftfuttermischwerk » Just my daily two cents

    […] The Analog Roland Orchestra: Humor und Jack | De:Bug Ein gar wunderbar zitierfähiges Interview: “Ich spiele ja nur live und habe immer alle Geräte mit, je nach Club eine andere Drummachine. Wenn man eine 303 im Set einmal aufreißt, flippen immer noch alle aus. Neulich überlegte ich, ob ich meine 303 verkaufen soll. Aber das käme einer Amputation gleich.” Man verwächst mit so einem Sound. Man schreibt die eigene Geschichte in den Körper. Und dann stellt sich irgendwann auch nicht mehr die Frage, ob man eine Band ist oder ein Act. Man ist einfach Teil dieses Arrangements und das ist immer live. Tweet […]

  3. sabine

    naja was soll ich sagen, manche tracks sind ja ganz ok aber so kreativ wie der projektname ist auch die musik nichts wirklich neues. ausser vielleicht für leute die erst vor paar jahren in diese art von musik eingestiegen sind.

  4. sabine

    ist aber genau so ein trend vor paar jahren mit minimal jetzt auf einmal wollen wieder alle richtig alt & rauschig klingen. und viel zu viele springen auf diesen zug auf und dann nächstes jahr wieder auf einen anderen. diese art von musik gibts und gabts schon immer in den letzten 15 jahren. aber so ist das eben mit trends.

  5. Martina

    @ Sabine:

    Wer sagt denn, dass alles neu sein muss? Gerade das macht das Ganze so symphatisch, er versucht nicht etwas zu erzwingen mit dem Grungedanken: ich mach was total neues und werde deswegen gehypt. Seine Musik und sein Stil sind grundsolide und zeitlos. Wie du schon sagst, die Musik ist nichts neues in dem Sinne aber von einer anderen Person aufgegriffen und neu interpretiert. Dass mit Rolands seit den 70ern produziert wird steht ja wohl außer Frage, er ist damit nicht der Erste und Letzte und nach meinem Verständnis möchte er das wohl auch gar nicht sein. Deine Sicht ist vom Gedanken der Trends so vernebelt, dass dir das wichtiger als die Sache an sich ist. Schade..tut mir leid für Dich.

  6. Daniel

    Absolut geile und zeitlose Musik !!!! Live ein absolutes Erlebnis! Wer macht schon noch Liveacts mit analogen Synthesizern !?
    Sabine hat keine Ahnung von Musik und hört offenbar nur das was grade im Trend ist.