Eine Liveband. Und nur das. Platten gibt es nicht wirklich. Warum auch. Aber warum?
Text: Kay Meseberg aus De:Bug 63

The Bays spielen nur live. Jeder Track wird auf der Bühne erschaffen. Sie veröffentlichen keine Alben. Nur was sie live präsentieren zählt. Drummer Andy Gangadeen, Bassist Chris Taylor, Keyboarder Jamie Odell (aka Jimpster) und der CD- und Effekte-Mann Simon Smugg (DJ Smugg) sind The Bays aus London. Damit es satt klingt, ist ihr Soundmixer so wichtig wie der fünfte Beatle. Er holt das beste aus den jeweiligen Anlagen heraus und katapultiert die Gigs der Londoner in Sphären, die Gäste des Schauspiels hinreißen.
Ein The-Bays-Gig sieht so aus: Mit Sounds im Mellow-Bereich pirschen sich die Vier an das Publikum heran, checken, was geht und was nicht. Sind die Informationen für die Feinabstimmung geflossen, entwickelt sich plötzlich der Druck, der kein Halten mehr zulässt. The-Bays-Herzstück ist Drummer Andy. Wie er von einen Takt auf den anderen die Beats wechselt, ohne das treibende Moment zu verlieren, ist sagenhaft. Er baut aus seinen Drumkaskaden Breakbeatgewitter, die Bassist Chris mal verspielt, mal drückend untersetzt. Für das Obenherum sorgen folglich Smugg und Jimpster. Der The-Bays-Sound geht eher in Richtung satter Deepness als elegischem Tingeltangel.
Was The Bays antreibt, ist die Permanenz des Wandels. Die Richtung ist klar, nichts ist so, wie es war. Alles wird anders. Dazu Drummer Andy: ”Als The Bays stellen wir das Performance-Element in den Mittelpunkt. Es ist eine Art von Live-Produktion, aber auch Live-Remixing. Wir versuchen, immer das Beste aus den Lautsprechern zu holen.” Und Jimpster fügt hinzu: ”Ich denke, dass das eine größere Herausforderung für die Zuhörer ist. Die meisten Leute mögen das, weil sie spüren Teil von etwas Einzigartigem zu sein.” Und schließlich Smugg: ”Wir wären gelangweilt, wenn wir jedes Wochenende die gleiche Setliste spielen müssten.”
The Bays haben sich bei Jam-Sessions in Kellerbars entwickelt und dabei an ihrer Stilistik gefeilt. Diese Wurzeln sind für sich wichtig, so Andy: ”Unsere Geschichte als Band ist sehr bedeutet. Alles, was wir heute sind, basiert auf einer Geschichte von sechs Jahren. Wir haben viel Zeit verbracht, um diesen Punkt zu erreichen. Alles was wir wollen, ist einen Unterschied zu kreieren.” Was diesen Unterschied genau ausmacht? The Bays sind nicht die Live-Act-Unterhalter, die den Finger in die Luft recken. Es gibt auf der Bühne keine Stimme und kein Gesicht, mit dem man The Bays identifizieren würde. Dadurch wird die Mütze, die Drummer Andy permanent ins Gesicht rutscht, zum einzigen Entertainment-Tool jenseits der Musik. The Bays treten introspektiv auf. Die Schaltvorgänge ihrer Oberstübchen übertragen sie auf ihre Instrumente. Das Resultat ist nach einem guten Gig der Vier, dass bis zum nächsten Tag ein Gefühl der unwirklichen Erinnerung zurückbleibt. Dieses Gefühl ist wohl nichts anderes als das Auslaufen der Druckwellen.

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Elektronische Lebensaspekte.