The Carps kommen aus Kanada und stehen auf Michael Jackson, genauso wie das Erfolgsduo Chromeo. Ihre Musik ist aber weniger slick, dafür ihre Garderobe umso mehr. Normaler kanadischer Eklektizismus, der auch den Hives-Manager überzeugt.
Text: Ji-Hun Kim aus De:Bug 121


Jahmal Tonge (singender Drummer) und Neil A. White (moogender Distortionbasser) treten ohne mit der Wimper zu zucken in die großen Fußstapfen des letzten großen kanadischen Prügelduos “Death from Above 1979“. The Carps lassen indes die Flaggen der Referenzen nicht nur Richtung Rock und Dance wehen, sondern sind so soulful, dass man unweigerlich an Living Colour denken will. Wir sprachen über die Musikszene in Kanada, Zouk aus der Karibik und Waffenmissbrauch.

De:Bug: In welchem Kontext seht ihr eure Musik? Der Sound ist eher Rock, eure Texte, eure Mode und der Gesang scheinen aber diffus woanders herzukommen …

Neil A. White: Unsere Musik ist eine echte Mixtur aus verschiedensten Einflüssen, wenn auch manchmal kakophonisch. Jahmal ist mit einer Riesendosis Soul aufgewachsen, wobei ich eher mit Prog/Psych Rock und Punk zu tun hatte. In Toronto gehen viele ungewöhnliche Dinge zusammen, es gibt hier eine der besten Independentszenen der Welt.

De:Bug: Ihr definiert euren Sound zwischen Metal, R’n’B und Zouk. Wie meint ihr das mit Zouk?

Neil A. White: Wir wollen mit unseren Songs die Körper zum Bewegen bringen. Dass wir unsere Musik Zouk nennen, reflektiert die Party-orientierte Atmosphäre, die wir erzeugen wollen. Das ist ein echter Traum von uns: einmal auf einem karibischen Karnevalsumzug zu performen!

Jahmal Tonge: Wir wollten nie ausschließlich Dance, Rock oder Metal machen. Wir wollten die Musik machen, die wir lieben. So haben wir sowohl Kids, die besonders cool tun, aber auch Hippies, die wegen der Texte kommen, in unserem Publikum.

De:Bug: Mit Cadence Weapon, aber auch mit The Carps sind immer mehr HipHop- und Soul- Elemente aus eurem Land zu hören. Der Zugang zu diesen Stilen wirkt aber reflektierter bzw. aufgeklärter. Wie sieht die HipHop-Szene in euren Augen aus?

Jahmal Tonge: HipHop in Kanada ist zunächst keine ausschließlich schwarze Angelegenheit und da sind viele Acts, die nicht gänzlich HipHop-orientiert sind. Wie bei Buck 65, Hawksley Workman und vielen anderen geht es weniger um das ganze Regelkorsett von HipHop, sondern eher um das Produzieren guter Musik.

De:Bug: Euer Track “Compton to Scarboro“ thematisiert Waffen und Jugendkriminalität, ein klassisches Rapsujet. Seht Ihr einen Zusammenhang zwischen dem Wachstum der HipHop-Szene und dem Anstieg von Kriminalität?

Jahmal Tonge: In unserem Song geht es um knallharte Reflexion und zeigt das, was in unserer Stadt passiert. Kids werden regelmäßig abgeknallt und das ist ein trauriger Zustand. Und ja, HipHop spielt da eine Rolle. Aber das ist nicht der Grund dafür. Studien haben gezeigt, dass junge Männer aus prekären Umfeldern voller Kriminalität nicht wegen der Musik kriminell werden, sondern die Musik ihren Lebensstil reflektiert. Aber daraus wird ein Teufelskreis. Wir wollen nicht predigen, aber wir wollten den Jugendlichen zeigen, dass die Scheiße, durch die sie gehen, nicht so sein muss.

De:Bug: Wie waren die Resonanzen auf die Tournee in Europa?

Neil A. White: Wir hatten glücklicherweise ein unglaubliches Feedback. Seitdem ich nach London gezogen bin, können wir uns auch besser auf Europa konzentrieren. Nach Deutschland kommen wir mit Sicherheit auch bald!

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Elektronische Lebensaspekte.