Die sechsköpfige Brightoner Band rettet uns alle
Text: Benjamin Dannemann aus De:Bug 115


Die sechsköpfige Brightoner Band The Go! Team macht Indie in einer Mixtur aus Blaxploitation-Film-Themen, HipHop, Chorgesang und Funk. Das erscheint vielen als Rettung – ganz generell.

Man muss sich das als eine fiebrig-fabrizierte Überraschungstüten- und noisige Sample-Collage-Musik vorstellen. Fanfaren klangen noch nie so sehr nach Fanfaren wie beim Go! Team. Die berechenbaren Mauern des New Rave fallen mit einem Wimpernschlag zusammen. Aktuelle Dringlichkeit, Schärfe und Chaos; Swinging-60s-Aufregung, quietschig gerappte Stinkefinger und KLF-mäßige Überkandideltheit verbindet sich zum Non plus Ultra an Pop-Geste, die so clever reflektiert wie stürmisch drauflos ist. Was in diesem eklektizistischen Monster gipfelt, beginnt 2004 mit ein paar Songs in der Hand von Ian Parton und der Aufgabe, innerhalb eines Monats für einen Auftritt bei einem schwedischen Festival eine Band zusammenzustellen.

Einige Gigs später kam dann das erste Album “Thunder Lightning Strike”. The Go! Team bilden mit ihrer zweiten Platte eine heimelige Massen-Schnittstelle, die die Club-Community davor rettet, vor lauter New-Rave-Backlash reumütig in den Minimal-Hafen zurückzukehren. Tanzbar, aber dabei verschachtelt, mit einem Schuss Attitüde, ohne Moralkeule – quasi ein koffein-geschockter Ideen-Karneval als politisches Ventil, ganz schön Multikulti, wenn dieser Begriff nicht einen so schalen Beigeschmack hätte. Aber zu viel Kaffee stößt ja auch auf. Es gibt also einiges zu bereden im Gespräch mit Ian Parton, dem Band-Leader.

De:Bug: Eure Musik besteht aus so wahnwitzig vielen Elementen, da wären die Samples und das ganze Instrumentarium. Wie setzt ihr diese riesige Vielfalt auf der Bühne um?

Ian Parton: Ein paar Sachen müssen wir natürlich rauslassen, aber die Samples sind immer noch ein zentraler Bezugspunkt, auch auf der Bühne. Wir leben den Live-Aspekt auf der Ebene der Gitarren und der zwei Drum-Kits, die wir in manchen Songs haben, aus.

De:Bug: Welche Spielereien ergeben sich aus den zwei Drum-Kits?

Ian Parton: Ich bin ein riesiger Fan von Drums und eigentlich auch Schlagzeuger, wenn auch kein besonders guter. Das trashige Schlagzeug trägt entscheidend zum Go! Team-Sound bei. Hinzu kommt die Verzerrung, dieses Krchch. Ich liebe raumgreifenden und simpel-klackernden Sound total. Aber ich stehe überhaupt nicht auf dieses 4/4-Zeug, ich find’ einfach richtiges Schlagzeug besser. Obwohl ich total auf Elektro stehe, auf Breakbeats und diese Drum-Machines aus den Achtzigern.

De:Bug: Gerade in den Achtzigern gab es analog zu euch den Versuch, die so genannte “Black Music”, wie HipHop und R’n’B, mit Indie-Sachen zu verbinden.

Ian Parton: Es gibt in beiden Welten tolles Zeug, aber ich habe noch nie eine zufrieden stellende Verbindung zwischen beidem erlebt, jedenfalls aus meiner Sicht. Aber es stimmt schon, in den frühen Achtzigern gab es gelungenere Versuche, wie z. B. in New York. Natürlich war ich da grade mal verdammte fünf Jahre alt, aber es ist total interessant, dass du auf der einen Seite des Flusses die Geburt von HipHop hattest und auf der anderen die Geburt von New Wave und dieser ganzen Art-Rock-Sache. Da liegt dann auch mein Hauptbezugspunkt, einerseits die frühen HipHop-Sachen und andererseits diese noisigen Gitarren in D-Tuning, mit viel Feedback, also, wenn du so willst, eher weißes Zeugs. Du hast den Versuch, die Leute zum Tanzen zu bringen, sich gehen zu lassen, viel Eskapismus und auf der anderen Seite setzt man sich die Sonnenbrille auf, hängt die Gitarre um und versucht cool auszusehen. Zwei völlig verschiedene Welten, die sich eigentlich ausschließen. Und wir versuchen das zusammenzubringen, was bei einem Konzert auch verwirren kann. Du hast dann z.B. Ninja, die das Mikro in die Menge hält, um sie zum Bouncen aufzufordern, und gleichzeitig Sam und mich, die über der Gitarre hängen und mit viel Feedback losschrammeln.

De:Bug: Gibt es noch andere Einflüsse für dich?

Ian Parton: Ich mochte schon immer Girl-Groups, z. B. die Supremes aus den Sechzigern. Aber auch Blaxploitation-Sachen. Ich stehe einfach auf diesen super-sassy schwarzen Frauengesang und gleichzeitig hab’ ich immer das Bedürfnis ihn wieder kaputtzumachen, indem ich diese kaputten Beats drunterpacke. Diese Rauheit mag ich auch am HipHop, wenn du das Gefühl hast, dem Typen wurde an der Straßenecke ein Mikrofon ins Gesicht gehalten.

De:Bug: Steckt hinter The Go! Team ein politisch korrekter Masterplan?

Ian Parton: Mir ist klar, dass sich das Ganze manchmal so anhört oder aussieht, aber ich interessiere mich nur auf der akustischen Ebene dafür – ich bin nicht United Colours of Benetton. In gewisser Weise kannst du sagen, ich mag es, wenn Frauen mit in der Band sind. Ich mochte, dass Maureen “Moe” Tucker bei “The Velvet Underground” war oder Kim Gordon bei “Sonic Youth”. Diese Klischee-Rock’n’Roll-Band interessiert mich nicht, deshalb wollte ich eine gute Junge-Mädchen-Mischung. Teilweise hat es aber auch einfach pragmatische Gründe. Es gibt z. B. einfach wenig coole weiße Rapper und Ninja ist einfach gut.

De:Bug: Ist diese New-Rave-Sache für euch ein Bezugspunkt?

Ian Parton: Nein (breites Grinsen). Obwohl wir das Ganze natürlich eigentlich begründet haben. Eigentlich sind The Go! Team die Godfather des New Rave! Nein, im Ernst. Ich denke nicht, dass wir eine Dance-Band sind. Für mich ist das irgendwie ein Feindbild, diese ganze Menge mit Leuchtstäben in der Hand und knallbunten Jumpers. Aber vielleicht steckt da noch mehr dahinter, wenn die Kids sich dahinterklemmen und das Ganze etwas aufmischen.
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Elektronische Lebensaspekte.