Der Lichtblick der US-TV-Saison
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 112


Neue US-Fernsehserien im Frühjahr sind im allgemeinen rar. Midseason Replacements stopfen gewöhnlich das Loch, das durch Quoten-Versager aufgerissen wurde, eher notdürftig und verschwinden oft ebenso schnell wieder wie sie auftauchten. Dazu kommt, dass die Pay-TV Kanäle oft mit ihrem neuen Sendeplan zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal angefangen haben. The Riches auf dem Sender FX allerdings sticht heraus. Nicht nur durch die eigenwillige Grundsituation.

Eine sympathische Travellerfamilie (Mutter drogensüchtig, Vater grandios linkischer Trickbetrüger, Kinder: ein präpubertierender Transvestit, ein versierter Einbrecher, eine abgeklärte Tochter) raubt die Clan-Bank, übernimmt auf der Flucht die Identität der in einer Verfolgungsjagd als Kollateralschaden verschiedenen Riches, zieht in deren Haus im High Class Suburbia Eden Falls und widmet sich in der Folgezeit dem für alle völlig unpassenden und schwer an der eigenen Ideologie vorbeidriftenden Ziel: Steal the American Dream.

Die Komplikationen und das stetige Driften am Rand des Abgrunds sind vorprogrammiert: Reste der Vorgeschichte der Riches müssen abgewehrt werden, die Mutter muss ihren Metabolismus von Crystal Meth auf von der Nachbarin gemopste Psychopharmaka umstellen, der Vater beginnt eine Anwaltskarriere ohne auch nur die Grundbegriffe zu kennen, und die Kinder ermogeln sich ihren allerersten Schultag in der elitären Highschool durch gekonnten Trickbetrugdiebstahl eines Papageis, während die anderen Traveller den Kreis ihrer Suche nach den Riches und ihrer Bank immer enger ziehen. Die perfekt besetzte Perfekte-Familie-Serie mit völlig verdrehten Vorzeichen und quietschig-sozialkritischem, aber dabei überzeugendem Unterton.
http://www.fxnetworks.com/shows/originals/theriches/

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Elektronische Lebensaspekte.