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Text: johannes wilms aus De:Bug 30

/elektronische experimente Schreiben, Drucken, Klingen dotmatrix printer symphonie Nadeldruckern ist ein ähnliches Dasein beschert wie Schreibmaschinen; sie wandern auf Dach- und Hängeböden umher, landen im Müll oder auf dem Trödel. Wind und Regen, Kälte und Staub. Der Untergang eines Schreibgerätes, das aus keinem Bureau, kaum einem Haushalt wegzudenken war; und man erblickt nun eine Existenz am Rande, die freilich in Amtsstuben, in Kassen- und Schalterhallen noch auftauchen mag. Aber auch hier stehen Nadeldrucker nur für das anachronistische Prinzip: Die Anschauung einer vergangenen und vergehenden Zeit. Denn: Schreiben, wie jede Tätigkeit, erzeugt ein Geräusch. Ob im Klickern einer Tastatur, im kaum vernehmlichen Laut eines Griffels, der eine Wachsplatte graviert, im Schaben einer Feder über Papier oder im Betrieb eines Printers – immer ist mit dem Schreiben eine akustische Realität verbunden, die, nach Wörtern, Zeichen und Absätzen gegliedert, so rhythmisch werden kann wie Sprache selbst. Instrumente, musikalische Instrumente, haben, je nach Gehäuse, verwendetem Material, nach Antrieb und Ausmass, kurz: nach ihrer Bauart einen je spezifischen Klang; im Resonanzkörper eines Druckers wäre also ein erster Parameter gegeben, ein weiterer in der Geschwindigkeit von Papiereinzug (Tracker) und Wagen, ein dritter schliesslich in dem, was gedruckt werden soll. Die Partitur als herkömmliches Mittel, Klangfolgen zu fixieren und für eine Wiedergabe bereitzustellen, ist beschränkt; ohne Interpretation kommt sie nicht aus. Nur selten, etwa in J.S. Bachs Musikalischem Opfer, das keine Instrumentierung kennt, verweilt die musikalische Notation in der Sphäre ihrer Abstraktion. Sie ist gezeichnete Musik, in der weniger das Klangbild interessiert, als die mögliche Konstellation bedingt wählbarer Töne. Die Zeichnung selbst besteht zu nicht geringen Teilen aus Texten. B-A-C-H lautet die Vorgabe des Musikalischen Opfers. Eisler thematisiert in den Vierzehn Arten, den Regen zu beschreiben ArnoldD EsCHoEnBErG, und auch John C-A-G-E spielte gern mit seinem Namen. Von hier scheint der Schritt zu etwa: a(()a((a(()a(()a(() ……. …….a())a()), im ASCII-Code nicht weit. Verwandlung von Partitur in: MATRIX. “symphony no.1 for dot matrix printers” ist weniger komponiert als: geschrieben – und bei Staalplaat als 3″ cd verlegt. Sie kennt nicht mehr Interpretation im herkömmlichen Sinn – sie liegt vielmehr bei den Instrumenten selbst, den physikalischen Körpern der Drucker und ihrer Mechanik. Subjektivität ist in den Moment der Texteingabe gewandert. Warum es übrigens unsinnig ist, sie in Konzertmanier aufzuführen. Dann könnte man die Drucker auch schwarz anstreichen und mit weissen Bordüren versehen. Überhaupt liegt viel Missverständnis musikalischer Traditionen diesem Werk zugrunde: Die Idee von Symphonik als jener Karikatur, zu der die Karajans sie gemacht haben. Gleich zu Beginn etwa das maestoso, das tutti und natürlich auch noch unisono sein muss. Peinlichkeiten einer ansonsten sehr dankenswerten Arbeit.

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Elektronische Lebensaspekte.