Text: Anton/Ji-Hun aus De:Bug 129

Superstar USB
Der Jesus-Stecker

Der schlaue Kollege Kösch hat es schon 2004 gewusst: USB is the new Steckdose. Inzwischen hat sich die Prophezeiung, dass “asiatische Märkte zum Gewirr von USB-Kabelsalaten” werden, erfüllt. Aus dem trockenen Computer-Standard aus den Intel-Labors ist ein Jesus-Stecker geworden, der alle Bedürfnisse der Informationsgesellschaft zu befriedigen vermag. Der “Universal Serial Bus” liefert Strom und Daten, außerdem verbindet er tendenziell alle Gebrauchsgegenstände miteinander. Passend dazu wurden unlängst die Spezifikationen für die dritte USB-Generation veröffentlicht, die uns ab 2010 mit Datenübertragungs-Geschwindigkeiten von bis 4.8 GB/s erfreuen wird. USB 3.0 soll unter dem Spitznamen “Super Speed” vermarktet werden, was bei hartgesottenen Nerds auf Unmut stößt, weil die Geschwindigkeit im Vergleich zur aktuellen Version nur verzehnfacht wurde. Für den Durchschnittsnutzer sollte das Tempo unterdessen vollauf genügen. Gleichzeitig dürfte vielen Menschen mit USB 3.0 endgültig ein Licht aufgehen, denn das Update bringt vor allem eine verbesserte Stromübertragung. Und angesichts der Tatsache, dass ausgeschaltete Rechner langsam unvorstellbar sind, wird USB endgültig zur Steckdose. Besonders augenfällig ist der Zusammenhang in der klassischen Mobilitätstechnik, im Automobil. Hier wird sich der Zigarettenanzünder-USB-Adapter in kürzester Zeit zum unverzichtbaren Standard entwickeln, der dem Gadget-Zoo vom MP3-Player über das Handy bis zum Laptop unterwegs Strom spendet. Wir bevorzugen das schlichte Modell, Freunde des Schnickschnacks greifen beispielsweise zum “Coffee Cup Power Inverter”. Derzeit noch nicht wirklich relevant, aber zukünftig ebenfalls ein Standard, ist die Verteilung der dezentral erzeugten Energie mittels USB. Zum Beispiel Strom von der Solarzellenhandtasche, der natürlich via USB ins gierige Mobiltelefon gespeist wird. Aber bevor wir alle unsere eigenen Kraftwerke werden, erobert die USB-Steckdose erst einmal unsere Schreibtische, etwa mit der Kaffeetassenwärmeplatte in Herzform für liebeskranke Sekretärinnen oder der Lunchbox, die mitgebrachte Mahlzeiten per USB-Power auf heimelige 60 Grad aufwärmt. Echte Workaholics erfreuen sich am USB-Rasierapparat, mit dem sie jederzeit fürs wichtige Spontan-Meeting gerüstet sind (die Webcam gibt ja auch einen adäquaten Rasierspiegel), während digitale Eckensteher neben ihren Rechnern garantiert sinnfreie Spielzeuge wie das USB-Hamsterrad sammeln. Jenseits der Steckdosenfunktion signalisiert USB aber natürlich auch immer, dass ein Ding Daten enthält, egal wie banal es sonst scheinen mag. Und wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis alle Flaschenöffner, Feuerzeuge oder Weihnachtsbaumkugeln ohne digitalen Inhalt gar nicht mehr denkbar sind.

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Elektronische Lebensaspekte.