Die Geschichten in die Geschichte oder andersherum
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 126


Thomas Meinecke
Jungfrau
Suhrkamp Verlag

Schon bei Tomboy griffen die Bücher immer weiter in das Buch ein. Die Geschichten in die Geschichte oder andersherum. Bei “Jungfrau” wird das gelegentlich ununterscheidbar. Es wird gelesen, zitiert, rezitiert, die Fußnote krabbelt die Hose hoch wie ein kleines Kind und lässt sich einfach nicht abschütteln.

Christentum, Jazz und Film, die Uni, die tausend Blicke des Zitats, die die Protagonisten nutzen, oder von denen die Protagonisten genutzt werden, um einen Ort zu haben, an dem dieses Gemenge aus Geschichten stattfinden kann, fließen durch den Roman. Durch die Sätze, die Meinecke macht, findet das alles zusammen, tummelt sich in diesem eigenartigen Licht, das der Roman sein kann, durch die Sätze, gibt es Platz für Solos von Clemens Brentano, keine Brocken, sondern einen Fluss, in dem weder Lothar Lothar (sagen wir mal aufgrund seines Keuschheitsgelübdes der Mann des Romans), noch Mary Lou (nicht Williams) auf der Suche nach sich selbst wären (Schnarch), sondern sich gegenseitig zerbrochene Spiegel vorhalten.

Nicht weil sie kaputt wären, sondern das Licht sich darin so prinzipienlos bricht. Selbst wenn man ein eher virtuelles Verhältnis zum Christentum und seinen Randgebieten hat, wirft einen “Jungfrau” nicht unbedingt raus, auch wenn man sich tief reinknien, reinsetzen (es wird viel gesessen in diesem Roman, logischerweise auch auf Betten) muss. Nur manchmal würde man sich wünschen, dass der Blick nicht fast immer Maria gelten würde, und stellt sich die Frage, ob man dafür in einem anderen Roman sein müsste.
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