1970: Auftritt eines jungen Filmemachers, der einen unfreiwilligen Helden aus einem weißen Gefängnis ohne Mauern ausbrechen lässt, in ganz außergewöhnlichen Bildern, fremd wie ein Artefakt aus der Zukunft, und der sich damit eine blutige Nase holt. Sein Name: George Lucas. 2004: die DVD.
Text: Multipara aus De:Bug 87

Dystopie in grellweiß /
Der Debütfilm von George Lucas: THX 1138

Kaum ein DVD-Release wurde je so sehnsüchtig wie besorgt erwartet: THX 1138, George Lucas’ brillantes Debut von 1970, ein Klassiker der Science Fiction, eine beißende Parabel auf die amerikanische Gesellschaft, von Warner Brothers zwar finanziert, jedoch ob seiner sehr eigenständigen, antiklimatischen Erzählweise von Anfang an von ihnen unverstanden und abgeschrieben. Selten wurde THX 1138 gezeigt, nun kommt er endlich auf DVD – aber im Director’s Cut, digital nachbearbeitet, mit neuen CGI-generierten Szenen. Heftig wurde schon im Vorfeld des Releases am 14. September in Fan-Foren diskutiert: Leistet sich Lucas wieder einen “Greedo’s Shot”, eine Verzerrung der Originalgeschichte wie in Star Wars Episode vier (in der Han Solo im Original als kaltblütiger Mörder eingeführt wird, in der Neufassung jedoch in Notwehr handelt)?
Halb so schlimm, mit den neuen Szenen lässt sich leben. Vor allem sind jedoch Bild und Ton der Nachbearbeitung jetzt glasklar – Lucas hat seine Erzählung der Flucht aus einer ultrarigiden Gesellschaft nämlich wunderschön fotografiert, und Ko-Drehbuchautor Walter Murch hat sie mit einer bahnbrechenden Tonspur versehen, die sehr gern gesampelt wird. Auch die Special Features der DVD betonen das Sounddesign, vor allem gibt es ein Dutzend kleine Sessions, in denen Murch seine experimentelle Arbeit an bestimmten Szenen erläutert – von Düsenmotorrädern, die eigentlich schreiende Frauen sind, bis hin zu kleinen Entdeckungen in der Hallraumsimulation und der Psychoakustik. Der Fan braucht die Doppel-DVD-Version, die neben Trailern und Making Of (und einer bizarr anmutenden Doku übers Rasieren der Köpfe der Darsteller) den preisgekrönten Vorläuferkurzfilm bietet, den Lucas als Student Anfang 20 an der USC machte, sowie eine Doku über die dramatische Geschichte von American Zoetrope, der Firma, die Francis Ford Coppola praktisch extra zur Realisierung des Films seines Freundes gründete. Kurzum: hoch willkommener Release eines tollen Films. Mehrmals erwähnt Lucas (der übrigens kein Wort zu den neuen Szenen verliert), dass er bald zur experimentellen Arbeit im Stil von THX 1138 zurückkehren will. Das wäre zu schön – wir sind gespannt, ob er es kann.

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Elektronische Lebensaspekte.