The Classic Big Room Sound
Text: Constantin Koehncke aus De:Bug 124


Die Grafschaft Kent liegt im Süden von England. Es ist eine dieser typisch englischen Gegenden, voll von sattgrünen Wiesen, Adels-Anwesen und Land Rovern. Nicht umsonst bezeichnet man die Grafschaft als “Garten von England”, sieht es hier doch so aus, wie man sich England als pittoreske Postkartenromantik vorstellt: Eng gewundene Strassen führen übers Land bis an die Steilküste von Dover.

London ist zwar meist nur ein bis zwei Zugstunden entfernt, als junger Mensch scheint es dennoch unerreichbar. Das muss auch Tim Green spüren, der in diesem ländlichen Idyll seine Teenager-Jahre fristet. Die Jugendkultur lässt sich hier auf Pubs und Rock Clubs reduzieren, an den Schnellstraßen hängen höchstens Poster für Jungle- und Oldskoolnächte. Kein Techno weit und breit. Tim Green setzt sich daher zunächst mit Rock auseinander, hartem Instrumentalrock wie Joe Satriani, Toto oder Van Halen bis hin zu Angry-Rock von den Deftones oder Rage Against the Machine. In verschiedenen Bands spielt er Gitarre, sie covern Songs von Radiohead, Jimi Hendrix und den Smashing Pumpkins.

Was bisher nicht wie die Biografie eines Techno-Produzenten klingt, ändert sich drastisch, als Tim Green das erste Mal Daft Punk mehr überhört als hört. Von diesem Punkt an ist er fasziniert und will mehr von dieser Musik hören. Er zieht nach London und beginnt auszugehen, erst Drum and Bass, dann Breakbeat. Inspiriert von der Energie der Produktionen und der magnetischen Anziehungskraft der Clubs, beginnt Tim Green – unter dem Pseudonym TG – vor gerade einmal drei Jahren an eigenen Tracks zu basteln. Die Energie des Drum and Bass Raves oder wie Tim es nennt, “the classic big room sound”, wird zum konstanten Faktor, der in seiner Musik eine große Rolle spielen soll.

“Ich versuche meine eigene Musik zu machen, ohne dabei zu sehr nach schematischem Minimal-Techno zu klingen. Wenn ich an einem Track sitze, stelle ich mir zu allererst vor, wie diese Nummer laut klingen würde.“ Das genau ist die größte Stärke von Tim Greens Produktionen. Problemlos übersetzt er die dunkle Energie der Drum-and-Bass-Party in moderne minimale Techno-Strukturen, die ihn zu Labels wie Infant, Four:Twenty und schließlich Claude von Strokes Dirty Bird geführt haben. Nun ist das aber nicht die einzige Inspiration für Tim. “Ich fange jeden Track an, indem ich Drumloops programmiere. Ich war schon immer sehr fasziniert von Drummern wie Manu Katche, Vinnie Colaiuta oder Billy Cobham. Drums haben einfach eine besondere Kraft.“

Seine letzter Track Revox ist eine Nummer, die all das vereint: jede Menge Hall, dreckig, aber präzise hüpfende Beats und Breakdowns, wie sie im Drum and Bass zu finden sind.
Mit Tim Green hat England wieder einen wirklichen Newcomer in Sachen Minimal Techno. Wann die deutschen Labels auf ihn aufmerksam werden würden, war wohl nur eine Frage der Zeit. Im August kommt seine erste Single auf Trapez.
http://www.myspace.com/tg909

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Elektronische Lebensaspekte.