Ein neues Tool von Prosoniq verspricht seit neuestem absolut fehlerfreies Timestretching und Pitchshifting auf Softwarebasis, MPEX heisst der Killeralgorithmus, der die ruffen Artefakte aus HappyHardcore Zeiten vergessen machen soll. Obs klappt, weiss Benjamin Weiss
Text: benjamin weiss aus De:Bug 33

/musiktechnologie Timestretching & Pitchshifting de Luxe TimeFactory Einen ganzen Track schneller zu machen oder seine Tonhöhe zu ändern war bisher grossen Studios vorbehalten, denn auch Tools wie TimeBandit haben damit die grössten Probleme, was sich durch teilweise extreme Timingschwankungen und Ungenauigkeiten wie Echoeffekte und Artefakte manifestiert. Um dem abzuhelfen haben Prosoniq einen komplexen Algorithmus namens MPEX entwickelt, der wesentlich genauer arbeitet als die bisher bekannten. Die Entwicklungskosten sind aber anscheinend ohne Umweg auf den Konsumenten umgelegt worden, denn TimeFactory kostet sage und schreibe knapp 900 DM. Bedienung und Oberfläche Die Bedienung ist bei nur zwei Funktionen schnell erklärt. Unterstützt werden Audio Files in den Formaten AIFF, Wave und SoundDesigner II (nur Mac) mit Auflösungen von 8, 16 und 24 Bit bzw. 22.05, 44.1, 48 und 96 kHz Sample Rate. Split Stereo Files werden auch unterstützt. In einem Bearbeitungsfenster lässt sich zum Timestretchen die Geschwindigkeit / Länge des zu bearbeitenden Tracks in Sekunden, Prozent und BPM angeben. Eine automatische BPM-Erkennung gibt es nicht, ausserdem akzeptiert TimeFactory nur ganze BPM-Werte. Nachdem eingestellt wurde, um wieviel der Track verlangsamt oder verschnellert werden soll, muss nur noch der Algorithmus definiert werden: monophon, polyphon schnell, polyphon besser und schliesslich polyphon classic. Wenn das Ergebnis noch genauer sein soll, empfiehlt es sich zusätzlich noch den Transkriptionsmode zu aktivieren, der bei extremen Änderungen zusätzlich dafür sorgt, dass das Ergebnis weitestgehend dem Original entspricht. Zum Pitchshiften (Änderung der Tonhöhe bei gleichbleibender Geschwindigkeit) können Werte in der Bandbreite von – 24 bis + 24 Halbtönen und / oder – 100 bis + 100 Cents eingegeben werden. Zur Verbesserung des Ergebnisses kann noch eine Formantkorrektur zugeschaltet werden. Performance und Sound Der MPEX Algorithmus ist sehr komplex, deswegen kann das Timestretchen / Pitchshiften je nach gewählter Qualität bei fünf Minuten Tracklänge bis zu einer guten Stunde dauern. Die Ergebnisse sind aber in ihrer Qualität wirklich so gut wie gar nicht vom Original zu unterscheiden, wenn man sich beim Timestretchen im Bereich von +/- 25 Prozent bewegt (das sind bei 135 BPM zum Beispiel 169 bzw. 101 BPM!) oder beim Pitchshiften zwischen +5 und – 5 Halbtönen bleibt. Abhängig vom Audiomaterial kann man aber auch durchaus grössere Bandbreiten benutzen. Das hat mich vor allem beim Verlangsamen von Audiomaterial extrem erstaunt, da das mit zum komplexesten und störanfälligsten gehört, was man mit Audiodaten machen kann. TimeFactory ist definitiv das beste zur Zeit auf dem Markt befindliche Tool seiner Art auf Mac und PC, rechtfertigt seinen Preis von immerhin 900 DM meiner Ansicht nach aber nicht ganz. Anscheinend sind sich die Leute von Prosoniq sicher, daß sie mit TimeFactory eine Monopolstellung haben, anders kann ich mir den Preis von 900 DM für genau zwei Funktionen nicht erklären. *** – **** Systemvorraussetzungen Mac: PowerMac 603, second level cache, 16 MB RAM, Audio In/Out, System 8.0 PC: Pentium II mit mind. 266 MHz, Windows 95 oder 98 mit DirectX 5.0, 32 MB RAM, Audio In/Out.

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Elektronische Lebensaspekte.