Grotesker Reisebericht aus dem Inneren der Kunstblase
Text: Kito Nedo aus De:Bug 123


Tirdad Zolghadr
Softcore
KiWi

Es bleibt unklar, wann genau Leute im Westen damit begannen, statt Clubs Kunsträume und Galerien zu eröffnen. Es muss wohl irgendwann Ende der Neunziger, Anfang der Zweitausender gewesen sein. Genau zu diesem Zeitpunkt kehrt auch die Hauptfigur von Tirdad Zolghadrs Roman “Softcore“ aus dem Ausland in seine ehemalige Heimatstadt Teheran zurück, um in einer leer stehenden Innenstadt-Bar einen Ausstellungsraum mit Clubcharakter zu eröffnen.

Doch der Weg zum erfolgreichen Kultur-Sozial-Entrepreneur gestaltet sich schwierig. Ein spontaner Filmdreh in der Nähe des Revolutionsgerichts mit einer ehrgeizigen Videokünstlerin – die vor allem wegen ihrer Vorliebe für Farsi-Kalligraphie und symbolträchtige Motivwahl gewisse Ähnlichkeiten mit einer tatsächlich existierenden Person aufweist – bringt den ehemaligen Diaspora-Iraner in die Fänge des Geheimdienstes. Nach der Entlassung setzt sich der Zickzackkurs in Richtung der bevorstehenden Vernissage fort, nicht nur in der iranischen Hauptstadt, sondern auch in Hamburg oder Zürich.

Fazit: Der gut geschriebene und beobachtungsgesättigte Ego-Poproman ist zurück – diesmal als grotesker Reisebericht aus dem Inneren der Kunstblase. KiWi-Verächter stecken sich alternativ die 2007 bei Telegram, London erschienene Originalausgabe in die Jackentasche.

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