Compost musste extra das "Black Label" gründen, um für verschärfte Post-Disco eine Palttform zu schaffen. Nuphonic musste nur aus seiner Pleite eine Tugend machen, um als Tirk mit neuem Hipster-Übermut wieder aufzuerstehen.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 99


Wir haben’s drauf

Nuphonic war eine der großen englischen Label-Institutionen. Klassischer House mit Zwischentönen und Nuhouse-Entspanntheiten hatten hier ihren Platz, kein Progressive-Mainstream für die Playlists von Danny Rampling und Pete Tong, aber auch kein jazziges Verzetteln wie gerne mal bei Estereo oder People. Zum Schluss, gegen 2002, nahmen die Afro- und Jazzredundanzen auf Nuphonic allerdings gewaltig zu, aber da ging es dem Label eh schon finanziell an den Kragen. Im Nachhinein vielleicht ein Glücksfall, wenn man das Nachfolgelabel Tirk hört. Ballast ging über Bord, Tugenden wie ein waches Geschichtsbewusstsein und eine Risikobereitschaft für Liebhaberprojekte wurden übernommen – genauso wie Maurice Fulton als gern gesehener Produzent. Tirk könnte zu dem Label werden, das ganz unaufgeregt die Blüten des Post-Electroclash mit seinem offenen Funk zwischen Luftgitarren-Party und Distortion-House erntet. Sav, der Chefentscheider, gibt sich gelassen euphorisch:

Debug: Wie etwa auch Guidance Recordings tendierte Nuphonic immer mehr in eine Afro/Jazz-Richtung. Hat sich das als Sackgasse erwiesen?
Sav: Nicht wirklich … Es lag damals in der Luft, Einflüsse zu verarbeiten, die noch nicht ihren Weg auf den Dancefloor gefunden hatten. Allerdings erschöpfte sich das Label nicht in der Afro/Jazz-Ecke. Neben Ashley Beedle und Femi Kuti haben wir schwer gewagte Sachen wie Maurice Fultons Projekt Ladyvipb oder Justin Robertsons Album Revtone rausgebracht.
Was Tirk betrifft, soll man das Label nicht mit einer bestimmten Art von Musik verbinden, sondern mit einer bestimmten Qualität.

Ihr veröffentlicht die Re-Edits des legendären Hacienda-DJs Greg Wilson. Startet ihr damit eine Legenden-Serie?
Das brauchen wir nicht. Musikgeschichte steckt in uns drin, ist immer Teil unserer Veröffentlichungspolitik. Schon bei Nuphonic haben wir die Projekte ”The David Mancuso Loft” und ”Last night a DJ saved my life” verwirklicht. Greg spielte mir auf einer Party seine Edits vor … ich war hin und weg, das Zeug musste raus.

Ihr habt eine Best Of von Louie Austen im Programm. Wollt ihr verhindern, dass er nur für sein letztes Universal-Album in Erinnerung bleibt?
Haha, nein, das Universal-Album hat dabei keine Rolle gespielt. Er ist in England einfach nicht präsent und ich weiß, dass die Engländer ihn lieben werden. Er ist einer meiner Wunschkandidaten für eine Zusammenarbeit, ebenso wie Ashley Beadle oder Andrew Weatherall – und ganz vorneweg Carl Craig.

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Elektronische Lebensaspekte.