Tony Touch macht die bekanntesten Hiphop-Mixtapes überhaupt. Amerika hat er schon lange erobert, und seit Tape Nummer 40 verfolgt man ihn auch hier. Jetzt lässt er mit Hilfe von Mos Def, KRS, Gang Starr und De La Soul seine erste Platte bei Tommy Boy vom Stapel.
Text: Ekrem Aydin cream@wu-tal.de aus De:Bug 35

/hiphop/mixtapes The Taino Turntable Terrorist Tony Touch Mittlerweile ist Touch bei der Numerierung seiner Mixtapes bei 62 angelangt. Und er ist gefragter denn je. Denn der New Yorker mit den lateinamerikanischen Wurzeln hat ein einfaches Konzept. Schnappe dir die neusten Titel, am besten jene, die noch kein anderer hat, und mische sie zusammen. Seine Musik bietet also einen Überblick über zukünftige Erscheinungen, und das auf unterhaltsame Weise. Unterhaltsam, da Tony Touch so ab Nummer 30 seiner Tapereihe selbst das Mikrofon in die Hand nahm und seitdem mindestens einmal pro Tape zu hören ist. 1997 näherte sich Tony Touch langsam aber sicher Tape Nummer 50, und dafür verbreitete er, dass er 50 Rapper einladen wolle, um sie über verschiedene Beats darauf rappen zu lassen. Das Ganze sollte den Namen “50 MCs Power Cipha” tragen. Zwar hatte sein DJ-Partner Doo Wop diese Idee bereits 1995, doch da waren es nur 20 Minuten Freestyle gewesen. Diesmal sollte es über ein ganzes Tape gehen, und allein das Gerücht sorgte für Aufregung. Schliesslich war Tony Touch mittlerweile zu einem Star in New York avanciert und nicht nur dort. History Im Alter von knapp 14 Jahren kam der mittlerweile 30jährige DJ wie die meisten damals über Breakdance zum Hip Hop. Es ging es darum, die Bewegung zu erlernen und sie im Rhythmus zur Musik zu praktizieren. (Heute ist es leider fast nur noch so, dass ein Katalog von Bewegungen heruntergebetet wird, frei nach dem Motto: “Je spektakulärer, desto besser”. Keiner achtet mehr auf die Musik.) Tony Touch nahm erfolgreich an diversen Talentshows teil, doch als er “The Furious Five” hörte, wollte er nur noch rappen. Als er 1985 nach Florida zog, bekam er dort von seinem Freund Willie Wiz zwei Technics Plattenspieler und einen Mischer geliehen. Das waren jedoch Technics B-210 mit geraden Tonarmen statt der heute üblichen 1200 MK II. Er übte wie ein Geisteskranker und bekam kurze Zeit darauf einen Job auf einer Rollschuhlaufbahn. Als sich zum ersten Mal andere Leute als seine Freunde zu seiner Musik bewegten, hatte er seine neue Profession gefunden. Ende der Achtziger kam er zurück nach New York und fing an, seine Tape-Compilations zu verfeinern. Anfangs nahm er noch Tapes auf, um sie an Clubpromoter und andere wichtige Leute zu verteilen, doch nach und nach wollten alle seine Tapes. In Deutschland kennen ihn die meisten seiner Fans nur wegen seiner Hip Hop Mixe, doch neben dieser erfolgreichen Serie gibt es noch andere Sparten, die er zu versorgen weiss. Es gibt ebenso weit verbreitete Reggae, House, Latin-Hip Hop, R’n’B und Spanish Reggae Tapes von ihm. Doch Hip Hop stand und steht für Tony Touch immer an erster Stelle. Tape Vertrieb Als Ian McNee vom weltweit agierenden Tape-Kings-Vertrieb an ihn heran trat, war ihm der internationale Durchbruch so gut wie gesichert. Nun konnte er seine Mixtapes als Masterbänder zur Vervielfältigung weiterreichen. Hierzulande gab es seine Tapes erst regelmässig ab Nummer 40, doch das hat seinem Erfolg nicht geschadet. Allerdings ist es ebenso wie in Deutschland in den Staaten nicht gern gesehen, wenn Läden Mixtapes verkaufen, da sie rein rechtlich wie Compilations betrachtet werden. Und da es mit BMI und ASCAP auch in den Staaten so etwas wie IFPI und GEMA gibt, betont Tony Touch stets, dass er seine Tapes nur zu Promotionzwecken und nicht zum Geldverdienen macht… Lange bevor seine Tapes Deutschland erreichten, war Tony Touch hier gewesen. Er war der Tour-DJ von Gurus Jazzmatazz-Tour und hat dadurch ganz Deutschland bereist. Mittlerweile ist Deutschland aufgrund der Häufigkeit seiner Besuche beinahe zu seiner zweiten Heimat geworden. Seit er auf der Jazzmatazz-Tour die Ehre hatte, mit Jazzgrössen wie Roy Ayers und Lou Donaldson im Tourbus zu sitzen, ist er Guru auf ewig dankbar. Die beiden verbindet eine enge Freundschaft, und so stand es ausser Frage, dass eben Guru und DJ Premier, besser bekannt als Gang Starr, den Titelsong “Piece Maker” zum gleichnamigen Tony Touch Album, das im April erscheinen wird, geschrieben haben. Business Die Promotion nimmt er, ebenso wie sein Label Tommy Boy, sehr ernst. Schliesslich ist er Ehemann und Vater von drei Kindern. Die will er versorgt wissen. Mit dem Album im Rücken sollte es dann auch kein Problem sein. Darauf gaben sich D.I.T.C., KRS, Mos Def & De La Soul, Kool G. Rap, der gerade verstorbene Big Pun und unzählige weitere Künstler gegenseitig die (Studio-)Klinke in die Hand. Neben Tony Touch selbst produzierten dafür Agallar, DJ Muggs (Cypress Hill/ Soul Assassins), DJ Premier und Alchemist, der derzeit wiederum als einer der heissesten Underground-Produzenten in den Staaten gehandelt wird. Die Idee zum Album “The Piece Maker”ist Tony Touch während seines dritten “Power Cipha”-Tapes gekommen. Die ersten beiden waren bereits jeweils zum “Freestyle-Mixtape Of The Year” gekürt worden, doch es waren nur Tapes. Zu der Zeit hatten Funkmaster Flex und DJ Clue gerade ihre auf Mixtapekonzepten basierenden Alben heraus gebracht. Beide haben damit Platin in den Verkaufszahlen erreicht. “Das kann ich auch!” sagte sich Tony Touch. So ging er mit seiner Idee zu Tommy Boy. Die offiziell erste weltweite Veröffentlichung (das Gang Starr Stück wird es nur als Promo geben) wird “Total” sein. Es ist die einzige Nummer, die völlig aus dem restlichen Rahmen des Albums heraus fällt und dazu führen könnte, dass Tony Touch und seine Musik falsch verstanden werden könnten, doch die Gefahr sieht er nicht. “Meine Reputation im Hip Hop ist gross genug”, sagt er und hängt noch dran, dass die erste Single natürlich eine Art Kompromiss sei, mit dem man versucht, auch das Publikum jenseits des Hip Hop zu erreichen. ”The Piece Maker” von Tony Touch erschien Mitte April auf Tommy Boy/east west http://www.tommyboy.com http://www.eastwest.de

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Elektronische Lebensaspekte.