KORE ist angetreten, die Nachteile von Audiosoftware in der intuitiven Bedienung gegenüber Hardware wettzumachen und dem Wust von PlugIns und Presets mittels Datenbank Herr zu werden.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 103

Übersicht
KORE ist die Kombination eines dezidierten Hardwarecontrollers mit integrierter Soundkarte und Midi-Interface und einer Software, die es einerseits erlaubt, eigene Setups und Kombinationen von VST- und Audio-Unit Effekten und -Instrumenten zu erstellen und andererseits komfortabel zu verwalten.

Hardware
Im gebürsteteten Alugehäuse präsentiert sich die kombinierte Controller-Soundkarte recht solide. Auf der linken Seite befindet sich ein Satz von acht berührungsempfindlichen Endlosdrehreglern und acht Buttons, die je nach aufgerufener Page verschiedene Parameter ansteuern und in einem angenehmen Abstand voneinander platziert wurden. Diese Parameter und ihre Werte werden daneben in einem grafikfähigen roten Display angezeigt, das bei Bedarf auch hintergrundbeleuchtet werden kann. Unter dem Display gibt es vier Navigationstasten, darunter dann die drei Transporttasten Stop, Play und Record. Über dem Display findet sich ein Input- und Output-Regler für die integrierte Soundkarte sowie einen für den Kopfhörer und den Knopf für die Hintergrundbeleuchtung. Diese drei sind mir zu nahe beieinander, allerdings braucht man sie glücklicherweise auch nicht so oft wie die Endlosdrehregler. Rechts daneben schließlich ein Jog Shuttle und sechs weitere Navigationstasten. Anschlüsse gibt es folgende: Stereo In und Out und Kopfhöreranschluss als Klinke sowie SPDIF Out für die Soundkarte, je zwei Anschlüsse für Footswitches und einen für ein Expression Pedal. Dazu kommt noch je ein Midi In und Out sowie den USB 2.0 Anschluss, über den KORE mit dem Computer verbunden wird.

Browser
Ähnlich wie bei Garage Band lassen sich Sounds, Instrumente, Effekte und Kombinationen daraus über einen Browser mit Begriffen wie “analog”, “dark”, “acoustic” und so weiter suchen, wobei natürlich auch mehrere Tags genutzt werden können. Die Kategorisierung für sämtliche Native Instruments Plugs ist bereits vorhanden, Fremd-PlugIns und eigene Tags für die NI Plugs kann man aber nachträglich hinzufügen und zum Beispiel mit den Namen der Tracks versehen, bei denen man sie benutzt hat.

Konzept
Grundsätzlich gibt es zwei Modi, in denen man KORE nutzen kann: Stand Alone und als PlugIn.

Einsatz Stand Alone
Im Stand-Alone-Modus fungiert KORE als selbständiger VST- und Audio-Unit- Host: So kann man sich seine bevorzugten Instrumente und Effekte zu einer so genannten Performance zusammenstellen, die (fast) alles bietet, was eine DAW so hat: Mixer mit Effekten, Mapping Editor, alles natürlich über den Controller mit seinen Tasten und Drehreglern fernsteuerbar. Auch der nahtlose Wechsel zwischen diversen Presets und Instrumenten funktioniert dank der guten Integration des Controllers prima. Einen eigenen Sequenzer hat die Stand-Alone-Variante allerdings nicht; es lassen sich ausschließlich vorgefertigte Midifiles in die Slots für die Instrumente laden, was ein bisschen schade ist, aber vielleicht ja auch per Softwareupdate noch behoben wird!?

Einsatz als PlugIn
Im PlugIn-Einsatz lässt sich KORE in jeden Sequenzer einladen, der VST, RTAS oder Audio Units unterstützt. Interessanterweise hat KORE dabei eine Zusatzfunktion, auf die man unter OS X schon lange gewartet hat: Es kann sowohl Audio Units als auch VST und RTAS in allen Hosts benutzen, ist also nebenbei zusätzlich noch Audio-Unit-RTAS- und VST-Wrapper.

Performance & Bedienung
Die Bedienung des Hardware-Controllers in Verbindung mit der durchdachten Software schafft das, was man mit “normalen” Midi-Controllern erst mühsam selbst zusammenstellen muss: schnelle und auch komfortable Bedienung von PlugIns jeglicher Art mit Knöpfen und Buttons. Zwar ist die automatische Zuweisung von Fremd-PlugIns aufgrund ihrer Automationslisten nicht immer sinnvoll (zum Beispiel die Zuordnung von On/Off Parametern auf Drehregler), bei Bedarf kann man sie jedoch schnell und einfach anpassen. Auch die Performance unter KORE ist erfreulich, ein PlugIn unter KORE verbraucht nur unwesentlich mehr Performance als das gleiche ohne KORE.
Kritik verdient dagegen die Entscheidung von Native Instruments, dass KORE Plugin und Stand Alone immer den angeschlossenen Controller brauchen, um zu funktionieren.
Insgesamt ist KORE aber ein wichtiger Schritt hin zur deutlich verbesserten, intuitiveren Bedienung von Audiosoftware, wobei der Preis letztlich, wenn er zunächst auch hoch erscheint, angesichts der Funktionalität angemessen ist.

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Elektronische Lebensaspekte.