Der ehemalige Officeboy von Ed Rushs Label “Virus” hat den Drum and Bass im kanadischen Wald vergraben und freut sich am Techno. Mit Mathew Jonson macht er das Wagonrepair-Label.
Text: Sven von Thülen aus De:Bug 93

Tracks aus dem Wald
Konrad Black

Deine Tracks haben immer dieses Darke, leicht Klaustrophobische, das viele Drum-and-Bass-Tracks von früher ausgezeichnet hat …

Konrad Black: Auf jeden Fall. Bis vor ein paar Jahren habe ich nur Drum and Bass und HipHop gehört. Ich habe sogar ein paar Drum-and-Bass-Platten auf Formation und 5HQ veröffentlicht.

Als Konrad Black? Echt?

Konrad Black: Ja. Es gab da doch zum Beispiel mal diese Serie ”The World of Drum and Bass“ auf Formation … der Kanada-Track ist von mir. Die Sounds von damals sind nach wie vor ein großer Einfluss für mich. Ich glaube, diese spezielle, manchmal auch bedrückende Intensität von Drum and Bass wird man meinen Tracks immer anhören.

Wie und wann bist du zu Techno gekommen?

Konrad Black: Das muss 1999 gewesen sein. Zu der Zeit habe ich in London gelebt und für Optical und Ed Rush im Büro ihres Labels Virus gearbeitet. Kurz bevor ich nach London gezogen bin, hörte ich zum ersten Mal Maurizio und eine Platte von Peter F. Spieß auf Klang. Diese Tracks haben mich einfach weggeblasen. Ich hatte keine Ahnung, dass es so was gibt. Hier in Vancouver läuft fast ausschließlich klassischer Westcoast-House. Manchmal auch ein bisschen Chicago-House, aber das hat mich nie interessiert. In der Zeit fing Drum and Bass an mich zu langweilen und Minimal-Techno kam wie ein Paukenschlag. Rückblickend ist das schon lustig gewesen: Da arbeite ich für einen meiner absoluten Lieblingsproduzenten, Optical, und produziere selbst Techno. Wir haben damals immer Sounds untereinander getauscht. Er benutzte Sounds von mir für seine Drum-and-Bass-Tracks und ich seine Sounds für meine ersten Techno-Versuche. Ich hab ein paar Mal versucht, ihn davon zu überzeugen, es mit ein bisschen Minimal-Techno zu probieren, aber er war nie so richtig daran interessiert. Optical kommt ja eigentlich vom Techno, von daher war das für ihn glaube ich einfach ein zu alter Hut.

Hörst du manchmal noch Drum and Bass?

Konrad Black: Das letzte Mal, als ich mir im Plattenladen ein paar Sachen angehört habe, war ich richtig erschrocken, dass die Tracks nur noch als Wall of Sound funktionieren. Danach habe ich mir noch mal Photeks erstes Album angehört. Es ist verrückt, wie viel Raum in seiner Musik ist. Darum geht es mir auch: Platz in der Musik. Es steckt so viel Selbstvertrauen in diesen Tracks von Photek. Da taumelt dann ein einziger Sound für dreißig Sekunden durch ein Reverb, ohne dass etwas anderes passiert. Es gibt nicht mehr viele Leute, die das Selbstvertrauen haben, ihre Tracks so offen zu produzieren und nicht mit immer neuen Soundschichten um Aufmerksamkeit zu buhlen. Auch nicht in der Techno-Szene. Ich ertappe mich selber immer wieder dabei, wie ich meine Tracks mit Sounds zukleistere und ich sie dann nachträglich wieder entrümpeln muss.

Was passiert sonst so in Vancouver?

Konrad Black: Es gibt so viele talentierte Leute hier. Zum Beispiel Phil Western. Von ihm hab ich so ziemlich alles gelernt, was ich kann. Er hat früher mit Trent Reznor und Skinny Puppy zusammengearbeitet. Eigentlich lerne ich immer noch von ihm. Wir werden bald eine gemeinsame Platte veröffentlichen. Und die Vocals auf meiner nächsten EP für Wagon Repair sind von Ghostman. Auch ein sehr talentierter Typ hier aus Vancouver.

Zu wie vielen macht ihr Wagon Repair?

Konrad Black. Wir sind zu viert: Mathew Jonson, Graham Boothby, der auch The Leaf Label macht, Loosechange und ich. Die Idee, ein Label zu starten, hatten wir eigentlich schon vor einer ganzen Weile. Aber als die entspannten Westcoast-Typen, die wir sind, haben wir einfach ein bisschen gebraucht, um richtig loszulegen. Jetzt liegt unser Fokus voll auf Wagon Repair.

Von wem stammt eigentlich das Cover deiner neusten EP?

Konrad Black: Das Cover ist von mir. Gefällt es dir? Ich entwickle für meine EPs gerade eine Serie mit der Frau auf dem Cover als Hauptcharakter. Sie sieht ein bisschen aus wie eine Hexe vom Mond. Das sind wohl meine Psychedelic-Einflüsse (lacht).

Für die Credits auf der Platte sind dann wahrscheinlich auch deine Psychedelic-Einflüsse verantwortlich. Ich zitiere: ”Vocals on Draconia courtesy of the little gnomes and cloaked machine elves that play around in the woods near the studio.“

Konrad Black: (lacht) In und um Vancouver gibt es eine Menge Wald. Wenn man hier nachts durch die Wälder zieht, kann es vorkommen, dass man seltsame Dinge und Wesen zu sehen bekommt. Nachts allein im Studio kann es schon mal gruselig werden. Und manchmal kann man kleine getarnte Maschinen-Elfen sehen und sich von ihnen Tipps zum Produzieren holen.

Sie greifen dir unter die Arme.

Konrad Black: (lacht) Ja, genau. Sie helfen mit Vocals aus und sagen mir, wenn etwas scheiße klingt und nicht funktioniert. Sie sind meine Kritiker. Die Elfen sind meine erste Kritik-Instanz. Wenn ich mit einem Track fertig bin, gehe ich mit meinem iPod und ein paar Boxen in den Wald und spiele ihn den Elfen vor. Sie haben einen ganz eigenen Tanz, wenn sie etwas mögen. Ich kann dir allerdings keine Details verraten. Es ist ein Geheimnis und sie bleiben sowieso lieber für sich. Ich habe ein spezielles Verhältnis zu ihnen entwickelt, seit ich vor anderthalb Jahren in mein neues Studio gezogen bin und sie zum ersten Mal getroffen habe. Deswegen muss ich meine Cover auch selber gestalten. Normalerweise kommt das ganze Artwork von Frank, Mathews Frau, aber ich muss die Geschichte der Maschinen-Elfen erzählen, und mit der ist sie nicht so vertraut. Jede neue EP wird ein weiteres Kapitel ihres mysteriösen Lebens erzählen. Wie gesagt, es wird eine fortlaufende Serie …

Hört sich irgendwie nach Pink Floyd und Art Rock an.

Ich bin ein großer Pink-Floyd-Fan. Was denkst du. Ich vermisse diese konzeptuelle Unterfütterung in Techno, wo es meist primär um kurzlebiges DJ-Futter im 12“-Format geht. Ein in sich funktionierendes Konzept-Album wie ”The dark side of th moon“ zu produzieren, finde ich beeindruckend. (lacht) I am taking it back to the psychedelic sixties and seventies. But Techno-style.

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Elektronische Lebensaspekte.