Nein, nicht die Technics auf den Müll schmeißen, aber das Mixen im Rechner wird immer mehr zu einer ernst zu nehmenden Alternative. Traktor war da immer vorne dabei. Jetzt ist es mit Final Scratch verschmolzen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 91

Integration!
Traktor DJ Studio 2.6

Eine der wichtigsten Neuerungen für alle, die die parallele Entwicklung von Final Scratch (das zuletzt ja FS Traktor hieß) und Traktor DJ Studio verfolgt haben, dürfte wohl sein, dass beide Systeme jetzt zusammenarbeiten. D.h. man kann Traktor DJ Studio jetzt über das gewohnte Vinyl-Interface steuern, und das allein dürfte wohl schon reichen, um die neue Version zu rechtfertigen. Zumindest dann, wenn man clever genug war (nötiges Investitionsvolumen vorausgesetzt) auf FinalScratch2 zu wechseln. Möglich ist das durch den Skipless-Modus von FS2, so dass selbst die automatische Synchronisation von Traktor benutzt werden kann, die Angleichung der Tonhöhe selbstverständlich auch, der interne Mixer, das Springen zu Cue-Punkten und Loop-Parts sowie die Benutzung der neuen Loop Playlist mit den Loop Grooves auf dem FS Vinyl.

Wer noch nie mit einer Software wie Traktor zu tun hatte, wird zunächst auf seinen (es geht zwar mit 1024×768 Pixelrealestate, aber ein wenig eng wird es schon) Bildschirm blicken und denken: Das versteh’ ich nie. Nach fünf Minuten rumprobieren (und ein wenig Glück und Konzentration auf die Sync-Taste, oder für ganz Faule: Autoplay) dürfte allerdings jeder glücklich sein, seine erste digitale Beatmatching-Erfahrung gemacht zu haben. Erschütternd. Aber erst dann beginnt der wirkliche Spaß. Traktor DJ Studio hat einiges an Funktionen, die mir – ich weiß gar nicht mehr, was die letzte Version war, die mir untergekommen ist – wieder mal vor Augen halten, dass Vinyl nicht unbedingt das letzte Wort ist (vor allem wenn man es trotzdem benutzen kann). Traktor 2.6 unterstützt neben MP3- und WAV/AIFF-Files jetzt auch AAC, FLAC, OGG und WMA, lässt einen direkt und in OGG ins Netz streamen, selbstredend auch über einen Icecast-Server. Man kann eigene Mixe jetzt nicht nur als NativeMix-Datei aufnehmen, sondern direkt als Audiofile (bislang nur WAV), und wer noch irgendeine Funktion findet, die nicht midifizierbar ist (bis hin zum externen Triggern des Tempos mit Traktor als Midi-Slave), der soll mir die mal zeigen.
Eine der weiteren Neuerungen in dieser Version ist die – für jeden, der gerne weiß, was er getan hat – History-Funktionen in der Playlist. Man kann sich jederzeit ansehen, was man wann gespielt hat (nur Vorgehörtes lässt sich ausblenden) und kann Playlisten auch gleich ausdrucken oder einfach nur exportieren. Etwas für jeden, der seine Mixe gerne zu CDs macht, was bei der Software allerdings – vor allem am Anfang – nicht unbedingt vorauszusetzen ist. Denn zunächst wird man erst mal wieder, wie immer, wenn man Traktor eine Weile lang nicht gesehen hat, zum Loop Addict und schwört nach ein paar Stunden Traktor: Das Einzige, was an diesem Software-Paket irgendwie nicht den hohen Erwartungen entspricht, die man an die traditionsreichste und regelmäßig innovativste DJ-Software stellt, ist das Handbuch … das zerfleddert einfach sofort.

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Elektronische Lebensaspekte.