Rundum erneuert präsentiert sich die neue Version von Traktor. Mehr Kanäle, Mischpult-Emulationen und Beatport-Integration. Sascha Kösch ist begeistert und legt jetzt viel trackiger auf.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 99

Musiktechnik

Trackig und rund
Traktor DJ-Studio 3

Man ist schon immer wieder überrascht, dass Traktor sich mit jeder neuen Versionsnummer doch noch so stark wandeln kann. Nicht nur die Oberfläche ist komplett redesignt, sondern auch die Funktionen so weit erweitert, dass man die neue Nummer mehr als versteht, stellenweise sogar überrascht ist, was noch alles geht und wie sehr digitales Auflegen vom Rechner mittlerweile ein Prozess ist, der ebenso einfach (die Sync-Methode scheint mir bei Traktor 3 noch mal um einiges raffinierter zu sein) wie unerwartet vielseitig ist.
Es war schon immer so, dass Traktor einen mit seinen Cue-Punkten und Loops dazu verleitet hat, anders aufzulegen, als man es mit Schallplatten tun würde. Trackiger eben. Jetzt kommt endlich ein Feature hinzu, dass sich diejenigen, die Traktor fast schon als Produktionstool handeln, wohl schon lange gewünscht haben. Vier DJ-Decks. Klar, wer da noch den Überblick behält, muss schon etwas mehr wollen als einen feinen Übergang, und genau hier setzt die Effektsektion von Traktor ein.
Delay, Reverb, Flanger, Filter mit LFO-Einstellungen und Beatmasher (neuerdings ein beliebtes Feature und für Loopfreaks ziemlich praktisch, wenn auch etwas unberechenbar), alles natürlich automatisch aufs Mastertempo zugeschnitten und dennoch weitestgehend editierbar. Und die Effekte lassen sich nicht nur als Master nutzen, sondern auch mit externen Mischpulten. Die Wellenformen der einzelnen Tracks sind längst nicht mehr nur eine schnelle Übersicht, sondern eine Oberfläche, auf der man jederzeit mit der Mouse ansetzen kann, um jede Stelle des Tracks zu erreichen, ohne die Beats dabei zu verlieren. Kombiniert man das mit nicht nur einem guten MIDI-Setup und den Beatjump-Funktionen, den Loops und Effekten, gibt es wenig Gründe, die einen noch von Traktor losreißen können.
Eins der wohl von vielen erwarteten und auch erstaunlich gut und übersichtlicher denn je eingesetzten Features ist die Allen&Heath-Xone:92-Mixer-Emulation, die Traktor die charakteristische Soundqualität gibt, wenn man sich mal in den zwei Mittenreglern verirren möchte, glücklicherweise aber gibt es gleichzeitig auch noch drei andere Equalizer-Einstellungen, u.a. – was mir mehr liegt – eine NUO-4-Emulation und sogar, für die, die es nicht lassen können, eine P600- oder die klassische Einstellung.
Da sich Beatport ja mittlerweile zu einem der Standards für digitales Einkaufen entwickelt hat, wird es wohl wenige stören, dass der Shop jetzt komplett in Traktor integriert ist, mich persönlich berührt das allerdings weniger als die generell slicke Erneuerung des Interfaces mit so einfachen, aber überzeugenden Menus zum Switchen der Layouts oder die kleinen Plus- und Minus-Buttons neben jedem Drehregler sowie die rundum erweiterten Einstellungmöglichkeiten und Tooltipfeatures, die einem den Übergang zur neuen Version extrem erleichtern.
Alles in allem eine überraschend gelungene Version, die die verlässliche Größe Traktor an genau den Stellen erweitert, die man sich gewünscht hatte, aber dennoch nicht so radikal überarbeitet, dass man sich nicht zurechtfinden würde. Der nächste kleine, aber feine Schritt weg vom klassischen DJ-Setup ist Traktor 3 durchaus gelungen. Und jetzt sagt mir mal jemand, wie ich dieses lila B da wegbekomme.

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Elektronische Lebensaspekte.