Trapez war nie ein ganz normales Label. Geboren 2000, stand es immer für ein Label, das etwas entdecken will. Sich nicht zufrieden gibt mit dem Sound, der den Dancefloor beherrscht, sondern etwas mehr wagen möchte.
Text: Sascha aus De:Bug 136

Trapez_potrait

Nicht wenige hatten auf Trapez ihr Debüt-Release. Oliver Hacke, Jorge Gebauhr, Burnski, Sarah Goldfarb, Patrice Bäumel, Marek Bois, 3 Channels, Jakob Hilden, Roland M. Dill. Die Liste der Acts, die mit ihrem Trapez-Release ihren Durchbruch hatten, ist noch einiges länger. Trapez entstand im Zeitalter der digitalen Beschleunigung. Der Dancefloor war nicht mehr der Ort, an dem die Wächter des Analogen ihre Synthsounds zum maximalen Kick auffrischten, sondern der Raum, an dem plötzlich alles ging.

Als einer der ersten schoss Akufen auf Trapez diesseits des Atlantiks weit über das Ziel hinaus und legte neue Regeln fest. Zerbrochenes, Material, Geräusche, Sounds, die so fragil sind, dass sie einen neuen Funk entwickeln. Für mich war Trapez immer schon das Chicago Kölns. Bis hin zum Labeldesign. Nicht klassisch, sondern reduziert, minimal hätte man sagen können, aber einfach immer frisch. Ein Label, das keine Stars braucht, sondern Tracks. Tools mit dem gewissen Etwas, Tools, die wirklich Werkzeuge sind, und als Werkzeuge eine neue Welt erfinden.

Und spätestens als ein Jahr später die Ltd. Serie herauskam, war klar, dieser Weg ist nicht nur ein Moment, ein kurzer Blick auf eine Plattenproduktion und Hitfabrik, die zur Raserei geworden ist, sondern der Wahnsinn ist Methode. Anonymität war wieder wer. Platten müssen etwas Geheimnisvolles haben dürfen. Plötzlich war die Ltd. Serie nicht nur ein Outlet für noch schnelleres Rausbringen von Platten, sondern eine neue Methode, mit der Zeit mithalten zu können.

Trapez

Die Methode kam aus Köln und fand von dort ihren Weg in die Welt. Köln war Riley Reinhold immer schon wichtig, aber anders wichtig als dem Kompakt-Komplex drumherum. Es war nicht der Blick auf eine Stadt und ihre Kultur, sondern die Suche nach den neuen Wegen, den neuen Acts, der Zukunft. Trapez 100 ist kein Rückblick auf die Labelgeschichte, auch wenn einige unveröffentlichte Perlen und Remixe von Hits wie “Der Vampir Von Düsseldorf” oder “Fox In The Box” auftauchen, sondern ein kurzer Blick auf die vielen Seiten dieses beweglichen, schillernden Funkmonsters namens Trapez.

Und fast mehr noch als die CD oder die Vinylauskopplungen feiert das der Remix von Roland M. Dill, der 65 Tracks aus Einzelspuren zu einem neuen Monster zusammensetzt. Denn das ist Trapez. Ein Ort, an dem Unwahrscheinliches zusammenkommt, neue Konstellationen gesucht werden, und der Dancefloor immer wieder aufs neue weiter getrieben wird.

Trapez, 100, ist bei Kompakt erschienen, zusammen mit der ersten Vinylauskopplung.
http://www.traumschallplatten.de

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