Trina Robbins gehört zu den Pionieren der Underground Comix. Seit 1966. Das ist gut so. Denn ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, aber auch in der Comicindustrie sind dies vor allem Bilder, die Jungs unterhalten sollen. Doch Trina gehört zu denjenigen, die an Alternativen arbeiten.
Text: regina möller aus De:Bug 47

From Girls to Grrrlz
Die Comiczeichnerin Trina Robbins

Comics waren Jungssache. Waren. Menschen wie Trina Robbins haben das geändert. Seit 1966 mischt sie den amerikanischen Comicmarkt auf, arbeitet an eigenen Serien wie “Meet Misty” oder “California Girls” und setzt sich für die Arbeiten anderer Künstlerinnen ein. Trotz vieler Widerstände findet sie immer wieder Mittel und Wege, dem stereotypen Comic-Dasein eine weitere Perspektive hinzuzufügen. Beispielsweise mit Barbie-Comics über Magersucht. Neben ihren eigenen Arbeiten hat sie mehrere Bücher über die feministische Geschichte des Comic veröffentlicht, wie z.B. “A Century of Women Cartoonists” 1993 und “From Girls to Grrrlz” 1999, für das sie ein Jahr später auf der Book Expo America mit dem “Firecracker”-Preis ausgezeichnet wurde. Regina Möller interviewte sie.

De:Bug: Du bist als Comic-Künstlerin und Autorin sehr bekannt. Was interessiert dich an dem Medium Comic, wie bist du damit aufgewachsen und was für ein Potenzial hat das Comic?

Trina: Laut dem bekannten Sprichwort sagt ein Bild so viel wie tausend Worte, aber es ist die Kombination von Wörtern und Bildern, die das Comic als ultimative Kommunikationsmethode auszeichnet. Viele Leute glauben, dass Sex das Wichtigste im Leben ist. Ich glaube hingegen, es ist Kommunikation. Comics haben ein unglaubliches Potenzial, das aber leider kaum wahrgenommen wird.

De:Bug: Deine Zeichnungen sind von klaren, harten Linien gekennzeichnet. Wie wichtig ist der Stil für deine Arbeit?

Trina: Ich möchte, dass Bilder leicht anzusehen und sofort verständlich sind. Ich mag nicht hart daran arbeiten müssen, mir etwas ansehen zu können. Um wirklich kommunizieren zu wollen, muss man die BetrachterInnen und LeserInnen einladen können. Es gibt zu viele Comiczeichnungen, die mir auf den Augen weh tun, und ich mag sie mir gar nicht weiter ansehen, um etwas von ihnen zu erfahren.

De:Bug: Es interessiert mich, dass du hartnäckig neue Anker für Comic-Künstlerinnen und Schriftstellerinnen wie auch für Leserinnen auswirfst, um sich nicht von der kommerziellen und männlich dominierten Comic-Industrie mit ihren Stereotypen zementieren zu lassen. 1994 warst du an der Gründung von “Friends of Lulu” beteiligt und hast 1999 zusammen mit Anne Timmons “GoGirl!” begonnen. Wie siehst du die heutige Situation des Feminismus im Unterschied zu den vorausgegangenen Jahren?

Trina: Die großen Comicverleger bekennen sich nur halbherzig zu dem Anliegen, Comics für Frauen zugänglich zu machen. Wenn du dir in einem Comic-Heft von Marvel oder DC die Anzeigen ansiehst, erkennst du sehr schnell das Zielpublikum. Ich glaube, dass die Großverleger sich hartnäckig von Mädchen und Frauen distanzieren wollen. Sie versuchen nach wie vor männliche Leser anzuziehen: kinky Sex – sicher – Lesben, nein, niemals – Gott vergib! Die unabhängig publizierten Comics sind bei weitem offener für Cartoonistinnen und für frauen-freundliche Comics. Und die Indies sind auch der Platz, an dem man mit Liebe zur Arbeit produziert. Es gibt dort jedoch absolut kein Geld zu verdienen. Und damit sind wir wieder beim alten Lied: gleiche Arbeit, weniger Lohn. Mit anderen Worten, es hat sich wirklich wenig verändert. Aber wenn die Berliner Mauer fallen konnte, dann kann auch die Glaswand im amerikanischen Comic fallen.

De:Bug: Die Comicindustrie hat große wirtschaftliche Probleme und scheint durch das japanische Manga beeinflusst zu werden. Als Resultat sind Indie-Comics kaum noch in Comicläden zu finden. Siehst du darin eine Chance oder vielleicht sogar eine Herausforderung, speziell für Frauen neue Distributionswege aufzudecken und Informationen zu verbreiten?

Trina: Ja, um unabhängige Comics in einen weiteren Umlauf zu bekommen, muss die Comicindustrie andere Distributionswege finden. Ich werde von Zeit zu Zeit darauf hingewiesen, das nicht zu sagen, da ich mir meine eigene Kehle damit durchschneide. Aber die Comic-Einzelhändler sind meine Feinde. Sie sind die Feinde aller, die keine Superhero-Comics für stupide Jungs produzieren. Im Moment hat der Diamond-Vertrieb das Vertriebsmonopol auf dem amerikanischen Markt. Der Einzelhandel bestellt von deren Katalog. Falls ein Buch nur irgendwie den Eindruck erweckt, dass es nicht an den Mann gebracht werden kann, wird es ganz einfach nicht bestellt. Und damit stirbt ein gutes Comic, bevor es überhaupt geboren wurde, da niemand die Chance hatte, es auch nur in die Finger zu bekommen. Natürlich argumentieren die Einzelhändler so, dass Frauen und Mädchen gar nicht erst in ihr Geschäft gehen – Warum sollten sie, wenn es für sie dort nichts zu kaufen gibt. Unser größtes Problem mit GoGirl ist, dass unsere Leserinnen es nirgendwo finden können!

De:Bug: Als Antwort auf die männlichen Stereotypen habt ihr das Wimmins Comix Collecitve gegründet. Es war ein großer Schritt, der die Macht der Sprache im Comic verdeutlichte. Warum wurde es 1992 eingestellt und was könnte ihre Zukunft sein?

Trina: Ich befürchte, dass die Zeit von Wimmins Comix einfach ausgelaufen war. Obwohl man glaubte, erst tot sein zu müssen, um wieder auferstehen zu können. Unser Problem war wieder einmal, wie eben schon erwähnt, der Vertrieb und die Herausgeber. Zuerst wurde es von Last Gasp herausgegeben und hat sich dann ganz gut auf dem Underground Comic Markt behauptet. Aber Ron Turner, der Besitzer des Verlages Last Gasp, ist ein Liberaler, er glaubt, dass alles publiziert werden müsse. Und so fanden wir uns in seinem Katalog neben Büchern wie “Horny Biker Sluts”. Also haben wir einen feministischen Akt unternommen und sind zu Deni Loubert gegangen – damals einzige Frauenverlegerin von Indies. Nur war sie nicht die beste Geschäftsfrau, und ihre Firma ging bankrott. Daraufhin sind wir zu Ripoff gegangen, wahrscheinlich einer der letzten übriggebliebenen Underground Comic-Herausgeber. Sie schienen von vornherein einen Niedergang zu erwarten und haben unsere Bücher auf billigstem Papier und in sehr niedrigen Auflagen gedruckt. Ab da waren die meisten von uns schon müde und deprimiert. Wir entschieden, dass wir einfach weiterkommen mussten. Es ist sehr schade, denn es gibt keine andere Anthologie wie Wimmin’s, die für alle weiblichen Comic-Künstler zugänglich war, egal welchen Alters, welcher sexuellen Orientierung sie angehörten oder welche FreundInnen sie hatten – sie mussten einfach nur gut sein!

De:Bug: Du organisierst gerade deine erste institutionelle Ausstellung in Deutschland im Künstlerhaus Stuttgart. Zeigst du dort deine Arbeiten oder Arbeiten von anderen Comic Künstlerinnen?

Trina: Ich werde Originale von Comics für Mädchen und Frauen aus den 40er Jahren zeigen. Die Ausstellung basiert auf meinem Buch “From Girls to Grrrlz”, eine Geschichte des Comics für und von Mädchen und Frauen. Natürlich sind auch meine eigenen Arbeiten dabei. Die meisten der frühen Comics aus den 40er und 50er Jahren sind von Männern. Darunter ist eine absolut schön gezeichnete Liebes-Comic-Serie von 1949, das die hysterische Moral verbreitet: Egal was du tust, das wahre Glück erhält man nur mit dem richtigen Mann und als Hausfrau und Mutter – die typische Mitteilung aus dieser Zeit der Comics. Ab den späten 60er Jahren gibt es Comics von Frauen, angefangen von psychedelischen bis hin zu feministisch-politischen Comics. Die letzte Sektion der Ausstellung stellt zeitgenössische junge Frauen vor, meistens von Indies veröffentlicht, die das Wort Girl wieder aufgreifen – die Postfeministinnen oder 3.Bewegung der Feministinnen. Und natürlich zeigen wir auch andere Comicbücher, damit die Besucher den Kontext besser verstehen können.

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Elektronische Lebensaspekte.