Daft Punk wirkten immer wie ein Teil von Tron - jetzt haben sie den Score fürs Sequel produziert
Text: Michael Döringer aus De:Bug 149

Daft Punk Tron Legacy

Darauf scheint die Welt gewartet zu haben. Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter machen den Sound zum Tron-Sequel. Nun gibt es noch vor dem Film die Platte und die Meinungen gehen auseinander. Wir fragen uns: Wieso eigentlich?

Es liegt auf der Hand: Die entscheidende Qualität eines Scores beruht auf dem Zusammenspiel von Bild und Ton. Was natürlich heißt, dass ein Score auf Platte immer nur ein unvollständiges Bild von dem liefert, um was es den Produzenten bei ihrer Arbeit ging. Und das gilt auch für Daft Punk, die mit “Tron Legacy” das gängige Konzept eines komponierten Soundtracks bewusst durchgezogen haben. Es handelt sich hier eben nicht um ihre nächste Dance-Platte, sondern fast ausschließlich um orchestrale Instrumentalmusik mit überbordendem Bläser- und Streicheranteil, so wie es sich spätestens seit Hans Zimmer für waschechte Blockbustervertonungen gehört.

Ihren Stempel haben die Franzosen dem Werk allerdings trotzdem aufgedrückt: Elektronisches Knistern, 8-Bit-Bleeps und 303-Basslines tauchen vom ersten bis zum letzten der 22 Tracks regelmäßig auf, und wie zu erwarten klingt vieles nach einer spacigen Moroder-Version. Zur Freude aller unverbesserlichen Daft-Punk-Jünger verstecken sich sogar ein paar 4/4-Bassdrum-Bretter zwischen den Waldhörnern und Violinen, darunter die brachiale Trailer-Single „Derezzed“.

Daft Punk und Disney, darf das sein?
Obwohl der gefällige Ohrwurm-Rave von Daft Punks Spätwerk maßgeblich für den damals neuen Techno-Chic Marke Ed Banger verantwortlich war, der nach und nach „Elektro“ zum neuen Mainstream-Ding werden ließ, stutzte man zunächst und wollte polarisieren: Daft Punk und Disney, darf das sein? Man möchte wissen, wie das alles gekommen ist und was sich hinter verschlossenen Studiotüren abgespielt hat, doch die zwei scheuen Roboter machen sich wie gewohnt rar.

Statt dessen weiß Mitchell Leib, seines Zeichens President Of Music bei Disney und Executive Producer des Soundtracks, von seinem L.A.-Office aus Nettes Dinge über die Zusammenarbeit zu erzählen. Zum Beispiel, dass die Frenchmen nicht so ohne weiteres zum Komponieren bewegt werden konnten: “Normalerweise läuft das so: Ich nehme des Telefon, rufe jemanden an und sage dieser Person, dass wir sie als Filmmusikkomponisten engagieren wollen, worauf sofort ein ‘Ja, gerne’ kommt. Daft Punk sind eine andere Sorte Künstler, sie denken sehr viel über ihre Entscheidungen nach. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis sie eingewilligt haben.”

Daft Punk 2

Regisseur und Daft Punk-Fan: Joe Kasinski
Nach langem Vorspiel konnte man sich also doch einigen, wohl auch, weil man bei Disney laut Leib nie an eine andere Lösung gedacht hat und Daft Punk stets allererste Wahl waren, gar die logische Konsequenz: „Unser Regisseur Joe Kasinski ist ein großer Daft-Punk-Fan, und wenn man an ihre Shows denkt, ihre beleuchteten Outfits und die Helme, dann wirken sie schon immer wie ein Teil von Tron.

Der erste Tron-Film hat Daft Punk 1982 ja sehr inspiriert, da die beiden sich immer an der vordersten Technologie-Front bewegt haben.“ Für dieses besondere Joint Venture habe man zugunsten der Starproduzenten auf die traditionelle Arbeitsweise verzichtet, die im Normalfall so ausgesehen hätte: Ein Film wird abgedreht und in der Post-Produktion mit Scores aus anderen Filmen unterlegt, um ihn daraufhin ausführlich zu testen.

Gesunde Portion Selbstbeweihräucherung
Den stellenweise bombastisch aufgeblasenen Hollywood-Sound könnte man Daft Punk im Vergleich zum elektronischen Schweinerock der letzten Alben schon fast als Understatement anrechnen, wäre es nicht irgendwo dasselbe in grün. Objektiv betrachtet macht die ganze Angelegenheit durchaus Sinn: Daft Punk, Disney, Donnersound.

Mitchell Leib lässt trotz angenehmer Offenheit stellenweise etwas kulturindustriellen Größenwahn durchblitzen und bleibt einer gesunden Portion Selbstbeweihräucherung nicht schuldig, Majorbusiness eben. Und Daft Punk sind in ihrem Bereich schon längst in denselben Sphären angelangt. Ein bisschen Stil möchte man sich schon wahren, die eigene Marke dabei aber bitte zum höchsten Preis verkaufen.

Das Duo hat seine musikalische Relevanz auch irgendwie aufgebraucht und steht für eher unliebsame Größenverhältnisse und Überpräsenz. Das alles ist nicht erst seit gestern so, es wäre also falsch, mit diesem Soundtrack einen derartigen Schnitt ausmachen zu wollen, der in Wahrheit schon vor Jahren stattgefunden hat. Damit würde man sich nämlich auch zu Unrecht die Lust an einem schicken Film nehmen, der keinen besseren Score haben könnte. That’s entertainment!

Daft Punk, Tron Legacy, ist auf EMI erschienen.

http://www.emi.de
http://www.daftalive.com

3 Responses

  1. Jacob Richter

    Wenn man schon mit Kulturindustrie anfängt, dann sollte auch der Rest des Artikels ein gewisses sprachliches Restniveau besitzen. Erst ein wenig rumkritisieren und im letzten Satz noch Werbung für EMI machen. Ein wenig mehr Anstrengung hätte hier sicherlich gut getan.