Tronik 100 aus Essen werfen ihre Ruhrpott Drum And Bass Monster über den Umweg des englischen Königreichs auf die Plattenteller dieser Welt. Und rennen damit in London offene Türen ein. Kein Wunder. Dollis Hill ist mindestens so dreckig wie das Ruhgebiet. Brüder gibt es überall.
Text: heiko lüken aus De:Bug 57

Mehr geben als Rocky

Das mit Tronik 100 ist auch ein bisschen so eine “Einfach-so-Geschichte”: Tronik 100 heißen einfach so, weil das so schön nach alten kaputten Computern, aber auch einfach so gut klingt und die alten Detroit Helden auch immer solche Namen haben. Wenn man schon gute Musik macht und weil das ja mit dem Drum and Bass in Deutschland nicht so ganz einfach ist, geht man zur Mutterinsel des Ganzen und findet dort gleich ein paar Labels, auf denen man veröffentlichen könnte. Tronik 100 haben da mal ein paar Demos hingeschickt und das hat einfach so geklappt.

RUHRPOTT ROCKS

Christian Jeukens und Mike Ruesche haben vor ein paar Jahren gemeinsam mit der Produktion von House und Techno-12″s begonnen, unter anderem für Djax-Up Beats. Das Interesse an den gebrochenen Beats hat bei den beiden aber immer mehr zugenommen, und so haben sie langsam begonnen, Drum and Bass zu produzieren. “Das hat ziemlich lange gedauert. Bei Drum and Bass konnte man keinen Menschen fragen, wie das eigentlich funktioniert. Hier gibt es halt keinen, der für unseren Geschmack guten Drum and Bass produziert. Also haben wir irgendwie probiert, das selbst auf die Kette zu kriegen. War zwischendurch ein bisschen frustrierend, aber irgendwann Mitte letzten Jahres haben wir uns gedacht, dass man die Produktionen mal nach England schicken könnte”, erzählt Chris. Dort finden die Tracks durchweg Anklang bei ihren Adressaten: Clayton von der Trouble On Vinyl Familie meldet sich als erster auf die Stücke “Step to This” und “Deep Love”, die inzwischen auch auf Renegade erschienen sind. Aber auch von Hospital Records, 4 Hero und Creative Source gab es durchweg positive Resonanz, weshalb es in nächster Zukunft auch auf diesen Labels etwas von Tronik 100 zu hören geben wird.

IMMER WIEDER ENGLAND

“Und dann ging alles recht schnell”, erzählt Chris weiter. “Die Leute haben plötzlich gefragt, wer wir denn sind. Die ‘Step to This’ war ja auch so ein kleiner Hit. Das ging alles von Null auf Hundert im letzten halben Jahr. Aus Deutschland ist relativ wenig Resonanz gekommen. Wir werden hier halt so gesehen, als würden wir mit der deutschen Szene wirklich gar nichts zu tun haben, außer bei Techno, da haben wir halt öfter mal aufgelegt. Deswegen meinen die Leute jetzt, das sei so eine Art Taktik von uns, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Wir haben gar nichts forciert. Wir haben nur die ganze Zeit Musik gemacht, das dann weggeschickt und jetzt ist das plötzlich so dick geworden.” Nachdem Fabio und Grooverider Drum and Bass aus Deutschland ein gutes Feature im Radio verpasst haben, die Step to This in verschiedenen Magazinen als Platte des Monats geglänzt hat und Kooperationen mit den englischen Labels ins Haus stehen, freuen sich die Jungs aus Essen über ihren schnellen Erfolg. “Für uns ist das jetzt natürlich auch eine kleine Freude, dass wir uns jetzt von allen Labels, die wir früher so in der Tasche hatten, eigene Platten an die Wand hängen können. Wir sind ja auch eher Fans. Und wir haben schließlich auch immer die Distanz zu England. Dann macht man das als Fan und mit Begeisterung und macht dann auch einen eigenständigen Sound.” Und der kann seine Techno-, French House- und Old School Detroit-Einflüsse kaum verleugnen. Außerdem hören sich die Stücke von Tronik 100 ob ihrer kurzen Produktionsbekanntschaft mit dem Breakbeat sehr auf den Punkt an, was Chris mit einem Rocky-like-Motto begründen kann: “Wir haben alles gegeben. Die nächsten Platten werden noch wesentlich phatter. Wir haben keinen Schrott rausgebracht. Wir haben auch kein besonderes Equipment. Wir nehmen einfach unseren alten Synthesizer und samplen ab, was wir auch beim Techno benutzt hätten.” Einfach so. Eine kleine Erfolgsgeschichte aus Deutschland. “Und dann auch noch im Ruhrgebiet, ganz wichtig. Unbedingt dazu schreiben. Aus dem dreckigen Ruhrgebiet.”

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.