Krautdisco ausm Schuhkarton
Text: Mats Almegard aus De:Bug 110


Sie reden von Krautrock, jammen sich aber Disco zusammen. San Franciscos Kunstszene liebt sie.

Vier Jahre ist es her seit Tussles erstem Release “Eye Contact“. Inzwischen ist die Band zu einem hervorragenden Liveact avanciert, vielleicht einfach, weil das Publikum mitspielen kann. Mit dem Labelwechsel nach Norwegen kommt jetzt auch das zweite Album “Telescope Mind“. Der Einfluss von deutschen Krautrockern wie Can, Neu und Kraftwerk ist weiter nicht zu verheimlichen … das war auch schon beim Debut so, nicht nur weil es “Kling Klang“ hieß, benannt nach dem berühmten Studio von Kraftwerk.

”Kraftwerk mögen wir, weil sie als Hippies anfingen und nach und nach Roboter geworden sind. Wir sind irgendwo dazwischen”, meint Schlagzeuger Jonathan Holland.

Mit einem besseren, volleren Sound und mehr Härte in den krautigen Beats ist “Telescope Mind“ die richtige Wahl, wenn empfindliche Indiekids und schwarzbekleidete Galeriebesitzer raven wollen. Die ehemaligen Kunststudenten haben viele Fans gerade in der heimatlichen Kunstszene von San Fransisco.

Holland: Diese Szene sieht aber nicht mehr so aus wie früher. Viele sind in der letzten Zeit weggezogen. Aber ich denke, Goethe hat gesagt: ‘Leben ist kurz, Kunst ist lang.’ Also kommen und gehen Künstler, Trends und alles bewegt sich in Zyklen und ich bin mir sicher, dass die Kunstszene in San Fransisco weiterhin interessant bleiben wird. In dem Sinne sind wir auch eine ‘Art Band’, denn wir versuchen, uns ins Universelle zu schleichen.

Warum veröffentlicht ihr das Album auf dem norwegischen Label Smalltown Supersound?

Holland: Unser ehemaliger Bassist und Drummer Alexis veranstaltete Konzerte hier in SF. Einmal sind Kim und Joakim von Smalltown Supersound hierher gekommen, um live aufzutreten. Dann ging es relativ schnell, wir sind alle Freunde geworden, und da wir das Label irre gut finden, wollten wir ein Album dort veröffentlichen. Die beiden kümmern sich auch auf ”europäische” Weise. Das bedeutet so viel mehr als bei den Labelmanagern hier in den Staaten, die sich gar nicht kümmern.

Das Album habt ihr aber in San Fransisco aufgenommen?

Holland: Das ging alles sehr schnell. Wir waren eine Woche im Studio. Das war gerade nach unserer USA-Tour. Die Bandmitglieder haben Schicht gearbeitet … nicht weil es schneller gehen sollte, sondern einfach, weil das Studio zu klein war, um vier Personen zu fassen, ein Schuhkarton. Wir konnten nicht alle gleichzeitig dort sitzen. Zu zweit war es ok. Warren Huguel und Alexis Georgopoulos haben ihre Sachen zuerst gemacht. Also Beats. Danach habe ich mehr Beats gemacht! Dann haben ich und Nathan Burazer mit Loops und allerlei Synthiesounds gebastelt. Ein Album so zu machen, hat Spaß gemacht! Der Prozess wurde viel einfacher und wir haben nicht so viel diskutiert. Das kam irgendwie so einfach.

Und jetzt habt ihr schon aufgehört, diese Tracks live zu spielen?

Holland: Wir wollen frisch bleiben. Seit Telescope Mind ist erstens Alexis nicht mehr in der Band. Und außerdem haben wir die Lieder mehrere Jahre live gespielt. Wir müssen uns halt vorwärts bewegen, sonst hat’s keinen Sinn und macht auch keinen Spaß. Ein Lied von Kling Klang ist eigentlich die Ausnahme, sonst spielen wir meistens neue Tracks.
http://www.myspace.com/tusslers

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.