25, Life on Mars, Greys Anatomy, Bones und Twin Peaks
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 111


Die Oscar-Verleihung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Serien längst ans Kino als Ort der filmischen Erneuerung aufgeschlossen haben. Auch auf DVD kommen sie gut:

25 – Staffel 5 (20th Century Fox)
Eine der herausragenden Momente der fünften Staffel des immer wieder grandios schnelllebigen Dramas rings um Jack Bauers Versuche, mit allerhand illegalen Mitteln an die bösen Terroristen heranzukommen, dürfte definitiv Präsident Logan gewesen sein. Sympathieträger ist etwas anderes. Aber kaum ein Präsident der Vereinigten Filmstaaten hatte in der Filmgeschichte wohl etwas so schmierig Unangenehmes, zog aber dabei so viel Mitgefühl auf sich. Fast die gesamte Staffel über ist das persönliche Drama in ihm und um ihn herum (seine Gattin vollbringt vollgedröhnt, klarsichtig, zwiespältig wohl eine der besten schauspielerischen Leistungen des gesamten Casts) einer der Hauptplots (Terroristen fangen? Die schönste Nebensache der Welt). Und der zahlt sich aus. Denn nicht nur wenn man Woche für Woche die nächste unwahrscheinliche Wendung eines Präsidenten verfolgt, der schlichtweg immer überforderter, dämonischer, unwirklicher wird, ist das dort entwickelte Drama packend, sondern gerade wenn man – und ich vermute, jeder dürfte die Staffel innerhalb von höchstens 48 Stunden verschlungen haben – dran bleibt, sind die windigen Wendungen des immer mehr zu einem Hund verwandelten Präsidenten eine Meisterleistung.

Life On Mars (Mpuls Intainment)
Britische Serien haben auf DVD den großen Vorteil, dass man der Übersetzung entgehen kann. Life On Mars in der deutschen Version ist nämlich fast schon ein Trauerspiel. Irgendwie bieten sich offensichtlich die englischen Dialekte (noch dazu wenn es wie hier um Manchester geht) überhaupt nicht an, ins Deutsche transportiert zu werden. Und ohne die verruchten, brachialen, dichten Sprüche des Slangs, der obendrein noch durch die Handlung in den 70ern mit einer Sprache spielt, die schon fast ausgestorben ist, verlieren solche Serien mindestens 70% ihres Witzes. Sam Tyler, moderner Ermittler, versinkt durch einen Autounfall in der Steinzeit der Kriminalistik und stößt dort nicht nur mit seinem methodischen Vorgehen auf völliges Unverständnis, sondern versucht nebenher noch den Fall, mit dem er in seiner wirklichen Zeit beschäftig war, zu lösen und gleichzeitig auch noch aus dem Koma zu erwachen. Ein skurriles Spiel zwischen BBC-Testbild (ja, es gab mal Testbilder) als Heimsuchung und Ariadnefaden durch die solipsistische Psyche und der Erkenntnis, dass auch das falsche Leben irgendwie richtig gelebt werden will. Wie in England üblich hat die hier vorliegende erste Staffel nur acht Folgen, die aber sind bis hin zur Musik, den Klamotten und den Eigenheiten der Polizeiarbeit im Manchester während der Glamrockphase grandios.

Greys Anatomy – Staffel 2 (Buena Vista)
Der zweite Teil der zweiten Staffel von Grey’s Anatomy gehört für mich persönlich zum emotionalsten Moment des Mainstreamfernsehens des letzten Jahres. Von den Frühchen bis hin zu Dannys Tod ist die Serie eine Gefühlsdusche, der man – kann man sich auf Ärzteserien generell einlassen – einfach nicht mehr entkommt. Und in Folge und im Originalton gesehen wird auch noch deutlicher, warum diese Serie nicht nur so immens erfolgreich ist, dass diverseste Sprüche mittlerweile ins amerikanische Alltagsleben gefunden haben, sondern auch wie gut Shonda Rhimes alle Klischees des Jungmedizinerlebens bedient, sie aber auch spannend und mit unschlagbarem Witz neu verschachtelt. Kaum eine andere Serie hat die Entwicklung so vieler Charaktere in einer so guten Mischform zwischen Procedural, fortlaufender Story, Drama und Comedy so gut im Griff. Allein Chandra Wilson (der Nazi) und Sandra Oh sorgen schon dafür, dass es nicht zu gefühlsduselig zwischenmenschlich bleibt. Und das sympathisch unmenschliche Arbeitsethos, das jedes neue noch blutigere Gemetzel als willkommene Operationsmöglichkeit sieht, hilft dabei auch. In der englischen Version (die deutsche Synchronisation versagt letztendlich nur bei wenigen Charakteren) wird auch deutlich, warum Grey’s Anatomy als Popmaschine in den USA so gut funktioniert, denn die extrem wichtigen und vielen Songs können hier stellenweise ganze Handlungsstränge übernehmen. Die Kommentare von u.a. Shonda Rhimes geben zusätzlich einen feinen Blick hinter die Kulissen.

Bones – Season 1 (20th Century Fox)
Letztendlich klingt sowohl die Grundidee wie auch die Charaktere der Serie wie von der Stange. Forensische Anthropologin und ihr Team lösen zusammen mit einem FBI-Agenten Fälle, meist anhand irgendwelcher Knochenreste. Zack ist das Genie in der Posse, Bones (Emily Deschanel) die schräge Soziopathin, etc. Mit der deutschen Version konnte ich mich – aufgrund der Nähe zu CSI oder selbst Crossing Jordan – nie wirklich anfreunden, im Original aber, und das ist der Grund, warum das DVD-Release Spaß macht, ist allein die Stimme von Bones im Zusammenspiel mit Booth (David Boreanaz) so grandios unterkühlt, tief und trocken, dass das Zusammenspiel der beiden einen Humor entwickelt, der einen locker durch die 22 Fälle bringt und einen mit Spannung verfolgen lässt, wie die beiden sich auf völlig verschrobene Weise näher kommen. Auch die gelegentlich eingestreuten größeren Handlungsstränge (das Verschwinden der Eltern von Bones) entwickeln über die erste Staffel eine sehr gute Eigendynamik, die in der zweiten dann erst richtig auflebt. Nicht das ganz große Serientheater, aber definitiv die beste und charmanteste Variante der zahllosen Serien, in denen es um Wissenschaft und Verbrechen geht.

Twin Peaks – 2 Staffel (Paramount)
Twin Peaks dürfte wohl als der Startschuss einer Begeisterung für Serien gelten, die viele dazu geführt hat, heute zu denken, dass Fernsehserien das neue Kino sind. Eine so verschachtelte, eigentümliche, spannend inszenierte und unheimlich abseitige Serie hatte es damals (das Ganze ist mittlerweile mehr als 16 Jahre her) nicht gegeben. Selbst notorische TV-Hasser waren damals zu den Zeiten, als es lief, einfach nicht mehr von der Kiste wegzubekommen, denn auf skurrile Weise erschien einem damals der Cast von Twin Peaks näher am eigenen Leben als alles andere im Fernsehen. Und so begann mit Twin Peaks auch der Moment, in dem sich TV-Serien von reiner, schneller Unterhaltung zu einem Medium erweitern konnten, in dem Standards auch für andere Formen der Geschichtserzählung gesetzt werden konnten. Und auch nach all dieser Zeit ist Twin Peaks dank Dreamteam David Lynch und Mark Frost und der guten Sammlung an Regisseuren einfach nicht gealtert, weshalb es auch Sinn macht, die zweite Staffel (kommt in zwei Boxen à drei DVDs) endlich doch noch rauszubringen. In den Staaten war man da übrigens nicht mal schneller, denn es gab sehr eigentümliche rechtliche Probleme.

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Elektronische Lebensaspekte.