Zum 10 Mal trafen sich Designer und Typographen auf der Fachkonferenz Typo in Berlin. “Change“ war das diesjährige Thema im Haus der Kulturen der Welt. Neben internationalen Design Stars wie Neville Brody, englisches Enfant Terrible der 80er und 90er Jahre, waren auch andere Referenten z.B. aus der Wissenschaft eingeladen.
Text: Vicky Tiegelkamp aus De:Bug 94

TYPO BERLIN 2005 // Design im Wandel

Das Jubiläum nahm Typographen-Maestro und Moderator Erik Spiekermann zum Anlass, dem Publikum mitzuteilen, dass dies seine letzte Veranstaltung sein wird. “Nach zehn Jahren möchte ich nicht, dass man mich im Sarg von der Bühne trägt“, so Spiekermann im gewohnt schnodderigen Ton. Der italienische Designer und Typograph Alessio Leonardi wird ab dem nächsten Jahr die Moderation übernehmen.
Wie auch in anderen Branchen müssen Designer heute wandlungsfähig sein, um auch wirtschaftlich schwächere Jahre zu überleben. Es ging bei der Typo jedoch nicht nur um wirtschaftliche Effizienz, sondern auch um Wandlungsfähigkeit im kreativen Prozess. Der englische Designer Neville Brody, von der Agentur Research Studios, ging sogar so weit, eine politische Haltung bei der Arbeit von Designern einzufordern. Seit 9/11 seien die Menschen in ihren eigenen Ängsten gefangen – die Welt traumatisiert. Brody predigte, der alleinige Glaube an den Konsum und das Produkt würde schwinden. Es setze eine Art Leere und Desinteresse gegenüber den Produktwelten ein. Er behauptete zudem: “Die nächste Generation von Revolutionären ist noch weit weg.“ Deswegen müsse man wieder etwas wagen und auch im Design risikobereit sein. Leider kann Brody in seinen Arbeiten diese Forderungen nicht einlösen – diese sind zwar stilsicher, jedoch bestimmt nicht revolutionär.

Typisch für die Typo: nicht alle Redner sind Designer. So wunderte es nicht, als Louis Rossetto, DER Digerati der 90er und Zeitungsgründer von Wired, die Bühne betrat. Rossetto, ganz San-Francisco-90ies-Style mit dunklen Anzug und weißen Turnschuhen, erzählte von seinen persönlichen Erfahrungen der legendären Zeitungsgründung: ”Wir hatten kein Geld, nur eine Idee und wollten Menschen davon überzeugen, dass es eine Zeitung für ein digitales Zeitalter geben muss.“ Rosetto erzählte von seiner turbulenten Reise, dem Wandel vom gehypten Megastar bis hin zum Verkauf an Condé Nast Magazines: “Hier auf der Typo ist mein erster öffentlicher Auftritt seit dieser Zeit. Die Erfahrungen waren schmerzhaft und es dauert einfach, diese turbulente Zeit in der Rückschau bewerten zu können.“

Zu den ungewöhnlicheren Gästen gehörte Designer Saki Mafundikwa mit seinem Vortrag über Afrikanische Alphabete, die er seit zwanzig Jahren erforscht. Diese Schriftsysteme galten jahrelang als verschollen, da sie während der Kolonialisierung verboten und vernichtet wurden. Mafundikwa hat zwölf Jahre in New York als Designer gearbeitet und ist 1997 mit seiner Familie nach Harare, Simbabwe zurückgekehrt. Dort gründete er vor sieben Jahren, ohne finanzielle Mittel, die erste Designschule seines Heimatlandes – das Zimbabwe Institute of Vigital Arts (ZIVA). Die Schule startete mit sechs Studenten, heute bewerben sich mehr Schüler als angenommen werden können. “Ich hätte mir keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können nach Simbabwe zurückzukehren. Es war sehr schwer, die Grundvoraussetzungen für eine Schule zu erfüllen. Aber wir haben es einigermaßen geschafft. Es gibt heute einen zweijährigen Studiengang und wir unterrichten unsere Studenten in den Fächern Design Geschichte, Typographie, Webdesign, 3D-und Motion Graphic Design. Und ja – wir sind nicht politisch. Nur so lässt man uns auch in Ruhe.“

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Elektronische Lebensaspekte.