Der Traum vom eigenen Label scheitert oft bereits beim Anruf im Presswerk: Je kleiner die Auflage, desto höher die Preise und schlechter der Service. Agenturen wie Handle With Care springen hier in die Bresche und kümmern sich um die komplette Produktionsabwicklung.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 101

Zip von Perlon ist Schuld. Jahre ist es her, 1998, als Silke Maurer gemeinsam mit ihm im Auto saß und darüber nachdachte, einen Herstellungs-Service für kleine Labels anzubieten. Gelernt hatte sie dieses Geschäft bei Neuton. Erste Kalkulationen waren ernüchternd: Um ungefähr 1.500 DM im Monat zu verdienen, mussten rund 30.000 Maxis hergestellt werden. Für Kunden, die es noch gar nicht gab. 2005 wurden im Auftrag von HWC knapp 2 Millionen Schallplatten gepresst, für Labels auf der ganzen Welt, betreut von 12 Mitarbeiterinnen. Egal ob 10.000 CDs oder 300 7″s, bei HWC kommen auch kleine Labels in den Genuss von guten Herstellungspreisen; die Großaufträge machen das möglich: “Wir legen unsere Preise, die auf großem Press-Volumen beruhen, auf die Kunden um, auf alle.”

Was sind die Standard-Sätze, die du zu hören bekommst, wenn ein Label zu HWC wechselt oder ganz frisch anfängt?

Wenn es um Label-Neugründungen geht, sind die Leute oft überfordert mit den ganzen Schritten, die man bei der Herstellung von Platten bedenken muss. Die Angebote, die wir dann rausschicken, überzeugen die meisten. Bei Labels, die es schon länger gibt, werden wir einfach empfohlen. Hier arbeiten Menschen, die sich kümmern und nicht Punkt 17 Uhr nach Hause gehen. Wir fragen auch nie nach einem Business-Plan des Labels und nach zu erwartenden Herstellungszahlen. Das ist im direkten Kontakt mit Presswerken schon anders. Vinylherstellung ist so ein fragiles Geschäft, da muss alles stimmen. Ich glaube, da ist es wichtig, dass man einen Rundum-Service bietet, gerade für kleine Labels, denen einfach noch die Erfahrung fehlt.

In den letzten Jahren war immer wieder zu hören, dass der Tonträgermarkt eingebrochen ist. Bekommt ihr das auch zu spüren? Wie ist die Stimmung bei den Labels?

Bei den kleinen Labels ist das gar nicht so. Da sind die Bestellungen konstant, steigen sogar. Die großen Labels sind vorsichtiger geworden. Die haben sich früher Unmengen Stock ins Lager gestellt, weil sie wussten, dass der sich über die Jahre schon verkaufen würde. Jetzt wird in viel kleineren Mengen bestellt. Generell ist aber gerade Vinyl immer noch ein sehr gutes Geschäft. Hängt aber vielleicht auch damit zusammen, dass, wenn in einem Land ein Presswerk schließt, sich die Labels nach neuen Partnern umschauen müssen. Da hat man dann in einer Woche 20 Anfragen auf dem Tisch, wo es immer um Mini-Auflagen in luxuriöser Ausstattung geht. Wir schreiben dann zurück und warnen die Labels, weil sie offenbar nie ihre Kosten kalkuliert haben. Generell glaube ich, dass die Presswerke mehr unter dieser Krise zu leiden haben, weil ihnen viele Großaufträge weggebrochen sind. Die suchen sich jetzt neue Nischen, Hörbücher zum Beispiel.

Vom reinen Vinyl-Geschäft hat sich HWC schon lange zum Universal-Dienstleister entwickelt. Welches Produkt wird bei euch am meisten nachgefragt?

Immer noch die klassische 12″ im Lochcover. Dann kommen schönere Verpackungen, dann die 7″ und erst dann die CD, lustigerweise in der teureren Digipak-Variante.

Tonträger-Herstellung ist prädestiniert für Fehler. Mastering. Grafik, Pressung. Ihr seid hier ein Puffer zwischen Label und Presswerk. Wie schwierig ist es, bei Reklamationen zu vermitteln?

Naja, letztendlich sind wir hier ja auch nur Staubsaugerverkäufer. Wir bieten ein Produkt und wenn das kaputt ist oder minderwertig, können wir nur versuchen, es wieder gradezubiegen. Du kannst als Herstellungs-Agentur nur überleben, wenn du in genau diesen Situationen Haltung zeigst und versuchst, die Fehler zu beheben. Ich weiß, wie sich die Labels fühlen. In jeder Maxi steckt Herzblut, die müssen 100% korrekt sein. Unser Vorteil ist, dass hier Menschen arbeiten, die sich mit der Materie auskennen, Grafiker, die selbstständig Korrekturen machen usw. Das läuft hier alles ein bisschen familiärer. Das ist unsere Stärke. Mit diesem Puffer verdienen wir unser Geld.

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Elektronische Lebensaspekte.