aus De:Bug 73

Schon wieder leuchtet uns ein Monatsende den Weg zur Sonne. Das halbe Jahr rum, der versprochene Sommer da und alle guten Vorsätze 2003 versöhnlich eingeschmolzen. Tja. Sonnenölverschmierte Geschichten von Ausgehen, Musik und Urlaub suchen nach Worten. Barcelona hieß das Versprechen des Junis. Nicht nur das zehnte Sonar Festival zwang die elektronische Karawane zum verschwitzt fröhlichen Stelldichein zwischen Rambla, Rave und Ruhestörung. So wie Köln die PopKomm, den Rhein und das Ringfest hat, hat das frühsommerliche Barcelona einfach das Mittelmeer, wer braucht da noch Argumente? Matthew Herbert, Aphex Twin, Underworld, Jeff Mills und Björk hießen sie jedenfalls dieses Jahr. Kein angenehmerer Platz weit und breit, um ohne Airconditioning die langen Reihen der Messestände nach Labels, Leuten oder Liveacts zu durchstreifen. Zur Feier der ersten Sonardekade waschelten gut 5000 Akkreditierte plus ungezählte Besucherströme in Flip-Flops und Unisexhandtasche durch die Hallen der erleuchteten Musikjünger. Sonar by day, Sonar by night, 10th Anniversary Party, alles xxl bis größenwahnsinnig. In den Nischen der Altstadt lockte randständig bis amtlich der Rave im Club, ob Nitsa, la Terazza, Moog oder Otto Zutz. Der Debug Auslandspressestab, immer auf der Suche nach der ominösen illegalen Strandparty, wurde ebenfalls fündig. Nach langer Reise vorbei an Stränden, Promenaden und Strandplanierraupen war sie da, unsere echt katalanisch autonome Location. Bei uns wohnt man in Wagenburgen, hier lieber direkt am Strand, hat doppelt so viele Hunde, kein Patchuli, sondern Bier, kleidet sich aber ähnlich. Eher spät- denn postautonom, Rastazöpfchen und Feuerfackel immer mit im Gepäck. Angekündigt freilich ist das Ganze als die Sonar Raveline Party. Mit oder ohne Raveline, Genaueres zum Veranstalter ließ sich nicht recherchieren, zauberten die Gebrüder Teichmann zur Freude der Tänzer ein passables Set auf die ständig ausfallende P.A. Ungemach drohte aber dennoch, denn echte Hippie-Punks sind mit ihren Residents genauso wenig zimperlich wie mit dem Hauptacts oder ihrer Töle. Die Teichmänner, gerade mit lauwarmen Drinks auf Betriebstemperatur eingepegelt, sollten nicht zu lange auflegen, da die Localpunks auch ihre Residents mit dabei hatten. Diese, gar nicht zimperlich, durch die housigen Beats und seltsame Getränkezusätze erst richtig aufgestachelt, schubsten unter kleinem Tumult vor Debugs ungläubigen Augenpaaren die Teichmänner von der Bühne und übernahmen ganz selbstbestimmt die Technics in die Obhut ihrer braunverkrusteten Pranken. Der DJ-Wechsel, so abrupt er kam, so schnell räumten wir auch lieber das Feld, die Fackeljonglierer und Hunde immer fest im Blick. Barcelonas Gastfreundschaft bis ins extrem getestet, konnte das Restprogramm dagegen ja nur noch entspannend sonnig werden.

Delete Bug: Richtigstellung zu Vogt und Weizenegger, Debug 71, Seite 35

Zuviel der Ehre schadet auch. Da hatten wir doch in der Debug 71 glatt im Gewusel zwischen Text- und Bildredaktion dem Designerduo Vogt und Weizenegger Credits für Entwürfe zugeschlagen, die ihnen gar nicht gebühren. Vogt und Weizenegger haben lediglich die Lobby/ Public Spaces des Hotels Kudamm 101 designt, nicht die anderen Räume, die unsere Fotos zeigen. Für dieses Zuviel an Ehre entschuldigen wir uns nicht nur bei Vogt und Weizenegger, sondern auch den Designern, denen wir so unabsichtlich ihre Arbeit abgesprochen haben.
http://www.kudamm101.com

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Elektronische Lebensaspekte.