Text: Jan Joswig aus De:Bug 74

Wer braucht schon die sieben Hügel Roms, wenn er die zwei Hügel Lissabons haben kann. Nirgends gibt es ein quirlig romantischeres Auf und Ab als in der Stadt mit der Seilzugstraßenbahn. Damit die elektronische Musik in Portugal endlich mal auf stetigen Auf-Kurs einschwenkt, wurde dort das Festival “Cosmopolis” initiiert. An drei Abenden konnte man sich durch ein so engagiertes wie kraut- und rübiges Programm von Elektroclash für aufmüpfige Popper-Gören, Acid Jazz für schmerbäuchige Rockpromoter und Schulhallen-Party mit Marc Mac, Jazzanova, Rinôcérose u.a. für Sektflascheneinschmuggler wuseln. Die französischen Headliner M83 hatten ihr Equiment über den Wolken verloren. So konnte ihr melodramatisches Breitwandgejammer auch nicht die Party stoppen. Eine tolle Stadt, in der einem in der Touri-Einkaufsstraße neben Spielgelsonnenbrillen hundescheißegroße Dope-Brocken angeboten werden und der Kopf abgerissen wird, wenn man ihn in der Straßenbahn nicht schnell genug vor den entgegenkommenden Lastern aus dem Fenster zurückzieht. Wenn nächstes Jahr wieder Cosmopolis steigt, organisiert Debug einen Wagenburgler-Track runter nach Lissabon. Einziger Wermutstropfen: Das Tourismus-Büro konnte mir keinen Stadtführer auf DVD aushändigen. Ja wo gibt’s denn sowas, wo doch DVD-Player (Cyberhome) plötzlich nicht mehr nur weniger kosten als Videorecorder, sondern auch noch billiger sind als CD-Player?
Für alle, die auch schon beim Player von Cyberhome zugeschlagen haben, richten wir ab diesem Monat endlich mal eine DVD-Kolumne im Reviewfolder ein.
Und wir hätten in der letzten Debug auf Seite 28 echt drauf achten können, dass die URL “weareshit.com” heißt und nicht “wareshit.com”, wie von uns Schusseln behauptet. Aber da waren wir wohl schon zu sehr im Popkomm-Fieber und haben uns innerlich auf das grandiose Scooter-Konzert vor 70 Quietschteenies in der Public Area vorbereitet. In einer Halle, in der man locker die halbe Domplatte hätte unterbringen können, versteht sich. Aber Frontmann H.P., ganz Profi, zog durch und offenbarte mal wieder seine Liebe zu Reimen englischer Jungle MCs. Steve “Hyper” D wird sich wahrscheinlich wild im Grabe herumwerfen. Und noch was: Fluch allen, die mit “Popkomm Berlin”-Schweißbändern rumrennen.

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Elektronische Lebensaspekte.