Text: Jan Joswig, Sven von Thülen, Karen Khurana aus De:Bug 65

Weiter hinten im Heft unter ”Krise Musikjournalismus” steht gefährlich pessimistisch: Die neue Genügsamkeit. Und meint, alles so betulich im Business as usual angekommen. Aber wir haben den feuchten Finger in den Wind gehalten und vorausgespürt: Nicht nur die wieder gewählte Gabi Zimmer muss mit Gegenwind rechnen. Ein allgemeiner Wille zur Radikalität drängt dampfig aus den Gullys. Bald wird er sich auf den Straßen manifestieren. Auch die New Yorker “Vietnam hat nie aufgehört”-Helden Suicide haben den Ruf vernommen und flugs die Hymne zur revitalisierten Unversöhnlichkeit geschrieben.
Und Debug hört Indie. Denn Indie hat Guts. Und steckt voll unversöhnlich zwischen Gitarre und Scheppercomputer und Schüttelpony-Überwindung. Wir sind radikal erschüttert und knien uns rein und berichten haarklein ohne Pony im nächsten Monat.
Zurück zum letzten.
Der Neue Markt hat sich endgültig von der Börse verabschiedet, ihr Aktienindex Nemax wird aus dem Keller an die Straße gestellt. Aber keine Angst, die in ihm aufgelisteten Unternehmen werden schon wieder hereingelassen, nach dem Winter gespalten in “Prime Standard” und “Domestic Standard”, also die erfolgreichen darunter, zumindest.
Viva Plus Korrespondenten aus L.A., London, Hamburg und Berlin werden auch an die Straße gestellt, ähm, diesmal ohne Sendeauftrag. AOL Time Warner hat entschieden, dass auch Videos allein schon international und informativ genug sind. Und via Telefonwahl auch wieder interaktiv.
Es geht – wie so oft – um Geld und Tauschen. Simpel. Suhrkamp hat sich entschlossen, Textz.com zu verklagen. Nach der erfolglosen Abmahnung für eine Walser.pdf-Datei im Trash Folder der Seite stellt Suhrkamp nun ein paar andere Ascii-Texte in Rechnung und fahndet nach Verdächtigen.
Steven Spielberg stimmte Bushs Plänen zu einem präventiven Erstschlag gegen den Irak zu. Vielleicht sollte Spielberg sich einfach Minority Report noch ein paar Mal anschauen, zur Strafe.
Und sonst: Ellen Alliens Lieblingswort ist Lichtmensch. Die Liebesschaukeln im Snax-Club sind auch für Heteros bequem. Superpitchers neue klingt wie die alte (gez. Freunde der Kontinuität e.V.). Goa-Deko ist auch bei Club-Wiedereröffnungen 2002 nicht tot zu kriegen. Christian Kleine verschollen. Bleeds neuer Tedddy heißt Elke. Múm können tanzen (Herrmann ohne Kleine made them dance, booyakasha!). Vöslauer Kräuterwasser macht abhängig, booyakasha! zum 2ten. WMF-Klo jetzt mit Hygiene-Türsteher. Joswig trägt Heftklammern am Revers. Chicago House zu Weihnachten. BKA nervt im GayMF, Schnurrbart ist eben nicht gleich Schnurrbart. John Tejada ist Teddynapper. Gerade dachten wir noch John bildet auf seiner LP Daydreams and Cold Weather seine Familie ab, aber nein, es ist die Familie von Dr. Marian Stansbury. Und die Pakete aus Jena kommen immer noch nicht an. Was war drin? Smiley T-Shirts vom Freude am Tanzen-Label. Was beweist das? Das beweist, das Acid Revival braucht noch 5 Stunden mit der Bahn nach Berlin.

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Elektronische Lebensaspekte.