Telekom und Großaktionär BRD basteln Monopol
Text: Anton Waldt aus De:Bug 113


Die Deutsche Telekom will mit Hilfe seines Großaktionärs BRD die Internet-Infrastrukur der nächsten Generation als lukratives Monopol gestalten, Konkurrenz, Verbraucher und EU-Kommission sind dagegen. Die Gemengelage aus Technik, Kapital und Politik bleibt unübersichtlich.

Die Deutsche Telekom weiß aus Erfahrung, dass es sich mit Monopolen angenehm wirtschaftet. Mit einem richtig saftigen Monopol kann man die Beamtenseele baumeln lassen und den Share-Holder-Value einen guten Mann sein lassen, der ganz große T-Traum. Oder auch T-Phantomschmerz. Jedenfalls will die Telekom bei der Installation der Infrastruktur für wirklich schnelles Internet die gerade erst entstandene Konkurrenz möglichst lange und gründlich raushalten. Und da wir Konsumenten wirklich schnelles Internet für unser gutes Recht halten, weil wir endlich Filme in Klickgeschwindigkeit runterladen wollen, geht es hier um ein ganz vorzügliches Monopol. Wenn die Telekom damit durchkommen sollte, könnte sie sogar ihre miese Gesamtsituation locker wieder zum Guten wenden. Das zweite Märchen der T-Aktie ist allerdings trotz prinzipieller Rückendeckung des Über-30-Prozent-Aktionärs Finanzministerium eine hochspekulative Anlage. Vor allem in Brüssel finden die deutschen Telkoms und Provider zuverlässig Verbündete, weil nationales Industrie-Geklüngel für die EU der große Satan ist.

Inzwischen ist der deutsche Staat in Form der Regulierungsbehörde vor den EU-Attacken sogar schon in die Defensive gegangen, aber das Regulierungs-Deregulierungs-Business ist eine vertrackte Angelegenheit, vor allem wenn es um komplexe Produkte geht wie bei der Telekom. Denn so ein Internet-Anschluss beruht zunächst auf einer Infrastruktur aus Kabeln, Gullideckeln, Schalterschränken, Netzwerkräumen, Glasfaserleitungen (gerne in der Kanalisation), Generatoren und jeder Menge High-Tech-Boxen, um den Datenverkehr zu bündeln, beschleunigen, umzuwandeln und ans richtige Ziel zu lotsen. Kompliziert genug, aber dazu besteht das Produkt Internet-Zugang auch noch daraus, wie die Infrastruktur betrieben wird, und zuletzt bastelt die Marketing-Abteilung noch ein konsumierbares Paket für den Endverbraucher. Das heißt dann Super-DSL1.000.000 oder speedDSLpremium und definiert genau, wie man für seine monatliche Gebühr ein kleines Stückchen der großen Infrastruktur nutzen darf.

Leerrohrzugang oder Baggern
Weil die Kupferkabel-Infrastruktur noch aus Postzeiten stammt, muss die Telekom ihren Konkurrenten auf der sprichwörtlichen “letzten Meile” zum Kunden Zugang gewähren, was konkret heißt: Die Telekom muss das Kupferkabel vom Verteilersaal des Postamts, wo die Drähte des Viertels zusammenlaufen, bis in die einzelne Wohnung zu einem angemessenen Preis an die Konkurrenten vermieten. Dazu muss der Konkurrent aber natürlich irgendwie ein eigenes Hochleistungskabel in den Verteilersaal kriegen, eine mühsame Angelegenheit also, bei der die Telekom-Beamten den Prozess in jedem Schritt verlangsamen und hintertreiben. Aber kaum klappt diese Art der Netzöffnung hierzulande hinlänglich, da taucht schon das nächste Problem auf: Das schnelle VDSL verlangt nach einer neuen Netzarchitektur, bei der ein Teil der letzten Meile mit Glasfaser zurückgelegt wird. Und die Bundesregierung strickt dazu prompt ein passgenaues Gesetz, das diese neue Netzarchitektur von der angeordneten Öffnung der Netze ausnimmt.

Eine echte Arschkarte für die Konkurrenz, die nach dem Plan der T-Regierung selbst anfangen müsste, im ganzen Land neue Verteilerboxen aufzustellen und mit Glasfasern zu versorgen: Da braucht es für jeden aufgerissenen Zentimeter Straße eine Baugenehmigung und für jeden neuen Stecker einen Haufen Tauglichkeitsprüfungen. Wenn einer der T-Konkurrenten die nötigen Milliarden hätte, müsste er sich also auch noch selbst einen Beamten-Apparat nach Telekom-Vorbild zulegen, um den Netzausbau durchzuziehen. Dank EU wird es soweit nicht kommen, aber Gemeinheiten wie zähes Hauen und Stechen um jeden Meter “Leerrohr”, durch das man Glasfasern bequem durchschieben kann, dürften unvermeidlich sein. Auch noch in der Diskussion, ob alle Internet-Provider an jeder zweiten Straßenecke ihre eigenen Schaltschränke aufstellen müssen. Das könnten noch schöne Zeiten für Sprayer und Plakatkleber werden.

Weiterlesen: Die grauen Kästen der Telekom

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.