Mal ist es Character-Design, mal Graffiti, hier ein bisschen Manga und dort ein wenig russisch anmutender Stil. In den Werken des Amerikaners Matt Curry findet dieser Mix zu einem Abbild globalisierten Denkens.
Text: Moritz Sauer aus De:Bug 92

Vernetzte Freestyle-Welten
Matthew Curry

Matt Curry ist Designer, Illustrator und Maler. Innerhalb dieses Kreises grenzt er klar seine Arbeit als Designer und Illustrator von der rein künstlerischen Malerei ab. Seine Arbeiten sind eine faszinierende Mischung aus Graffiti-inspirierter Typografie und verschmutzten Hintergründen, auf denen sich wiederum Comic-artige Charaktere und Figuren tummeln, die sich aus den verschiedensten Bereichen der Welt rekrutieren.

Bewundernswert in dieser Konstellation der Schriften, Figuren und Hintergründe ist vor allem, wie es der Amerikaner schafft, dass sich die Bereiche nicht ausschließen, sondern sich unter seiner Hand zu einer ganz eigenwilligen und konsistenten Welt entwickeln, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Trotz der immer weiter changierenden Bezüge und Figuren würde man immer ein Curry-Bild erkennen.

In seinen Arbeiten kreiert der Maler Welten, die manchmal Russland zu zitieren scheinen und ein anderes Mal wie eine künstlerische Version eines Jump-and-Run-Klassikers daherkommen. Ganz klar wird hierbei, dass Matt Curry ein Kind unserer globalen und vernetzten Zeit ist. Ob Manga oder an die Häuserwand geworfenes Throw-Up, ob chinesisches Papier oder geschwungene Illustrationen – alles Inspirierende und jede Faszination findet ihren Weg ins Gemälde und verschmilzt mit dem Rest.

Matt, du arbeitest als Designer, Illustrator und Maler. Welche Disziplin liegt dir besonders am Herzen?

Das rotiert. An manchen Tagen ziehe ich es vor, Design zu machen, an anderen male oder zeichne ich lieber.

Wie beeinflussen sich deine unterschiedlichen Arbeitsmethoden? Gibt es da Berührungspunkte?

Als Designer und Illustrator fokussierst du immer darauf, dass die Marke und/oder die Nachricht intakt bleibt. Meine persönliche Arbeit ist da vollkommen selbstbesessen und ein sich kontinuierlich entwickelnder Prozess. Die Arbeit an Designs und Illustrationen geben mir da meistens direkter ein Gefühl der Befriedigung: Es gibt vorgegebene Ziele, Deadlines, eine finale Übergabe und ein Endprodukt. Wenn ich male oder zeichne, fühle ich nie auf diese Art und Weise. Für meine persönliche Arbeit beinhaltet das Endprodukt den gesamten Korpus meiner Arbeiten. Ich denke, dass ist der größte Unterschied zwischen diesen beiden Welten. Ansonsten verquirlen sich die drei Disziplinen, wenn du den Stil, die Farben, die Komposition und das Konzept betrachtest. Auch wenn ich wünschte, dass es manchmal nicht so wäre.

Wenn man deine Bilder aufmerksam betrachtet, hat man den Eindruck, dass du gerne Texturen und Muster, Figuren und Formen verbindest. Wie entwickelt sich so ein Bild? Ist das alles Zufall oder steckt eine eigene Herangehensweise dahinter?

Normalerweise fange ich einfach frei und ungebunden an zu zeichnen. Dabei verlasse ich mich einfach auf meinen Bewusstseinsstrom und schreibe Wörter, male Gesichter und alles, was mir so in den Sinn kommt. Dann schaue ich mir diese Ergebnisse an und beginne bestimmte Bereiche hervorzuheben, so als ob es eine einzige Zeichnung wäre, und füge Farbe und Gewicht bei. Dazu kommen weitere Details hier und da und dann lasse ich es einfach so mal stehen. Beim nächsten Mal, wenn ich mich wieder an das Bild heransetze, beginnt dieser Prozess erneut. Vielleicht diesmal aggressiver oder linearer. Gewöhnlich endet es damit, dass ich sämtliche Buchstabensymbole umarbeite und nur noch Reste von ihnen übrig lasse. Das geht dann eine Zeit lang immer so weiter. Dadurch werden die Bilder wie Tagebucheinträge dieser Zeit.
Du musst dir das wie bei einem Quadrat auf einem Bürgersteig vorstellen. Mit der Zeit wächst diesem Quadrat eine neue Haut durch Fußabdrücke, Kaugummi, Wetter, etc. Am Anfang sah es vielleicht schön aus, aber mit der Zeit verändert es sich und bekommt seine Kratz- und Kampfspuren.

Was den Betrachter bei deinen Bildern begeistert, ist die Kombination der Einflüsse. Auf der einen Seite scheinst du von Graffiti inspiriert zu werden, auf der anderen Seite fühlt man manchmal eine Art von russischem Einfluss, vor allem bei den runden, puppenähnlichen Objekten, die du oft in einer Zeichnung wiederholst. Gleichzeitig sieht man jede Menge Manga-artige Charaktere wie Sterne und witzige Figuren. Einige deiner Muster erinnern einen auch an chinesisches Papier. Klingen diese Eindrücke vertraut?

Auf jeden Fall. Ich liebe es einfach, solche Dinge zu malen. Wenn ich dann einmal mit ihnen anfange, werden sie ein Teil meiner Bibliothek, wie Schriften, und ich benutze sie immer wieder.

Ist Graffiti wichtig für dich?

Ja. Tagging, bzw. Writing ist unerlässlich. Ich verfolge zwar nicht mehr wirklich, was so in der Szene abgeht, aber ich schaue mir immer noch gerne diese “Throwies” an den Wänden an. Das ist wie ein angeborener Reflex.

Wenn du dich selbst beschreiben würdest: Was für ein Mensch steckt hinter diesen Bildern?

Ich mag Menschen. Ich genieße es mich mit ihnen zu unterhalten und verschwinde gerne mal im Plattenladen, nehme ein Stückchen Kuchen mit oder setze mich in ein Café. Ich bin ein glücklicher Typ, vielleicht auch ein Workaholic.

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Elektronische Lebensaspekte.