Apple hat seine Schnitt-Software iMovie renoviert
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 117

Die Videoschnitt-Software von Apple macht das Bearbeiten von Filmen kinderleicht. Das kann nur zu einem Qualitätssprung bei den Heimvideo-Produktionen führen. Danke dafür.

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Das neue iMovie-Icon, ein klassischer kleiner Hollywood-Boulevard-Stern, ist definitiv alles andere als ein Ansporn, zum professionellen Regisseur zu werden. Aber wir verstehen durch und durch, dass ein Programm, das so von Grund auf überarbeitet wurde, einfach auch anders aussehen muss und in typischer Apple-Manier auch ein wenig posen darf.

Schnippsel-Wirtschaft

Die Grundidee von iMovie 08 ist es, Videoschnitt und Bearbeitung so einfach wie möglich zu machen. Und einfach heißt hier kinderleicht. Beim Import neuer Filme sammelt iMovie alles in Ereignissen, die ähnlich wie bei iPhoto in zeitnah aufgenommene Bereiche aufgeteilt sind. Die importierten Filmschnippsel werden dabei automatisch in Parts aufgeteilt, wobei jede neue Aufnahme eine kleine Videoübersicht bekommt, längere Einstellungen mehrere. Durch die kann man nun mit der Mouse fahren, wie man Text mit einem Marker unterstreichen würde, nur sieht man dabei immer die Vorschau des Clips.

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Grundgerüst: Zusammengeschubst

Hat man sich so an die Stelle navigiert (man würde am liebsten surfen dazu sagen), die man will, und ein paar Sekunden gefunden, die in den werdenden Film passen könnten, schiebt man sie einfach auf der Projektleiste dorthin, wo das Stück Video passen soll. So hat man in wenigen Minuten ein Grundgerüst des Films zusammengestellt, das man nun mit den – zugegeben einfachen, aber effektiven – Mitteln von iMovie weiter bearbeiten kann.

Stimmt schon

Musik drunterlegen ist ebenso einfach, wie Übergänge zwischen den einzelnen Teilen auszuwählen, Texte einblenden genauso leicht, wie ein Voiceover aufzunehmen. Sollte die Farbe eines Clips nicht zu den anderen passen, wählt man einfach das passende Fenster aus und ändert Farbpegel, Belichtung, Kontrast oder Sättigung, passt einem der Bildausschnitt nicht, wählt man einfach das Schnittfenster und nimmt den, der stimmt.

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Filmemachers Stolz: Weggeschubst

Bei iMovie tritt all das, was früher kniffeliges Lernen der Videobearbeitungssoftware war, so weit in den Hintergrund, dass man sich innerhalb weniger Minuten schon darauf konzentriert, was nun eigentlich überhaupt aus dem Film werden soll. Die 50 Seiten Bedienungsanleitung sind dabei nahezu überflüssig, denn obwohl Videoschnitt und Bearbeitung eigentlich nicht gerade die leichteste Materie sind, hat man schon nach einer halben Stunde herumspielen das Gefühl, das Programm in- und auswendig zu kennen. iMovie ist tatsächlich einfacher als Malen nach Zahlen.

Der Haken

Genau hier liegt allerdings auch der Haken, denn die Begrenzungen (geringe Auswahl von Übergängen, Schriften stehen immer an vorgegebenen Stellen, die Möglichkeiten der Bearbeitung von Hintergrundmusik oder Sounds sind marginal) führen an gewissen Stellen immer auch dazu, dass ein mit iMovie erstellter Film, wenn man die eingebauten Effekte nutzt, am Ende eben genau so aussieht wie ein iMovie Film. Man muss seinen Mac also schon mit einem gewissen Stolz tragen. Für die ersten Jahre einer Jungfilmerkarriere im Netz ist es aber genau richtig.

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Say: Cheesy!

Fast selbstverständlich gibt es eine dezidierte YouTube-Schnittstelle (auch hier würde man sich eine Auswahl für mehr Services wünschen), mit der man aus dem Programm heraus jedes neue “Projekt”, wie die Filmchen genannt werden, sofort auf dem eigenen Account veröffentlichen kann, und für den internen Gebrauch lassen sich die Videos auch für jeden einzelnen Teil der Macperipherie (iPhone, Apple TV etc.) mit übersichtlichem Click verteilen. Die Import- und Export-Funktionen sind minimal, so dass man – sollte man nicht nur auf eigenes Film- und Photomaterial zurückgreifen wollen – sicherlich eine Konvertierungssoftware zur Vervollständigung des heimischen Filmstudios suchen sollte, dennoch aber ist verständlich, warum Apple bei der Präsentation von iMovie vor ein paar Monaten nicht mit Superlativen sparen wollte.

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Qualitätssprung: In Farbe!

Es ist zwar nie wirklich eine Revolution, wenn die Produktionsmittel so einfach geworden sind, dass eigentlich jeder sie versteht, aber es fühlt sich eben doch gelegentlich so an. Da iMovie mit der nächsten Generation von Rechnern mit dem neuen Betriebssystem ausgeliefert wird, wird man sich wohl über die Verbreitung von durchaus für viele Belange absolut brauchbaren Filmschnittstudios in der breiten Masse der Bevölkerung keine Sorgen machen müssen. Und einen Qualitätssprung gegenüber üblichen YouTube-Videos stellt iMovie sowieso dar.
http://www.apple.com/ilife/imovie/

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Elektronische Lebensaspekte.