Text: jörg koch aus De:Bug 01

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Videogames

“Aber… wozu soll er gut sein?”,
ein IBM-Ingenieur über die Idee des Mikroprozessors, Januar 1968

“Congratulations! I am very pleased that today the First Museum for Video Home Games will open.
As both the inventor of many video games and the Founder of Atari, I am honored that several of the very first products I developed are here on display today. I view this museum as the first sign of society’s recognition that video games are indeed a part of modern culture…”
Nolan Bushnell, January 1997

Ende Januar wurde in Berlin das erste Computer- und Videospielmuseum Europas in einer 70 m2 großen, ehemaligen Wohnung eröffnet – keine Frage also das die halbe Crew diesem Museums-Kleinod einen Besuch am Eröffnungstag abstattete. Ausgiebig wurde das Inventar getestet, man erfreute sich am Anblick seltener Exponate wie des BBS01, dem einzigen “Bildschirmgerät des VEB Halbleiterwerks Frankfurt (Oder)”, und selbst einem wortgewandten -Evangelisten wie Loop verschlug es bei der Benutzung der Vectrex 3D-Brille die Sprache.
Um es kurz zu fassen: Nichts weniger als das Paradies für Nerds hat in der Rungestr. 20 in Berlin-Mitte Einzug erhalten. Was bietet sich da nicht mehr an, als ein Interview mit dem gesprächigen Museumsdirektor über die Geschichte der Videogames?
(Manch einer mag sich ob der nun folgenden philatelistischen Pedanterie von Jahreszahlen, Systemen und Namen nur gelangweilt den Kopf schütteln, aber hier wird ein unverzichtbarer Abriß über einen Teil unserer Geschichte geliefert, die die Schulgeschichtsbücher verschweigen!)

Mein Name ist Andreas Lange, bin 29, komme aus Hessen und bin der Direktor des Computer- und Videospielmuseums in Berlin.
Ich persönlich bin eigentlich gar kein echter Spielefreak der ersten Stunde, habe damals zwar Pong gespielt aber es hörte dann auch irgendwie wieder auf. Ich bin Religionswissenschaftler – das ist keine Theololgie, was ich studiert habe, sondern vergleichende Relegionswissenschaften. Meine Abschlußarbeit handelte über Computerspiele, d.h. konkret über die Geschichten, die in den Computerspielen erzählt werden, und habe sie mit antiken griechischen Mythen verglichen. Das war vor drei Jahren und seitdem bin eigentlich dabei und beschäftige mich mit Computer- und Videospielen. Seit Mitte letzten Jahres baue ich die Ausstellung auf, indem ich Geäte kaufe, sammle und sortiere. Seit September letzten Jahres, ja, bin ich Museumsdirektor.
Spiele sind für mich Kulturgut, wie Bücher und Filme auch, und es ist ein sehr interessantes Medium, weil es unsere aktuellen gesellschaftlichen
Entwicklungen wiederspiegelt. Anhand von Computer- und Videospielen können wir ein Menge über unsere Gesellschaft wie auch überhaupt die mit der Computertechnologien einhergehenden Entwicklungen und Umwälzungen verstehen und begreifen. Mit unserem Museum wollen wir eine systematische Dokumentation der Entwicklung in der Unterhaltungssoftware nachzeichnen.

Wie erklärst Du Dir die Renaissance von den ganzen alten Spielen?

Es sind gute Spiele, einfach gute Spiele. Sie sind einfach und gut. Man muss seinen Computer nicht stundenlang konfigurieren, dieses und jenes einstellen, und sich seitenlange Bedienungshandbücher durchfriemeln, sondern man nimmt den Joystick in die Hand und es geht los. Es geht vor allen Dingen los im Zwei-Spieler Modus. Es macht viel mehr Spaß, wenn man direkt gegen einen menschlichen Gegener antreten kann. Es sind kleine, knackige Spiele. Und gleichzeitig sind es Spiele, die viele Leute aus ihrer Jugend kennen. Und das Museum ist natürlich ein Beleg dafür, daß die Zeit reif ist, sich zu besinnen. Herr Gott, was haben wir im letzten Viertteljahrhundert erlebt.

Dann laß uns mal zurückblicken. Alles fing ja mit Space Wars von Steve Russell 1962 an.
Das haben wir hier an einer Texttafel im Museum dokumentiert. Ich kann es leider nicht präsentieren, da wir bis jetzt noch nicht an das Programm herangekommen sind. Es wurde auch für Mainframe Rechner programmiert, die in den 60ern in den Universitäten und Unternehmen standen. Da ist es die Frage, ob der Programmcode überhaupt noch existiert oder ob es gar eine Umsetzung auf PC gibt. Uns ist bisher noch nichts untergekommen.
Interssanterweise war schon im ersten Computerspiel die “kill ’em all!” -Komponente enthalten…

Er hatte natürlich schon viel allein durch den Namen vorgegeben gehabt. Es war gleich Krieg, es war Leitthema auch vom Namen her. Vom Inhalt war es ein ganz einfach gehaltenes Abschußspiel. Man steuerte ein kleines Dreieck und konnte auf Kreise und Quadrate, die sich auf dem Bildschirm bewegten schießen und mußte ihnen gleichzeitig ausweichen. Eine ganz einfache grafische Form. Es ist aber der direkte Vorläufer von Pong gewesen. Space War genoß eine relative Popularität unter Studenten, die darauf Aufmerksam geworden sind. Und einer dieser Studenten war Nolan Bushnell.

Aber er hatte doch ziemlich erfolglos Space Wars kopiert, oder?

Genau, er hatte es kopierte. Bevor er Pong herausgebracht hat, hatte er seinen ersten Versuch unternommen, ein Videospiel kommerziell zu verkaufen, aber es floppte. Es war ziemlich kompliziert zu spielen. Er hatte wohl einen Prototypen gebastelt, bei dem man ein oder zwei DIN A 4 Seiten Gebrauchsanleitung durchlesen mußte, bevor man damit klarkam. Danach hat er tatsächlich Pong unter der Vorgabe entwickelt, es möglichst einfach zu halten. Man muß ja sehen, das damals Videospielautomaten etwas komplett Neues waren. Die Leute konnten flippern, sie wußten, was ein Billardtisch ist – all das war bekannt, aber das man selber etwas auf dem Fernsehbildschirm bewegen konnte, war völlig neu. Deswegen war es sehr wichtig, daß das erste Spiel sehr simpel war und Pong begriff man doch auch relativ schnell, nachdem man einige Bälle hat durchgehen lassen. Seinen Pong-Prototypen stellte er in einer legendären Kneipe, deren Namen mir leider entfallen ist, 1972 in Silicon Valley auf. Nach drei Tagen meldete der Wirt, daß die Maschine kaputt sei. Nolan Bushnell fuhr also hin und es stellte sich heraus, der Automat war tatsächlich kapput, aber nicht weil er schlecht gebaut war. Sondern der Münzspeicher, eine eingebaute Keksbuchse, war übergelaufen und die Münzen hatte einen Kurzschluß verursacht. Innerhalb der ersten drei Tagen hatte er also schon mit seinem Prototypen einen phänomenalen Erfolg gehabt. Es war allerdings nicht so einfach, Finanziers zu finden. Er fragte erfolglos verschiedene Firmen an, die das Konzept Videospiel überhaupt nicht verstanden, und so war er gezwungen, seine eigene Firma zu gründen – und das war eben Atari.
Irgendwie konnte er Gelder auftreiben, mietete eine ehemalige Roller Skate Bahn und installierte dann dort eine Produktionsanlage. Als Arbeiter waren hauptsächlich, na ja, Hippies angestellt. Die hatten den Vorteil, das sie sowieso zufrieden waren, wenn sie das machen konnten, was sie wollten – sprich Computerbasteln, fette Joints rauchen und Metal im Hintergrund hören. Sie waren halt recht billig und waren durchaus bereit, über die normalen Produktionszeiten hinaus Sonderschichten einzulegen, was dann auch Nolan Bushnell teilweise richtig ausgenutzt hatte. Der Laden lief dann gut an, die Geräte verkauften sich gut und es schlug dann relativ schnell ein…

1972 kam ein Gerät namens Odyssey von Magnavox auf dem Markt, das Frank Sinatra der amerikanischen Öffentlichkeit in einem Saturday Night Special vorstellte.

Das ist das erste Gerät, was für den Heimbereich herauskam. Allerdings ist es gefloppt, denn es verkaufte sich irgendwie nicht. Es war auch eine Pong-Variante. Der Programmierer namens Ralph Baer hatte sogar das Spiel schon Ende der 60ern für eine andere Firma produziert gehabt, die das Projekt allerdings auf Eis gelegt hatten. Magnavox, der nordamerikanische Ableger von Philipps, kaufte diese Lizens auf und brachte es als Magnavox’ Odyssey heraus. Es geht sogar das Gerücht um, daß Bushnell einen Prototyp dieses Odyssey irgendwo gesehn hat und daraufhin dann Pong programmiert hat. Gut, er ist aber derjenige, der es zum Durchbruch gebracht hat….

Nach 60 verschiedenen Pong-style games waren dann der nächste Schritt 1976 programmierbare Videogame-Systeme mit ROM-Cartridges. Das waren RCAs Studio II und Channel F von Fairchild. Wie beurteilst Du diese Systeme?

Das waren zwei Systeme, wovon wir das Fairchild als Original hier haben – momentan allerdings in der Werkstatt. Wir haben es jedoch in der europäischen, baugleichen Variante von SABA. Das Studio II war schwarz-weiß und von den Spielen richtig schlecht. Das Channel F von Fairchild war farbig und muß von den Spielen gar nicht mal so schlecht gewesen sein. Das Problem war eher eine Image-Geschichte, denn man merkt ja, daß die Idee mit ROM-Cartridges richtig war, weil ein Jahr später – 77- kam das Video Computer System von Atari heraus…

Der Atari 2600?

Ja, die waren identisch und schlugen wie eine Bombe ein und war das weltmarktbeherrschende System. Jetzt kann man natürlich Vermutungen anstellen, woran es lag: Es war technisch sicherlich ein Tick besser als die anderen, aber der Hauptgrund lag wahrscheinlich darin, daß Atari ein besseres Image hatten. Es war die automatenherstellende Firma mit Knallerhits wie Space Invaders, Break-Out, usw. hatten, die sie dann auf den 2600er umsetzten. Die liefen natürlich nicht so gut wie auf einem Automaten, aber sie waren bekannt. Deswegen haben die ganzen Spieler dann das Atari Ding gekauft und konnten mit dem Fairchild nicht soviel anfangen….

Es kam dann doch ein Game System auf den Markt mit einer BASIC Cartridge?

Das war das Bally Professional Arcade. Hier ist auch ein ganz interessanter Ansatz: Es wurde versucht, eine Spielekonsole mit einem richtigen Computer zu vereinbaren. Es kam ’78 von der Firma Bally, die im Videoautomatensektor ganz gut im Geschäft waren, heraus. Und es war das erste und bisher letzte Mal, daß sie versucht hatten, auf dem Heimsektor Fuß zu fassen, denn sie verbrannten sich furchtbar die Finger. Das Gerät war technisch nicht schlecht, hatte auch gute Spiele und man konnte eben, und das war das besondere, mit einem bestimmtem Basic-Programmodul eigene Programme schreiben. Richtig gut funktionierte es allerdings nicht, denn man hatte nur 10 Taste zur Verfügung, die zudem auch noch teilweise fünffach belegt waren. Es war eine tierische Fummelei.

Mattels Intellivision schlug doch auch diesen Weg zum Computer ein. Man konnte es zum Computer upgraden…

Ja, das war auch ein wichtiges System, welches wir weder hier im Museum haben noch weiß ich viel über die Möglichkeiten, es zum Computer auszubauen. Ein anderes wichtiges System war aber auch das von Magnavox 1978 herausgekommene Odyssey II, wo sie nochmal versucht haben, den Anschluß an den Markt zu kriegen. Hier in Europa wurde es als G7000 von Philipps vertrieben. Wir haben es im Museum. Das hatte eine richtige Tastatur dabei, zwar nur eine Folientastatur, aber qualitativ ein Fortschritt von den meisten Game Systems. Diese hatten meist, wie das beim ColecoVsion der Fall ist, nur 10 numerische Tasten und einen Joystick eingebaut. Und es gab ein Modul, womit man seine Programme selber schreiben konnte.

War Atari damals schon Marktführer? Wenn man heute zurückschaut, sieht man eine Menge an Experimenten, neue Firmen drängen auf den Markt, etc.?.

Ja, das war halt natürlich die Pionierzeit. Immer wenn ich die Videospielentwicklung skizziere, muß man selbstverständlich die Computerentwicklung im Kopf haben. Wie sah es da aus? In der ersten Hälfte der 70er wurden die ersten Heimcomputer hergestellt. Es waren allerdings bestellbare Bausätze, die man dann selber zusammenlöten mußte. 1976 kam dann der Apple I heraus, der ganz stolz als full assembled angekündigt wurde. Was bedeutet full assembled? Eine komplett zusammengebaute Platine, nackt – kein Gehäuse, keine Software, nichts. Er hatte immerhin die Möglichkeit, an den Fernseher angeschloßen zu werden. Ein Jahr später kam dann der Apple II. Parallel entstand der PET von Commodore…

Oh Mann, PET ist ja auch ein futuristisches Beauty vom Design. Der sieht richtig nach einer Zeit aus, wo die Ingenieure noch an Zukunft glaubten…

Diese Entwicklung war ganz neu, als zu der Zeit der Odyssey, Bally und Intellivision auf den Markt drängten. 1979 produzierte Atari ihren ersten Heimcomputer, der 400er, der auch nur eine Folientastatur und einen Schacht, wo man die Spielemodule hereinstecken konnte, hatte.
Man muß feststellen, daß alle Versuche Computer und Videospiel zu vereinbaren, alle eigentlich gescheitert sind. Es scheint so zu sein, daß Spieler reinrassige Spielsysteme haben wollen, die auch wirklich vom Image stimmen. Computerbenutzer wollen ein Gerät mit einem seriösen Ruf kaufen, selbst wenn der Computer dann zumeist nur zur reinen Unterhaltung dient.
Die Clone-Geschichten, von der Idee gut und von Atari ja auch vollendet, konnten sich letztendlich nicht durchsetzen.

1982 warf der Pong-Veteran Coleco das ColecoVision der hungrigen Meute der Arcade-Spieler zu Fraß…

Ein sehr interessantes System. Es war technisch 82 sehr innovativ. Es war dem VCS bzw. 2600 von Atari, der ja mittlerweile auch schon fünf Jahre alt und somit etwas betagt war, technisch weit überlegen. Mit dem Intellivision von Mattel zusammen waren es die innovativen Systeme Anfang der 80er Jahre. Es gab interessante Zusatzgeräte, wie z.B. für den Colecovision war ein Adapter erhältlich, mit dem man Atari-Spiele verwenden konnte. Coleco hatte eine sehr kleine, aber sehr feine Auswahl von Spielen. Alles Automatenhits, für deren Lizens sie ziemlich viel Geld zahlten. Donkey Kong – der Smash-Hit in den Spielhallen 1981. Das war übrigens der erste Hit von Nintendo, nachdem sie noch Ende der 70er kleine Gamewatch-LCD-Spiele vertrieben hatten. Das half natürlich Coleco, sich am Markt zu etablieren. Sie haben dann ein Zusatzmodul für Atari-Spiele gebaut, und haben damit ihre Spielebibliothek mit einem Schlag um tausend Spielen erweitert gehabt. Atari war das System mit den absolut meisten Spielen. Eine Masse Zeug also gegenüber Coleco, die gerade mal 20 Spiele angeboten haben…

Ist Atari dagegen angegangen?

Atari hat wegen Patentbruch und anderen Geschichten geklagt, letztendlich haben sie aber den Prozeß verloren. Coleco hat dann gleich noch einen draufgesetzt und haben einen exakten Clone von dem 2600er als eigenständiges System produziert, der natürlich auch alle Atari Spiele fressen konnte. Der hieß Gemini. Es gab dann einen Plan, diese Konsole zu einem richtigen Computer auszubauen, aber dieses Projekt ist dann leider nie über die Prototypphase hinausgekommen, denn 84 kam der legendäre Crash und hat Systeme wie Colecovision, Intellivision und Vectrex einfach heruntergerissen. D.h. die Firmen standen am Rande des Bankrotts oder wurden eingestellt, wie im Falle von Vectrex, das von MB (Milton Bradley) produziert und vertrieben wurde.

Aber Vectrex war doch eine Erfindung von General Consumer Electronics. Wieso haben die es nicht selber produziert?

Das ware eine kleine Firma, die niemals die Verteilermöglichkeiten, die ein weltweit operierender Konzern wie MB eben hatte, besaßen. Jay Smith hieß der Erfinder. Er ist jetzt wieder im Besitz der Lizensen und Rechte zu diesem System. Und das Tolle ist, das er sagt: “OK, Leute, ich gebe alles frei, ihr müßt keine Lizensgebühren bezahlen. Es freut mich einfach, daß das System immer noch am Leben ist!” Die alten Spiele, also die Programmcartridges, werden wieder nachgebaut, und es sind sogar zwei neue Spiele für dieses System programmiert worden.

Kannst Du das Vektrex noch mal näher beschreiben? Wenn ich es richtig rausgehört habe, ist es auch dein Lieblingsgerät…

Ich bin ein absoluter Fan dieses Systems. Das zentrale und augenscheinlichste ist, daß es das einzige Videospiel mit eingebautem Monitor war. Es lag daran, daß es ein Vektormonitor war, der nicht auf der Pixeldarstellung wie beim Fernseher oder Computermonitor beruhte. Es ist sehr schnell, die Skalierungseffekte – Objekte werden größer und kleiner – gehen im Gegensatz zu Pixelgrafiken stufenlos und ruckeln nicht. Diese Technik kam 78 zum ersten mal in den Spielhallen heraus und der Vectrex brachte sie dann praktisch vier Jahre später in die Heime. Es gab auch wieder interessante Zusatzgeräte. Das faszinierendste ist eben die 3D-Brille, die allerdings nie in Deutschland verkauft wurde und in Amerika erst kurz vor der Einstellung des Systems auf den Markt kam. Insofern gibt es da nur geringe Stückzahlen und auch in Amerika ist es ein absolut gefragtes Sammlerstück – wir haben sie hier als Leihgabe. Die Brille macht es nicht nur möglich, daß man bestimmte Spiele nicht nur in 3D sieht, sondern man kann sie auch in Farbe sehen. Was man ohne die Brille nur als schwarz-weiß auf dem Monitor wahrnimmt, kann dann farbig gesehen werden. Das funktioniert folgendermaßen: Man stöpselt die Brille in den zweiten Joystickport ein, der Computer synchronisiert dann die Flackerbewegung des Programms auf dem Bildschirm mit einer drehenden Scheibe, die in der Brille eingebaut ist. Diese Scheibe hat eine schwarze Hälfte, während die andere Hälfte aus roten, grünen und blauen Farbflächen besteht. Sie rotiert, und wenn es dann richtig auf Touren ist, funktioniert es erst. Man sieht 3D und Farbe. Irres Teil. Aber das Vectrex ist auch sonst sehr liebenswert. Aus Kostengründen haben sie einen schwarz-weiß Monitor eingebaut. Um dieses Defizit auszugleichen, gab es zu jedem Spiel eine Extra-Farbfolie, die man vor dem Monitor heftete, damit man einen Farbeindruck hatte. Ich mag auch die Spiele. Ich mag die Ästhetik, die im Vergleich zur normalen Videospielästhetik einen befremdenden, künstlerischen Eindruck vermittelt.

Konnte es sich auf dem Markt durchsetzen?

Es war ein sehr teueres System. Viele Leute haben es sich gewünscht, und es nie bekommen.
Das Vectrex lag zwischen 500 und 700 DM. Ein Programm modul kostete 100-120 DM. Den Atari 2600 bekam man 82 auch schon für 80$, wobei die Programme da noch immer recht teuer waren.

Wir bewegen uns langsam auf das Jahr 1984 zu. Beim Rundgang durch das Museum habe ich erstmals bemerkt, daß dieses Jahr für die Branche und Videogame-Junkies eine ähnlich traumatische Bedeutung hat wie der Schwarze Freitag im Jahre 1929 für Aktienhaie…

Man muß sehen, daß zu dem entscheidenden Jahre 84 hin einiges auf dem Softwaremarkt passierte. Der Markt boomte, unglaubliche Zuwachsraten und jeder glaubte “hey, das ist ja Geld im Schlaf verdient!” Es wurden unglaublich viele Programme erstellt, die auch unglaublich schlecht waren. Teilweise von Firmen, die noch nie etwas mit Computern bzw. Videogames zu tun hatten, aber einfach nur eine schnelle Mark abkassieren wollten. Dann kurz vor 84 gab es einen Preiverfall und innerhalb weniger Wochen brach dann der Markt komplett zusammen. Es gab vorher Absurditäten, wie Time Warner, die Atari 1976 aufgekauft hatten, stellten dann von einigen Atari-Spielen mehr Kopien her als es tatsächlich Ataris auf dem Markt gab. Völlig absurde Planungsfehler, die dann unter anderem dazu führten, daß der Markt komplett zusammenbrach. Es blieb gar nichts übrig, außer das die Spielhallen nach wie vor frequentiert waren. Das Bedürfniss der Spieler nach guten Spielen war ungebrochen.
Die zweite Ursache für den Crash war der Durchbruch der Heimcomputer. Als ich eben die Anfänge ’77 geschildert habe, dann waren es immer noch teure Geräte, die sich nicht von allen geleistet werden konnten. Und so richtig ab ging es im Prinizip mit dem VC 20 1981 und dann der C64 ’82/83.
Das waren die Geräte, die eingeschlugen und günstig zu erstehen waren. Gleichzeitig eigneten sie sich hervorragend zum Spielen. Sie waren farbfähig, der C64 war der erste Computer mit einem extra Farbchip, man kam preiswert an die Spiele dran und konnte sie sich auch anders besorgen… Das waren natürlich auch Gründe für Spieler “her mit dem Ding!” zu sagen. Die Auswirkungen waren dann 84 für den Videomarkt zu spüren.
Nach dem amerikanischen Zusammenbruch haben Nintendo dann ’85 den Sprung auf den amerikanischen Markt gewagt, die damals komplett für verückt erklärt worden sind.
In relativer kurzer Zeit haben sie sich dann ein Monopol erarbeitet…

Aber Atari hatten doch auch eine technisch gleichwertige Konsole fertig in den Schubladen…

Das Gerät war schon fertig entwickelt, nur hatten sie im Gegensatz zu Nintendo den Markt anders eingeschätzt. Die hatten auch den 5200er schon vor dem Crash draußen gehabt – das wäre ein Gerät gewesen, was mit Intellivision und ColecoVision mit halten können, aber da gab es eine ganz schlechte Softwareunterstützung nur und somit verkaufte es sich kaum. Der 78er lag auf der Halde und sie brachten ihn erst 1987 heraus. Aber da war der Markt von Nintendo schon besetzt, die in der Zeit ja auch zum Synonym für Videospiele geworden sind.

Nintendo hatte ein 90%iges Monopol an 8-Bit Videogames gehabt, obwohl die anderen Geräte von Sega und Atari technisch besser waren. Waren sie nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort oder wie kann man sich Nintendos Erfolg erklären?

Das Gerät war technisch ok, aber sie hatten eine Sache kapiert. Es kommt nicht so sehr auf das Gerät an, sondern mehr auf die Software-unterstützung. Das Gerät wurde sehr billig verkauft, womit sie keinen Gewinn verdienten, sondern letztendlich ihren Hauptgewinn aus Lizensvergabe an Softwarefirmen für dieses Gerät zogen. Nintendo hat eigene Spiele, wie Super Mario Brother, Donkey Kong, etc. hergestellt, aber ansonsten eine ganz restriktiveLizenspolitik betrieben. Sie haben die Firmen genau angeschaut, denen sie erlaubt haben, Spiele zu produzieren. Die ausgewählten Firmen mußten außerdem sehr, sehr viel Geld an Nintendo zahlen, um eine Lizens zu erhalten. Es ging noch weiter. Sie mußten die Spielecartridges in Nintendo-eigenen Werken herstellen laßen, d.h. selbst wenn das Spiel gefloppt wäre, hätte Nintendo doch noch einen Schnitt gemacht. Unglaublich geschickt hatte sich also Nintendo den Softwaremarkt unter den Nagel gerießen. Alle stöhnten natürlich über die harte Lizenspolitik und Nintendo mußte sich auch einigen Prozessen unterziehen, gleichzeitig war es aber so, daß das System mittlerweile in jedem vierten amerikanischen Haushalt stand. Die Firmen taten dann natürlich alles, um eine Nintendo-Lizens zu bekommen, denn in der zweiten Hälfte der 80er Jahre war es gleichbedeutend mit einer Lizens zum Gelddrucken. Diese internen wirtschaftlichen Geschichten interessieren natürlich nicht den Konsumenten, sondern das Resultat: Die Qualität der Software war sehr hoch. Ninetendo hatte permament Kontrolle darüber, welche Software für ihr System auf den Markt kam.

Und Sega?

Ja, Sega sind erst zwei Jahre später – so ’86 oder ’87- eingestiegen und haben sich auch ihr Stück vom Kuchen abgeschnitten. Es lief aber auch unterschiedlich, in Amerika kaum, hingegen in Europa besser. Da lagen sie bei 20 bis 25% Marktanteil und hatten ein szenigeres Image als Nintendo. Sonic the Hedgehog ging schon rasanter ab und durch diese Imageschiene konnten sie sich dann auf dem Markt etablieren…

Was passierte nachdem Nintendo Marktführer war?

Der nächste Entwicklungsschritt waren dann die 16-bit Konsolen und die Bit-Zahlen verdoppelten sich – Super Entertainment System, Sega Mega Drive. Alles wurde schneller, lauter, bunter und besser… zumindest von der oberfläachlichen Qualität, denn die Spieleideen waren schon sehr früh sehr gut. Es kam dann die CD-Rom als Massenspeicher Anfang der 90er Jahre auf, was sich hauptsächlich auf die grafische und soundmäßige Präsenz der Spiele auswirkte. Gar nicht mal unbedingt, daß die von der Spielqualität her besser waren oder vom Spielprinzip interessanter waren, aber die Programmierer hatten die Möglichkeit Videosequenzen einzubauen.

Was sind die besten Konsolen jetzt?
Ja, Ataris Jaguar war das erste 64-Bit Spiel was rauskam, ja, und richtig erfolgreich war es nicht.

Ist Atari zwischenzeitlich wieder belebt worden?

Nein, die Atari-Aktien verschwanden nun endgültig am 1. August letzten Jahres von der Bildfläche und wurden gekauft von einer festplattenherstellenden Firma mit so einem drei Buchstabennamen…
Die Atari-Ära ist nun definitiv formal vorbei. Atari wurde ja schon 1976 wurde von Time Warner gekauft, diese haben es ’84 bedingt durch den Crash interessanterweise an Jack Tremley verkauft. Jack Tremley war der Begründer von Commodore und is eine interessante Figur – geboren in Polen, überlebte Auschwitz und ist dann nach Amerika gegangen und hat in Brooklyn eine Schreibmaschinenreperaturfirma aufgebaut. Zuerst Schreibmaschinen repariert, dann produziert, hat Taschenrechner in seine Produktion aufgenommen und ist davon an Computer gekommen. Und eben mit Commodore hat er die Computergeschichte einfach mitbestimmt und mitbeschrieben. Mit seinem VC20 und C64 stand er in direkter Konkurrenz zu den 800ern Atari Computern. Er bekam mit Commodore Schwierigkeiten, die ihm als Aktiengesellschaft nicht mehr gehörte, stieg dort aus und kaufte dann seinen ehemaligen Konkurrenten Atari. Dort hatte er die ST Serie entwickelt – 16-bit Atari Heimcomputer – und Commodore hatte zu der Zeit den Amiga draußen, und die zwei Firmen haben sich eine richtige Preisschlacht geliefert. Vorher hatte Jack Tremley mit dem VC20 und C64 Atari mit niedrigen Preisen eingeheizt, denn sein Credo war “for the masses not for the classes”. Die Kisten mußten gut und billig sein. Sein Markt war der Massenmarkt, war dort gnadenlos und zettlete dort Preiskriege ohne Ende an.

Zurück zu den Gamekonsolen der Gegenwart!

Na ja, es gibt die drei Systeme Saturn, Playstation und Ninetendo 64. Nintendo läuft ja schon seit vergangenem Jahr in Japan, USA und England auch schon und nun wird der Nintendo in Deutschland als einer der letzten Märkte in Mörz eingeführt. Ich selbst habe so ‘ne Demovorführung von Super Mario gesehen. Ist schon beeindruckend, aber gleichzeitig gibt es für Saturn und Playstation Hammerspiele. Da geht es schon ganz gut ab, wenn es auf einem großen Fernseher mit fetten Boxen läuft. Ich habe gestern mit dem Marketingchef von Sony Playstation telefoniert, der mir ganz stolz erzählte, daß die Playstation einen Anteil von 90% zumindest am next generation markt hält. Die restlichen 10% sind Sega und andere. Aber Sega wird sowieso sehr wahrscheinlich verkauft oder mit Bandai fusioniert.

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Einleitung für Resourcen!
“Das Netz war für den Aufbau des Museums unglaublich wichtig. Ohne das Netz und ohne die Information, die dort abgespeichert werden, hätten wir es auch gar nicht in dieser Zeit hinbekommen – die Frage ist, ob wir es überhaupt so hinbekommen hätten. Gerade in dem Bereich ist dort unglaublich viel an Information zu finden und teiweise sehr liebevoll aufbereitet.” Andreas Lange

Alex, hier findest Du alle Links zu Fotoquellen. Ein Zeitstrahl mit Fotos von den besprochenen Geräten wäre schön, die dann auf die jeweilige Stelle im Interview linken. Setze bitte die newsgroups mit ein.
Einlietung zu den Resourcen ist als Block angedacht, den DU an die Seite klatschen kannst, mit URLs, newsgroups zu dem Thema……

Quellen fuer alles:
http://www.cs.unc.edu/~brownde/museum/
http://fly.hiwaay.net/~lkseitz/cvg/nexus/

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Elektronische Lebensaspekte.