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Text: Oliver Köhler aus De:Bug 31

/games Spiel mal Realität ”Bass Fishing”: Virtuelles Angeln & andere Simulationen Petri Heil Als SEGA ihre neue Dreamcast Konsole Anfang Oktober auf den Markt brachte, überraschte die Konsole in erster Linie durch die hohe Anzahl an zusätzlichen Peripheriegeräten. Neben dem obligatorischen Controller, Vibration Pack, Arcade Stick und Lenkrad kamen noch eine Tatstatur und visuelle Memory Einheit, eine Art Memory Card mit LCD Display, dazu. Dies alleine stellte schon genug Neuheit im Videospielmarkt dar. Für eines seiner neuesten Spiele, “Bass Fishing”, wurde extra eine virtuelle Angelrute hergestellt. Im Rahmen eines Angelturniers muss man die grössten Barsche aus einem See herausfischen. Man kann verschiedene Köder wählen, sowie die Länge der Leine variieren. Hat man die Leine herausgeworfen, wird sie an der Kurbel der Rute wieder eingezogen. Bei einem erfolgreichen Fang muss man gegen einen Leinenriss ankämpfen. Und die Rute kann ziemlich ins Vibrieren geraten, wenn sich die Schnur löst. Bis auf eine ‘analoge’ Kurbel unterscheiden sich die Funktionen der Rute kaum von denen eines normalen Controllers. Und an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Während die einen darüber stöhnen, dass für jedes Dreamcast quasi ein neuer Controller angeschafft werden muss, schwört die Gegenpartei auf den faszinierenden Realismus des virtuellen Angelgefühls. Schwer vorstellbar ist allerdings, wie sich das Spiel ohne Rute spielen lässt, oder ob die Rute überhaupt für ein anderes Spiel einsatzfähig ist. Diese Argumentation geht wohl eher auf Kosten der Qualität des Spiels, das nur durch die Rute an Attraktivität gewinnt! Controllerkrieg Was macht die Konkurrenz? Aus der Sicht der Playstation Konsole stellen SEGAs spezifische Controller höchstens die Spitze des Eisbergs dar. In den vier Jahren auf dem Markt hat die Playstation die Produktion einer ganzen Riege an Peripheriegeräten um die Spiele herum verursacht. Auf der Seite der amerikanischen Fachzeitschrift IGN [http://psx.ign.com/hardware.html] werden alleine 11 verschiedene Controller, 2 Lenkräder und 2 verschiedene Arten von Vibrationselementen aufgelistet. Obwohl die Controller nicht ganz so zugeschnitten wie für SEGA Bass Fishing hergestellt werden, lassen sich einige Spiele einfach besser mit adaptierten Joypads spielen, z.B. Wip3out mit dem NegCon Controller. Aber die Krönung schlechthin sind das vibrierende ‘Reality Vest’ [http://www.nubyonline.com/Reality%20Vest%20for%20PS.html], sowie der US$599 teure ‘Intensor’ Stuhl [http://www.imeron.com/frames/products/imeron_prod_top.html] für den ultimativen, sprichwörtlichen ‘Arschtritt’! Und für das Wu-Tang Shaolin Kampfsimulationsspiel hat sich die Firma Activision den ganz besonderen Marketing Clou ausgedacht: Playstation Controller in der Form des Wu-Tang Clan ‘W’! Brillen Etwas seriöser mit dem Phänomen der Virtual Reality Immersion gehen die Firmen SONY und Olympus um. Wie im Heise Newsticker gemeldet [http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/data/cm-31.03.9 9-000/default.shtml&words=Glasstron], brachten beide vor kurzem Multimedia Brillen auf den Markt. Das Sony Modell heisst Glasstron, wiegt 100g und kostet ca. 800 US$. Die Olympus Brille wird bezeichnenderweise Eye-Trek [http://www.eye-trek.de/] genannt und kostet dagegen nur DM 1300,-. Mit ihrer reinen Display Technologie heben sich die Brillen von bisherigen, angeblichen ‘VR-Brillen’ ab. Die beiden HMDs (Head Mounted Displays) ‘projizieren’ ca. 180,000 Pixel auf einer ungefähr 800×600 Pixel großen Fläche. Der Effekt beim Reinschauen in den 7″ Display gleicht ungefähr der Sicht auf ein 52″ Bildschirm von ca. 1,8 m Entfernung – im Gegensatz zum ELSA Revelator, das sich als 3D Brille in Verbindung mit Grafikkarte anwenden lässt. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Brillentypen von Sony und Olympus liegt darin, dass die Sony Modelle teilweise 3D-Darstellung ermöglichen, während das Eye-Trek nur 2 Dimensionen abbilden kann. Was aber diesen Modellen eine lange Biografie – und der Konkurrenz zu kämpfen geben wird, ist der Verbindungsstecker. Dadurch, dass die Geräte mit Standardsteckern ausgestattet sind, lassen sich die Brillen an jede beliebige Video- sowie Audioquelle anschliessen. Im Klartext heisst das: DVD Spieler, Video Walkman, Camcorder, usw. Es heisst aber auch, dass sich die Brillen mit Playstation, Dreamcast oder Nintendo 64 Konsolen verbinden lassen. Für SEGA und Nintendo ein schwerer Schlag, denn somit könnte Sony seine schon riesigen Anteile im Heimunterhaltungsmarkt rasant ausbauen. Der einzige Ausweg für die beiden Konkurrenten läge in der Produktion von Playstation Peripheriegeräten via Tochterfirmen oder Sub-Unternehmen. Denn ansonsten wird SEGA wie in Zukunft zugucken müssen, wie SONYs Brille ganze Haie schnappt, während sie noch nach kleinen Fischen angeln.

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Elektronische Lebensaspekte.