Steinberg verkauft mit dem Virtual Guitarist einen digitalen Schrammel-Begleitautomaten, der sowohl akustisch träumen als auch elektrisch headbangen kann. Benjamin Weiss hat sein altes Plektrum gesucht und losgelegt.
Text: benjamin weiss aus De:Bug 60

Schrammeln mit dem Rechner

Steinberg bringt mit dem Virtual Guitarist das erste PlugIn heraus, das einen Gitarristen simuliert. Und das geht so: Auf verschiedenen Gitarren wurden von unterschiedlichen Spielern Parts eingespielt, die per Akkord Erkennung anhand der eingehenden MIDI Daten von Virtual Guitarist abgespielt werden. Eingeteilt in verschiedene Stile von Metalgitarre bis hin zur Folk-Klampfe steht eine gewisse Bandbreite zur Verfügung. Auf MIDI Kanal 16 können die einzlnen Anschläge des jeweiligen Parts auch separat angespielt werden, so dass sich auch “eigene” Parts erstellen lassen.

Bedienung und Oberfläche
Virtual Guitarist ist in zwei PlugIns unterteilt: Virtual Acoustic Guitar und Virtual Electric Guitar. Neben dem Hauptfenster mit den wichtigsten Parametern gibt es jeweils noch ein Setup Fenster, indem sich wie bei Halion die Qualität/Anzahl der benutzten Samples (wahlweise Eco, Mid oder XXL) einstellen lässt. Zusätzlich können hier Midicontroller für Vibrato und das Triggern von Fills festgelegt, das Tuning verändert und das Velocityverhalten bestimmt werden. Im Hauptfenster gibt es links oben eine Anzeige für den gerade gespielten Part, der sich mit zwei Pfeilbuttons wechseln lässt. In der rechten oberen Ecke wird der gerade gespielte Akkord angezeigt. Auf dem Korpus gibts drei Tempobuttons (die Parts können wahlweise in der Originalgeschwindigkeit oder halb so so schnell oder doppelt so schnell gespielt werden). Darüber einen Drehregler für Shuffle, einen für Timing (hier können natürliche Timingungenauigkeiten simuliert werden) und einen für Dynamics (steuert zufällige Lautstärkeänderungen, wie sie beim realen Gitarrespielen vorkommen). Schließlich gibt es noch Drehregler für Decay (Länge des gespielten Tons), Stereo Width (verbreitert das Signal im Stereofeld), Low Cut (um tiefere Frequenzen auszuschalten, funktioniert nur bei Acoustic) / Pick Up Selector (um ein anderes Pick Up auszuwählen, nur bei Electric) und Enhancer (fügt dem Signal Obertöne zu, so dass es heller klingt, nur bei Acoustic) sowie Presence (siehe Enhancer, nur bei Electric). Dann sind da noch je ein Button für Doubling (doppelt das gespielte Signal) und Latch Mode (ist er aktiviert, spielt der virtuelle Gitarrenspieler weiter, auch wenn keine Note On Befehle mehr eingehen).

Performance und Sound
Noch die Performanceprobleme der ersten Versionen von Halion im Kopf, war ich zunächst skeptisch, als der virtuelle Gitarrist die 1.6 GB auf meiner Platte mit Gitarrentakes pflasterte. Man braucht schon eine nicht ganz so langsame Festplatte und ordentlich RAM. Insgesamt gibt sich Virtual Guitarist aber auch mit einem nicht allzu schnellen Rechner zufrieden, wenn auch die Ladezeiten für die Samples beim Öffnen eines Songs gern mal mehr als eine Minute dauern können. Wenn die Samples geladen sind, ist die Performance gut. Insgesamt ein lustiges Tool, das zwar keinen echten Gitarristen ersetzen kann (wenn er nicht wenigstens genausoviele Parts spielt), aber durchaus Spaß macht und für einfache Begleitungen oder Loops recht gut funktioniert und verhältnismäßig echt klingt. Der Preis ist allerdings ein bisschen hoch geraten.

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Elektronische Lebensaspekte.