Text: benjamin weiss aus De:Bug 14

Benjamin Weiss nerk@de-bug.de MAM VF 11 Vocoder Der VF 11 von MAM ist mittlerweile zwar schon beinahe zwei Jahre auf dem Markt, bleibt aber einer der wenigen Stand-Alone Vocoder, der mit einem Preis von 879,- DM erschwinglich ist. Grund genug das Ding in den Zeiten allgemeinen Retro-Electro Wahns einmal vorzustellen. Der VF 11 ist eine Kombination aus einem Vocoder mit 11 Bändern und einer Filterbank. 19 Drehregler versammeln sich auf der schmucklos-unscheinbaren Oberfläche des eine Höheneinheit kleinen Racks, auf der Rückseite gibt es neben dem Anschluß für das externe Netzteil fünf Buchsen: für die Analyse einen XLR-Anschluß für Mikrofone und einen Klinkeneingang für Linesignale, einen Klinkeneingang für die Synthese, einen Klinkenausgang und einen Eingang, der mit der Bezeichnung “Unvoiced In” betitelt ist, dazu aber später mehr. Für alle, die nur ungefähr wissen, was ein Vocoder eigentlich ist, hier nochmal eine kurze Erklärung: ein Vocoder hat grundsätzlich zwei Eingänge (Synthese- und Analyse- Eingang) und einen Ausgang. Klassischerweise wird über den Analyseeingang per Mikrofon ein Sprachsignal eingespeist und am Syntheseeingang ein Synthesizer. Spricht man in das Mikrofon und spielt gleichzeitig eine Melodie auf dem Synthesizer (oder steuert ihn per Sequenzer) so wird die Sprache im Tonhöhenverlauf der Synthesizermelodie wiedergegeben. Natürlich kann man sowohl am Syntheseeingang wie auch am Analyseeingang beliebige andere Signale einspeisen, Drumloops, Samples oder was auch immer einem an Geräuschen unterkommt . Die Analyseeinheit des Vocoders zerlegt das Analysesignal per Bandpassfilter in Frequenzbänder (in diesem Fall 11), deren Lautstärkeverlauf in eine Spannung umgesetzt wird. Die Syntheseeinheit unterteilt auch das Synthesesignal in Frequenzbänder und ermittelt ihren Lautstärkeverlauf. Der eigentliche Effekt eines Vocoders besteht dann darin, daß der Lautstärkeverlauf der Analysebänder auf das Synthesesignal übertragen wird, der Tonhöhenverlauf aber erhalten bleibt. Oberfläche Die 19 Drehregler des VF 11 sind in fünf Bereiche unterteilt: Input Level, VCO, Output Mix, Filterbank und Unvoiced. Der Bereich Input Level umfaßt je einen Lautstärkeregler für Analyse- und Syntheseeingang. Die Lautstärke des Analysesignals beeinflußt die Intensität der Beeinflussung des Synthesebereichs. Für die Leute, die vielleicht keinen Synthesizer haben oder nur die klassische Sprachverfremdung nutzen wollen, ohne sich groß um das Synthesesignal kümmern zu müssen, besitzt der VF 11 einen internen VCO mit Sägezahncharakteristik, der automatisch stummgeschaltet wird, wenn ein Signal am Syntheseeingang anliegt. Im VCO Bereich gibt es nur einen Regler, der für die Frequenz des internen VCO zuständig ist, ein ziemlich lustiges Beispiel von ziellosem Rumschrauben an diesem Frequenzregler ist einer der Breaks im Track “Intergalactic” der Beastie Boys auf ihrer neuen LP “Hello Nasty”. Output Mix ist sowas wie die Achillesverse für das Soundergebnis des Vocoders: hier wird der Output mit den Reglern für Filter, Analyse Mix, Synthese Mix und Vocoder zusammengemischt. Mit dem Analyse Mix Regler läßt sich das unveränderte Signal des Analyseeingangs (abhängig von der durch den Analyse Input vorgegebenen Lautstärke) dem Ausgang zumischen, der Synthese Mix Regler besitzt die gleiche Funktion für das Synthesesignal. Der Filterregler besitzt zwei Funktionen: im Vocodermodus dient er dazu, eine zusätzliche Spannung dem Ausgangssignal zuzumischen (die durch die Stellung der Bandregler im Filterbankbereich zustande kommt), liegt kein Analysesignal am Eingang an oder ist der Input Regler für die Analyse runtergedreht, definiert er die Gesamtlautstärke der Filterbank. Womit wir schon beim Filterbankbereich sind: hier befinden sich die Lautstärkeregler für die 11 Bandpässe des VF 11, die im Filterbankmodus als 11-Band Equalizer für das Analysesignal dienen. Kommen wir zum letzten Bereich, dem Unvoiced Regler, der einer kleinen Erläuterung bedarf. Der VF 11 hat einen eingebauten Voiced-Unvoiced Detektor, der dazu dient, die Sprachverständlichkeit bei Konsonanten zu erhöhen. Das Problem bei Konsonanten ist, daß sie sich im Gegensatz zu Vokalen aus einer Menge unharmonischer Klänge im oberen Frequenzbereich zusammensetzen. Deswegen unterscheiden sie sich in der Regel (= Synthese durch Synthesizer) sehr stark vom vergleichsweise harmonischen Synthesesignal, was zu einer schlechten Sprachverständlichkeit führt. Der Voiced-Unvoiced-Detektor erkennt automatisch, ob ein Signal mit Konsonanten am Analyse Input anliegt und schaltet auf Unvoiced um, wenn das der Fall ist. Im Unvoiced Modus wird das harmonische Synthesesignal durch ein dem Analyseklang ähnlicheres Signal ersetzt, bevor es in die Synthesefilter kommt, wodurch die Sprachverständlichkeit deutlich verbessert wird. Dieses Unvoiced Signal kann wahlweise extern über die Unvoiced-Buchse eingespeist werden, oder vom internen Rauschgenerator kommen. Bedienung und Sound Ein Vocoder ist alles andere als ein Multieffektgerät mit 200 Presets, es gibt keine “richtigen” Einstellungen und so erfordert die Benutzung und Erforschung sämtlicher Möglichkeiten ein bißchen Zeit. Durch die klare Gliederung der Bedienelemente wird die Einarbeitung aber trotzdem nicht zu einem frustrierenden Gefrickel, außerdem wird man durch die Vielzahl an möglichen Soundvariationen mehr als belohnt. Der Sound des VF 11 ist durch seine 11 Bänder sehr differenziert (nicht zu vergleichen mit dem eingebauten Vocoder des Sirius, der ja auch schon recht ordentlich klingt) und durchsetzungsfähig, auch als Filterbank prima einsatzbar. Wie gesagt: noch immer der günstigste Stand-Alone Vocoder ohne Abstriche beim Sound, der momentan auf dem Markt ist. Schön wäre natürlich noch ein wenig Midisteuerbarkeit (zum Beispiel der Bänder und der Frequency) aber das ist für diesen Preis leider nicht zu haben. ***** Info: http://www.music-and-more.com Preis: 879,- DM

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Elektronische Lebensaspekte.