Warum Musik weglizensieren, wenn ich doch auch selber einen MP3- Shop auf meiner Website aufsetzen kann. "Line_Up" bietet die Komplettlösung für Labels, die autark bleiben wollen.
Text: Sascha Kösch aus De:Bug 85

Vom Label zum MP3 Shop

Wir leben ja schließlich in Netz-Zeiten. Weshalb man also darauf warten sollte, bis irgendjemand irgendeine Plattform im Netz installiert hat, über die man dann seine MP3s verkaufen kann, und sich dann im digitalen Vertrieb ebenso abhängig macht von möglichen Beschränkungen wie im klassischen Vertrieb – denn das Netz ist ja letztendlich nichts weiter als ein globaler Distributionsmechanismus – ist eine bislang unbeantwortete Frage. Oder vielleicht nicht? Gut, nicht jeder kann sich einen Shop aufsetzen, viele Label scheitern ja schon an der Aktualisierung ihrer eigenen Webseite oder brechen zusammen unter der Last zusammen, die sie sich irgendwann mal, weil es schick war, mit Flashapplikationen aufgebürdet haben. Wir hatten schon lange damit gerechnet, dass irgendwer mal eine Software aufsetzt, die all diese Probleme für einen löst, Blogsoftware gibt es ja schließlich auch. Wir haben sogar richtiggehend danach gesucht, dabei fand sich die Antwort nur ein paar Meter weiter. Michael Mente, der seit langem schon zusammen mit Shitkatpult deren Webseite und ziemlich anspruchsvolle Umsetzung codet, dachte sich irgendwann, das ist keine Webseite mehr, das ist eine Software, und begann das Backend für die Shitkatapult-Seite immer mehr modular aufzubauen. Mittlerweile ist daraus XXXX entstanden (das auch bald bei ~scape zum Einsatz kommt) und ist eine komplett Lösung für Labels, die eine Webseite brauchen, die mehr kann als nur etwas Info über das Label geben und das beste, ein Shopsystem mit MP3-Option ist längst mit drin. Dein eigenes Downloadportal. XXXX lässt einen mit wenigen Clicks und sehr übersichtlich neue Releases online stellen, Releasedates bestimmen, Trackinfos, Coverart, Vertriebsinfos, Reviews usw. Und wenn aus einer CD noch ein Vinyl wird, ist das nur noch ein Click, die MP3s dazu lädt man natürlich auch über das Webinterface hoch, eins zum Streamen für den Player auf der Webseite, eins für Promo, eins für den Verkauf. Die Künstler bekommen Photos, Infoseiten, Tourdates, Labelinfos gibt es für so viele Sublabel wie man eben hat, Promoaccounts für besonders neugierige Journalisten kann man vergeben, Newsletter verschicken und im Shop kann man verkaufen was man will (Releases werden selbstverständlich aus der Releasedatenbank übernommen, aber auch alles andere passt rein), natürlich auch MP3s. Ein komplettes Content-Management-System eben für Label, die alles über ein Webinterface einpflegen können und natürlich (mit ein paar HTML Kenntnissen) die Seite so aussehen lassen können, wie es ihren graphischen Vorstellungen entspricht. Dazu gibt es noch RSS-Feeds falls sich jemand spezielle Infos von einem Label auf die eigene Webseite holen möchte und für Artists des Labels z.B. Webservices, die es ihnen direkt ermöglichen, sich an das Backend der Labelwebseite anzuschließen und so ihre Releases, Tourdates, aber auch Shop-Parts und MP3s zu ziehen. Und weil Michael den Netzgedanken in der harten Shitkatapult-Schule gelernt hat, wird diese Software, wenn sie von mehreren Labeln genutzt wird, offen dafür sein, dass sich verschiedene Label untereinander vernetzen und Daten austauschen können. Ein dezentrales Netzwerk aus, das langsam zu einem eigenen digitalen Vertrieb von unten wachsen und deren Webseiten miteinander sprechen, damit nicht an jeder sich überschneidenden Stelle alles doppelt eingegeben werden muss. Sogar Kooperationen mit Go Disko oder Officer sind geplant, damit Offline und Online in Frieden miteinander leben können. Mit XXXX beginnt die Label-Welt ihr Blogzeitalter. Genau so hatte man sich das immer vorgestellt.

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Elektronische Lebensaspekte.